Der Scholar, Bakkalaureus, Lizentiat oder Doktor der Medizin des Jahres 1490 war noch ganz mit denselben Büchern, Kenntnissen und selbst Sitten ausgestattet, wie wir ihn im Jahre 1390 verlassen haben.

Genau so verhielt es sich in der Artistenfakultät. Um 1500 verfolgte man ungefähr die gleichen Ziele, wie um 1400 und hatte auch noch dieselben Lehrbücher.«[131]

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Im Jahre 1471 trug sich nach derselben Quelle ein Ereignis zu, das selbst im Mittelalter, das an Sonderbarkeiten gewiß nicht Mangel litt, selten war. Sechs Schustergesellen sandten nämlich der Universität Leipzig einen Fehdebrief! Sie sagten darin, daß ihnen von vier Scholaren Gewalt geschehen sei, ohne daß ihnen dafür Recht geworden wäre. So wollten sie sich denn erholen an allen denen, »dye do Studenten synt, junck adir alt«. Die Landesherren erließen allerdings einen Befehl auf Ergreifung der sechs Schustergesellen, aber merkwürdigerweise unter gleichzeitiger indirekter Anerkennung des Fehderechtes. Nur weil sie nicht zuerst vor den Gerichten über das ihnen angetane Unrecht Klage geführt, sondern gleich Fehde angesagt hätten, wurde gegen sie eingeschritten. Außerdem rief die Universität die geistliche Gerichtsbarkeit gegen die Feinde auf.

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Ernster lief eine Affäre ab, die hier mitgeteilt werden möge, wiewohl es sich nicht um einen Studenten handelt. Sie ist aber überaus bezeichnend für das, was in unserem Mittelalter möglich war.

Ein Müllerknecht namens Klee hatte Forderungen an die Stadt Mühlhausen wegen rückständigen Lohnes. Eigentlich schuldeten zwar Meister ihm das Geld, da er aber ein frecher Bursche war, mit dem die Stadt nichts zu tun haben wollte, kam sie für die Schuld auf und deponierte die fragliche Summe auf seine Klage hin. Er erhob das Geld aber nicht, vielmehr steckte er am 11. April 1466 einen Fehdebrief an das Gatter des Baseler Tores zu Mühlhausen! Also ein einzelner Müllerknecht, der einer ganzen Stadt die Fehde ansagt!

Bald nahm sich seiner der Ritter Peter von Regisheim an, der einige Bürger gefangen setzte und der Stadt seinen Fehdebrief übersandte. Andere Ritter folgten nach, so daß schließlich der Adel des ganzen Sundgaues gegen Mühlhausen in Fehde lag. Die Geschichte zog immer weitere Kreise und wurde Anlaß zum wenige Jahre später erfolgten Zusammenbruch des mächtigen Reiches Karls des Kühnen von Burgund. Kleine Ursache, große Wirkung.[132]

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