Interessant ist die Bemerkung der Vorrede, »daß einige neuere spekulative Naturforscher des schönen Geschlechts« zu der »sehr wahrscheinlichen« Annahme gelangt seien, daß »der Sitz der Seele bei den Frauenzimmern nicht wie bei den Männern im Gehirn, sondern in der Gebärmutter seyn soll; – daß da sich alles Leben und Seyn, – alles Dichten und Trachten beim andern Geschlecht von einem gewissen inneren Triebe ableiten, und wieder darauf zurückführen läßt, dem die Natur jenes Eingeweide zu einem Hauptwerkzeug bestimmte, auch wohl das andere Geschlecht großenteils (und vielleicht gänzlich) nur durch die Gebärmutter denken dürfe.« Der Verfasser konstatiert und beweist übrigens die Menschheit des schönen Geschlechts.
Lassen wir dahingestellt, was in diesen Schriften, die wir keineswegs vollzählig aufführten, Ernst, was Witz ist, so viel steht unwiderleglich fest, daß eine ganze theologische Fakultät es für notwendig hielt, feierlich dagegen Stellung zu nehmen, daß das Weib kein Mensch sei. Wäre es ihnen nicht möglich gewesen, durch Bibelworte den Gegenbeweis zu führen, so hätte selbstverständlich die fromme Herde noch etliche Jahrhunderte lang das Weib für ein Tier gehalten.
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Ein gewisser Georgius Fridericus Gublingius schrieb im Jahre 1725 eine Dissertation in Wittenberg mit dem Titel: De barba Deorum ex priscarum Graeciae et Latii maxime Religionum monumentis. Behandelte er in dieser gelehrten Schrift die Frage, ob die Götter bärtig waren, so in einer andern im gleichen Jahre ebenfalls in Wittenberg erschienenen unter dem Titel: »De causis barbae Deorum«, die ebenso wichtige nach den Gründen dieser Bärtigkeit.
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Eine außerordentliche gelehrte Arbeit erschien 1705 zu Leipzig mit folgendem Titel: »Cogitationes admodum probabiles de vestimentis Israelitarum in deserto an per miraculum duraverint aut creverint in dissertatione academica indultu Philosophici Ordinis Lipsiae ad II. Aprilis A. MDCCV habenda eruditorum examini exhibitae a Gottfrido Zeibigio & Johann Andrea Beckero.« Die philosophische Fakultät promovierte also zwei Doktoranden, die Herren Zeibig und Becker, weil sie Betrachtungen darüber anstellten, ob die Kleider der Juden in der Wüste durch ein Wunder alle Strapazen ausgehalten haben oder gar nachwuchsen!
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Ein gewisser Paul Christian Hilscher prüft in Dresden 1703 in einer seinem Schwiegervater, dem Dr. der Theologie und Superintendenten zu Freiberg, Christian Lehmann gewidmeten Gratulationsschrift zum 60. Geburtstage die hochwichtige Frage nach der Bibliothek Adams. (De bibliotheca Adami.) Das Heftchen ist mit wundervollen Schriftzeichen geschmückt und natürlich grundgelehrt. So eine Art Seitenstück also zu Beringers Würzburger Petrefaktenbuch, das wir bald kennen lernen werden.
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Christian Tobias Ephraim Reinhard, ein sonst ganz ernster Schriftsteller, der auch über die in der Bibel vorkommenden Krankheiten geschrieben hat, veröffentlichte im Jahre 1752 zu Hamburg eine Schrift: »Untersuchung der Frage, ob unsere ersten Urältern Adam und Eva einen Nabel gehabt.« Er kommt im § 17 dieser Abhandlung, die wohl ernst gemeint sein dürfte, zu folgendem Resultat: »Genug, Adam und Eva sind nicht gebohren, sondern gemacht, nicht gezeuget, sondern geschaffen worden, und wer hieran zweifelt, der ist kein würdiges Glied der Kirche, sondern wird kraft meines Amts dem Teufel übergeben. Von dieser Wahrheit gibt der heilige Geschichtschreiber Moses in seinem Buche von der Erzeugung das allerbewährteste Zeugnis. Da es nun eine unumstößliche Wahrheit bleibet: daß unsere ersten Stammväter nicht gebohren worden sind, so muß es auch wahr sein, daß sie keinen Nabel nöthig gehabt haben. Denn da dieselben niemals im Mutterleibe verborgen gewesen sind, so hat ihnen fraglich keine Nabelschnur zu statten kommen dürfen. Haben sie nun keine Nabelschnur nöthig gehabt, so haben sie auch keinen Nabel, als dessen Überrest derselbe ist, besitzen können.«