Giambattista della Porta (1538–1615), ein reicher neapolitanischer Edelmann, betrieb die Physik als Liebhaberei. Trotzdem haben wir in ihm den Erfinder der camera obskura und einer Art laterna magica zu erblicken. Er erkannte auch zuerst, daß man in einem Hohlspiegel die Brennpunkte aller Strahlen, die in der Nähe der Achse einfallen, ohne merklichen Fehler in den Mittelpunkt des Halbkreises setzen könne. Porta wurde später von der Inquisition der Zauberei und übernatürlicher Kräfte angeklagt.[79]

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Der Begründer der Pflanzenphysiologie war Stephan Hales (1677–1761), ein sehr tüchtiger Theologe und Pfarrer in verschiedenen Grafschaften. Noch einmal zeigte sich in ihm der originelle Erfindergeist und die gesunde, urwüchsige Logik der großen Naturforscher aus Newtons Zeitalter. Sein »Statical essays« (1727) war das erste umfangreiche, ganz der Ernährung und Selbstbewegung der Pflanzen gewidmete Werk. Es berücksichtigte zwar die ältere Literatur, teilte aber doch im wesentlichen neue Untersuchungen des Verfassers mit. Eine Fülle neuer Experimente und Beobachtungen, Messungen und Berechnungen vereinigen sich hier zu einem lebensvollen Bild.[80]

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Halley (1656–1742), übrigens der Sohn eines Seifensieders, hatte bekanntlich die Wiederkehr des nach ihm benannten Kometen, der auch in diesem Jahre erschien, im Jahre 1703 berechnet und auf den Anfang des Jahres 1759 vorherbestimmt. Alle Astronomen Europas suchten daher, als das Jahr 1758 seinem Ende sich näherte, den Himmel mit Fernrohren ab, jedoch vergeblich. Anders der Bauer Johann Palitzsch (1723–1788). Schon als Hüterjunge hatte er sich für die Sternenwelt interessiert, dann sich durch Selbststudium ansehnliche astronomische Kenntnisse erworben. Als nun der Siebenjährige Krieg sein Vaterland Sachsen heimsuchte, versteckte er seine primitiven astronomischen Instrumente, aus Furcht, sie könnten ihm gestohlen werden. Um die Weihnachtszeit 1758 trat in der Kriegsführung eine Pause ein. Diese benutzte er dazu, um sein Fernrohr auszugraben und die Stelle des Himmels abzusuchen, wo er den Komet erwartete. Tatsächlich entdeckte er ihn als erster als nebeligen Stern im Sternbild der Fische. Damit hatte der Bauernastronom einen Vorsprung vor der ganzen Welt gewonnen und sein Name wurde überall genannt. In Paris sah man ihn erst vier Wochen später. Palitzsch blieb hinfort mit der Londoner Akademie in ständiger Korrespondenz. Übrigens war er nichts weniger als einseitig, besaß vielmehr bedeutende botanische und physikalische Kenntnisse, die ihn dazu befähigten, im Großen Garten zu Dresden einen Süßwasserpolypen zu entdecken. Er errichtete auch als erster in Sachsen 1775 einen Blitzableiter und zwar auf dem Schloßturm in Dresden. Er blieb bis zu seinem Tode, durch zahlreiche Ehrungen ausgezeichnet, ein schlichter Landmann.[81]

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Thomas Young (1773–1829) studierte Medizin und betrieb nur nebenbei mathematische, physikalische, botanische und philologische Studien. Von 1801 bis 1804 war er Professor an der Royal Institution, von 1811 bis zu seinem Tode war er Arzt am St. Georges-Hospital in London. Seine wissenschaftlichen, überall wertvollen Arbeiten betreffen Mechanik, Optik, Wärmetheorie, Akustik, theoretische Chemie, die Bewegung des Blutes, den Schiffbau, die mittlere Lebensdauer des Menschen, die Dichte der Erde, das wahrscheinlich richtigste Resultat aus mehreren Beobachtungen, die Ursache der Schwere, Ebbe und Flut, die Figur der Erde, die Mondatmosphäre. Er leistete auch wichtige Dienste für die Entzifferung der Hieroglyphen. Außerdem war er schriftstellerisch tätig, ein gründlicher Kenner der Musik, ausgezeichneter Maler und geübter Reiter, der gegen Kunstreiter Wetten gewann. Er war ein Vorkämpfer gegen die Emissionstheorie, von der er sich bereits 1801 in einer der Royal Society vorgelegten Abhandlung zugunsten der Undulationstheorie lossagte. Schon in seiner 1800 erschienenen akustischen Abhandlung hatte er eine epochemachende Entdeckung gemacht, die ihn zum Reformator der Theorie der Optik werden ließ: die Interferenz von Wellenbewegungen.[82]

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Humphrey Potter war, wie berichtet wird, an der Konstruktion der ersten praktisch tätigen Dampfmaschine, die 1711 zu Wolverhamton für einen Herrn Back zum Heben von Wasser aufgestellt wurde, beteiligt. Und zwar sei er als Knabe mit dem Auf- und Zudrehen der Hähne, welche den Dampf oder das kalte Wasser vom Dampfzylinder abschlossen, beauftragt gewesen. Weil ihm diese Manipulationen zu langweilig wurden, habe er die Hähne durch Bindfäden so mit dem Balancierer der Maschine verbunden, daß dieser statt seiner das Umstellen derselben zur richtigen Zeit besorgte. Daß diese geniale Erfindung der Vervollkommnung der Dampfmaschine vorausgehen mußte, ist hinlänglich bekannt.[83]

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