Unter dem Titel: »Disputatio nova contra mulieres qua probatur eas homines non esse« erschien 1595 ein Büchlein ohne Verfassernamen und Druckort.

Der gelehrte Autor rühmt sich in diesem Elaborat durch 50 unwiderlegliche Stellen der Heiligen Schrift den Beweis geführt zu haben, daß Weiber weder Menschen seien, noch von Christus erlöst wurden.

Er beginnt mit der These, Christus habe nicht für die Frauen gelitten und sie deshalb auch nicht erlöst. Sehr merkwürdig und bezeichnend für den scholastischen Geist und die ganze Rabulistik des Mittelalters ist seine Beweisführung. So heißt es im vierten Absatz: Da die Hl. Schrift alle verflucht, die etwas Gottes Wort hinzufügen, so sind auch alle jene verflucht, die hinzufügen, die Weiber seien Menschen und es glauben. Denn weder im Alten noch im Neuen Testament werde ein Weib Mensch genannt. Wären sie Menschen, dann hätte aber der Hl. Geist sie auch zweifellos so genannt. Wer trotzdem behauptet, sie seien Menschen, der maßt sich an, mehr zu wissen als Gott.

Im achten Absatz heißt es: Eva war kein Mensch, denn sie wurde nicht etwa geschaffen, damit Adam nicht allein sei, sondern damit Adam durch sie Menschen zeugen sollte, deren Dasein ihn von der Einsamkeit befreite.

Im zwölften Absatz sagt der Autor: Da Gott allwissend ist, so wußte er auch bei der Schöpfung Adams, daß er Eva erschaffen würde. Hätte er gewollt, daß sie auch ein Mensch sei wie Adam, dann hätte er nicht im Singularis gesprochen: »ich will einen Menschen schaffen«, sondern er hätte gesagt: »ich will Menschen schaffen«. Weil er aber so sprach, besitzen wir den sichersten Beweis aus Gottes eigenem Munde, daß Gott nicht gewollt habe, daß das Weib ein Mensch sei, und daß er nur einen Menschen geschaffen hat und nicht etwa zwei.

Auch aus dem Sündenfall folgt im 14. Absatz die weibliche Unebenbürtigkeit: Wäre das Weib dem Adam gleich gewesen, dann hätten im Paradiese zwei Menschen gesündigt. Denn Eva beging denselben Fehltritt wie Adam. Der Apostel sagt aber ausdrücklich: durch einen Menschen sei die Sünde in die Welt gekommen. In diesem Stile wird der »Beweis« weiter geführt, um mit der gewiß vielen Damen schmerzlichen Konstatierung zu schließen, daß das Alte Testament so gut wie das Neue den Weibern nicht nur ihr Menschentum abspreche, sondern daß Christus auch nicht für sie gestorben sei.

Doch der Anonymus hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Diese Einmischung in ihre Domäne konnten sich die Erbpächter der Unsterblichkeit nicht bieten lassen. Noch im gleichen Jahre 1595 erschien die Schrift: »Admonitio Theologicae Facultatis in Academia VVittebergensi ad scholasticam Juventutem, de libello famoso & blasphemo recens sparso, cuius titulus est: Disputatio Nova contra mulieres, qua ostenditur, eas homines non esse«. Wiewohl die theologische Fakultät in der Einleitung ausdrücklich sagt, daß es möglich sei, daß impurus iste canis (»jener unreine Hund«), wie die milden Streiter Gottes sich so geschmackvoll ausdrücken, nur im Spaß seinen Angriff gemeint habe, sieht sie sich doch genötigt, nicht nur durch Worte der heiligen Schrift zu beweisen, daß das Weib doch ein Mensch sei, sondern sich hochoffiziell zu unterschreiben: »12. Januar 1595 Decanus, Senior et Professores Theologicae Facultatis in Academia VVittebergensi.« Man hielt es also offenbar für sehr notwendig, mit schwerem Geschütz den Angreifer der Weiber niederzukämpfen. Sei es, daß man ein schlechtes Gewissen hatte, sei es, daß er begeisterten Beifall gefunden hatte.

Trotz dieser Kathedralentscheidung scheinen die Verächter der holden Weiblichkeit noch lange nicht Ruhe gegeben zu haben. Wenigstens liegt mir noch aus dem Jahre 1690, also nach einem vollen Jahrhundert, unter dem Titel »Mulier homo« ohne Erscheinungsort und Verfassernamen ein Neudruck vor. Hier ist auch der feierliche Schluß fortgelassen. Sollten etwa trostbedürftige Ehemänner die Abnehmer gewesen sein?

Noch im Jahre 1767 erschien unter dem Titel »Beantwortung der Frage, ob das Frauenzimmer ein notwendiges Uebel sey« zu Frankfurt und Leipzig ein Büchlein, das allerdings das Thema mehr humoristisch behandelt, auch keinen Verfassernamen trägt.

Ja, noch aus dem Jahre 1791 liegt mit eine Broschüre über das Thema vor. Sie trägt den Titel »Apologie des schönen Geschlechts oder Beweis, daß die Frauenzimmer Menschen sind«, wurde von Heinrich Nudow aus dem Lateinischen übersetzt und erschien in Königsberg.