Diesem schon wiederholt von mir ausgesprochenen Gedanken mögen die Beweise nun folgen.

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Otto von Guericke (1602–1686), der größte deutsche Physiker des 17. Jahrhunderts, war von Beruf Jurist, wenn er sich auch kurze Zeit in Leyden neben neueren Sprachen mit Physik, angewandter Mathematik, Mechanik und Fortifikationslehre beschäftigt hatte. Im Jahre 1626 trat er in das Ratskollegium seiner Vaterstadt Magdeburg ein, wurde dann Schutz- oder Kriegsherr der Stadt, in welcher Stellung er während der Belagerung durch Tilly (1631) vollauf seine Pflicht tat, wurde später Generalquartiermeister und Ingenieur Gustav Adolfs, beteiligte sich am Wiederaufbau der Stadt Magdeburg, wo er eine Schiffbrücke über die Elbe legte und trieb daneben Ackerwirtschaft und Bierbrauerei. Im Jahre 1646 wurde er zum Bürgermeister erwählt und vorzugsweise zu diplomatischen Geschäften verwandt. So nahm er auch an den Friedensverhandlungen in Osnabrück teil. Erst seit 1660 konnte er nach vielen Missionen in Ruhe zu Hause leben. Seine physikalischen Versuche konnte er also nur neben seinem Berufe ausführen!

Guericke kam zu seiner Erfindung der Luftpumpe im Bestreben, den alten philosophischen Streit über die Existenz eines leeren Raumes zu entscheiden, und zwar als erster auf experimentellem Wege. Er wies durch seine Versuche sowohl die bedeutende Größe des Luftdrucks, wie die Elastizität der Luft nach, und zwar erbrachte er den öffentlichen Beweis 1654 auf dem Magdeburger Reichstage, also mitten in seiner anderweitigen Berufstätigkeit. Vielleicht machte er alle seine Entdeckungen bereits in den Jahren 1632–1638, jedenfalls sind alle vor 1663 abgeschlossen. Dieser Dilettant erfand ferner 1657 oder 58 ein Wasserbarometer, 1661 das Manometer, bestimmte die Schwere der Luft, bewies, daß zum Brennen Luft gehöre und die Flamme die Luft verzehre, konstruierte eine primitive Elektrisiermaschine, die hinreichte, um die Tatsache des elektrischen Abstoßens und Leuchtens zu finden und vervollständigte die magnetischen Kenntnisse seiner Zeit. Ferner stellte er zuerst im Mittelalter die Meinung auf, daß die Wiederkehr der Kometen sich bestimmen lassen müsse.[76]

Wie Herr Professor A. Gudemann mir mitzuteilen die Liebenswürdigkeit hatte, war auf letzteren Gedanken bereits Seneca (nat. Quaest. 7, 25, 7) gekommen. »Es wird einmal jemand kommen, der beweist, in welchen Teilen die Kometen umlaufen, warum sie so getrennt von den anderen umlaufen, wie viele und in welcher Beschaffenheit sie sind.«

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Simon Stevin (1548–1620) war ursprünglich Kaufmann, dann Steueraufseher in seiner Vaterstadt Brügge, endlich Oberaufseher der Land- und Wasserwerke in Holland, dann Generalquartiermeister. Er erwarb sich große Verdienste um das Artillerie- und Befestigungswesen, erfand den Segelwagen und den Segelschlitten, stellte 1586 die erste richtige Theorie über die schiefe Ebene auf, deutete den Satz vom Parallelogramm der Kräfte an, erklärte das Gleichgewicht in kommunizierenden Röhren, führte die Dezimalbruchrechnung 1596 ein und sprach schon aus, daß dadurch die Dezimalteilung von Maßen, Gewichten und Münzen nötig würde. Endlich erwarb er sich als Geograph und durch die unter dem Namen Hylokinese veröffentlichten Prinzipien der tellurischen Morphologie Verdienste.[77]

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J. Baptista Benedetti (1530–1590) hatte nie eine Schule besucht und nur unter Tartaglia die vier ersten Bücher des Euklid gelesen, wonach er sich dann allein weiterbildete. Trotzdem ließ er schon mit 23 Jahren das bedeutende Werk »resolutio omnium Euclidis problematum« erscheinen, in welchem er alle Probleme des großen Griechen mit einer Zirkelöffnung lösen lehrte. In einem späteren Werke bewies er Kenntnis der Beharrung eines Körpers auch in der Bewegung, behauptete, daß alle Körper ohne Rücksicht auf ihr Gewicht von gleicher Höhe in gleicher Zeit zur Erde fallen und daß im Kreise geschwungene Körper, sich selbst überlassen, in der Tangente des Kreises fortgehen. Endlich löste er die Aufgabe vom schiefen Hebel.[78]

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