Herr Commer, unrühmlich bekannt durch sein Verhalten in der Schellaffäre, hat die Erdbeben als „Grollen des Satans“ erklärt, steht auf dem Standpunkt der Bautzschen Höllentheorie, leugnet die Umdrehung der Erde um die Sonne, spricht dem Foucaultschen Pendelversuch die Beweiskraft ab, lehrt die Erschaffung der Welt in 6 Tagen à 24 Stunden und verteidigt die Hexenverbrennung. Trotzdem oder wohl deshalb ist er päpstlicher Prälat, Doktor der Theologie und Jurisprudenz und ordentlicher Universitätsprofessor in Wien, und zwar das alles im 20. Jahrhundert[258].

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Gegen die Eherechtsreformer in Österreich, die Aufhebung des bisherigen mittelalterlichen Gesetzes erwirken wollen – dort ist heute noch die Ehescheidung (nach deutscher Terminologie) unzulässig, die getrennten Gatten aber müssen bis zum Tode des anderen ledig bleiben; ein kostbares Vermächtnis aus der klerikal-feudalen Vergangenheit – wird heute noch als gewichtigstes Argument angeführt, daß – Gott selbst im Paradiese die Ehe zwischen Adam und Eva als unlösliche Institution eingesetzt habe!!![259]

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Heute noch wird gelehrt, daß die Menschheit durch den Sündenfall sich die Strafen der Hölle und des Fegefeuers zugezogen hätte. „Der allmächtige Gott hat nämlich den Menschen zuerst schwach und unvollkommen geschaffen und ihn sodann verantwortlich gemacht. Der allwissende Gott hat Adam und Eva einer Probe unterworfen, von der er natürlich voraus wußte, daß sie sie nicht bestehen würden. Und als dann dieser Fall wirklich eingetreten war, hat der allgütige und gerechte Gott dafür nicht bloß sie selbst, sondern auch alle ihre Nachkommen mit ewiger Verdammnis bestraft. So entstand die Erbsünde. Und auf eine gleich klare und überzeugende Weise wurde die Menschheit auch wieder von ihr erlöst.“[260]

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Durch den Syllabus Papst Pius IX., der natürlich heute noch zu Recht besteht, wurden unter anderem folgende „Irrtümer“ verdammt:

§ 12. „Die Dekrete des apostolischen Stuhles und der römischen Kongregationen hindern den freien Fortschritt der Wissenschaft.“

§ 18. „Der Protestantismus ist nichts anderes, als eine verschiedene Form derselben christlichen Religion, in welcher es ebensogut möglich ist, Gott zu gefallen, wie in der katholischen Kirche.“ Damit wird also dem Protestantismus die Qualität einer christlichen Kirche abgesprochen!