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Der Exbenediktiner H. Braun, der Schulreformator Bayerns, verfaßte einen Katechismus, der 1769 von der Universität Ingolstadt, 1771 von fünf Ordinariaten und der Universität Salzburg begutachtet war. Ein Kritiker rügte es, daß Braun die lateinische Wendung »ich glaube in Gott Vater« im Glaubensbekenntnis abänderte in »ich glaube an Gott Vater«. Das wird als »lutherisch-deutsch« gescholten. »Warum sollen wir den Glauben der Lutheraner beten?« Der glaubensstarke Mann schließt: »Wann in unser katholisches Land dererlei Katechismus sollen eingeführet werden, wollen wir selbige zusammen sammeln und in das Feuer werfen, damit die liebe Jugend hierdurch nicht verführet werde und sohin fälschlich beten lerne«. Denn die genannte Übersetzung sei eine Verfälschung der wahren Lehre, die »von niemand ohne schwäre Sünde verteidiget und angenommen werden darf«.
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Joh. Adam Freiherr v. Ickstatt, Professor der Rechte in Ingolstadt, wurde als Förderer des Luthertums in öffentlicher Predigt ausgeschrien – und der Pöbel gegen ihn gehetzt (1752), weil er – seinen juristischen Vorlesungen Leitfäden von protestantischen Autoren zugrunde gelegt hatte.
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Uns allen ist noch erinnerlich, wie Ludwig Wahrmund wegen seines Vortrages »Katholische Weltanschauung und freie Wissenschaft« im Jahre 1908, also anderthalb Jahrhunderte später, behandelt wurde. Wie die tiroler Bauern mit Knütteln nach Innsbruck zogen, um, aufgehetzt von ihren Seelenhirten, den Mann zu erschlagen, der es gewagt hatte, Dinge zu sagen, die schließlich jedes Kind mit der Mutterbrust einsaugt, die aber einem unter jahrhundertelang fortgesetzter Verdummung leidenden Volke als Revolution und Anarchismus erscheinen. Wir erinnern uns auch, wie große Parteien den Mann am liebsten totgeschlagen hätten, weil er anders denkt als sie. Die anschließenden Fälle Schnitzer, Tremel, die Modernistenhetze beweisen, daß die Sache blieb, nur die Form hat sich geändert.
Daß es aber sogar eine mächtige Partei gibt, die, wenn auch nicht diese Form, so doch die Opferung des Intellekts der Autorität billigt, ja bewundert, und zwar im 20. Jahrhundert, ist nicht ohne Interesse.
Der Jesuit Donat legt u. a. die Gefahren dar, die aus der Berechtigung jedermanns, sich ein selbständiges Urteil zu bilden, folgten. Die »krankhafte Zweifelsucht« unserer Zeit, sei eine giftige Atmosphäre, die den empfänglichen Geist, der sich lange in ihr aufhalte, anstecke, ohne daß er es merkt.
Man könnte das ja auch so ausdrücken: die Summe der Erfahrungen, die mit den kirchlichen Dogmen kollidieren, ist so groß, daß auch der Blinde es langsam merkt und sich weigert, das Sacrificium intellectus zu bringen.
Köstlich ist die instinktive Angst vor der Wahrheit und dem unaufhaltsamen Vordringen der weltlichen Freiheit im Gegensatz zur kirchlichen Unfreiheit, wie sie sich in Aussprüchen großer Katholiken oder gar Heiliger dokumentiert. »Kardinal Mai« war ein Mann der Wissenschaft. Er sagte – und dafür können wir einstehen –: »Ich habe auch die Erlaubnis, verbotene Bücher zu lesen; ich benutze dieselbe aber nie und habe auch nicht vor, sie zu gebrauchen.«