Reinhard war »Der Arzneygelahrtheit Doktor und Heilarzt zu Camenz«, wie er auf dem Titelblatt des Schriftchen vermerkt.

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Das erleichtert uns den Übergang zu den Naturwissenschaften.

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Jahrhunderte nahm man an, die Meergänse sollten aus einer Muschel, der Entenmuschel, hervorgehen. Diese Theorie ist weniger verwunderlich, als die Tatsache, daß bedeutende Gelehrte sich durch Augenschein davon überzeugt haben wollten. So schrieb der Leibarzt Rudolfs II., Michael Mayer, er habe in den Muschelschalen den wie in seinem Ei liegenden Fötus des Vogels selbst gesehen und sich überzeugt, daß er Schnabel, Augen, Füße, Flügel und selbst angehende Federn besaß. Der gleichfalls im 17. Jahrhundert lebende Sir Robert Moray, dessen Bericht in den Schriften der Londoner königlichen Gesellschaft 1677–78 veröffentlicht ist, behauptete, in jeder Entenmuschel, die er öffnete, ein vollkommen ausgebildetes Vögelchen gefunden zu haben.[17]

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Daß auch die Universitäten ähnliche Fabeln verbreiteten, zumal dort, wo die Jesuiten für das Fortbestehen des Autoritätsglaubens wirkten, kann nicht verwundern.

Unter dem Titel: »Positiones ex universa philosophia Aristotelis tum contemplativa tum politica, quas in Alma ac Celeberrima Herbipolensium Universitate pro suprema Doctoratus philosophici laurea praeside R. P. Ignatio Zinck e Soc. Jesu AA. LL. & Philos. Magistro e jusdemque in praedicta Universitate Professore publice defendendas suscepit D. Joannes Bernardus Dill Herbipolensis etc. etc.« erschien im Jahre 1700 eine philosophisch-naturwissenschaftliche Dissertation zu Würzburg. Das hochgelahrte Werk, das den Joh. Bernh. Dill zum Verteidiger, den Jesuiten Prof. P. Ignaz Zinck zum Verfasser hatte, läßt schon ahnen, welch außerordentlichen Ruhm diese christ-katholische Universität noch erringen sollte.

Da wird erzählt, wie der Blick eines Vogels heile, verschiedene Steine auf den Menschen wirkten, z. B. Jaspis die Lebensgeister wecke, der Amethyst, auf den Nabel des Berauschten gelegt, die Dünste aus dem Kopf zieht und die Trunkenheit verscheucht oder der im Magen des Haushahns sich bildende lapis alectorius denjenigen, der ihn im Munde trägt, mutig und tapfer macht. Als Belege für die Möglichkeit ewigen Feuers wird erzählt, daß im Jahre 1041 im Grabe des von Turnus getöteten Pallas eine Lampe gefunden wurde, die bereits 1611 Jahre brannte und vielleicht noch brennen würde, wenn sie damals nicht zerbrochen und das künstlich präparierte Öl verschüttet worden wäre. Ferner brannte die unter Paul III. gefundene Grablampe von Ciceros Tochter Tulliola ebenfalls noch.

Mit dem gleichen Ernst gibt diese Dissertation den Bericht des Jesuiten Schott wieder, daß in Schottland, auf den Hebriden und in einigen Gegenden Indiens an den Bäumen Enten und andere Vogelarten wachsen, die wie Blätter hervorsprossen, dann wie Obst sich runden, endlich Vogelgestalt bekommen und an dem Schnabel gleich dem Stiele herabhängen, bis sie ganz ausgereift abfallen und davonfliegen.