Geschickte Fischer sind die Eingebornen. Sie brachten, ehe der Europäer ihnen seine Angelhaken zugeführt, folgende Methode in Anwendung: Aus einer dicken Perlmutterschale verfertigten sie sich durch festes Verbinden einzelner zurechtgeschliffener Stücke starke Fanghaken, die, mit einem Bastbüschelchen versehen, an langer Leine hinter Kanoes geschleppt wurden. Die wie Silber im klaren Wasser schwimmende Perlmutter lockt größere Fische an, die gierig, vermeinend eine Beute zu haschen, den Haken verschlucken und so gefangen sind. Heute noch sind diese Haken im Gebrauch, nur mit dem Unterschied, daß im Büschel verborgen sich jetzt ein scharfer, eiserner Angelhaken befindet, der dem Fische ein Losreißen nicht mehr gestattet.
In Mengen halten sich Fische unter den Riffen auf, wo sie Nahrung suchen und finden, namentlich befinden sich unter diesen zahlreiche fliegende. Um nun diese flinken Meerbewohner, welche die Natur so ausgestattet hat, daß sie durch die Größe ihrer Seitenflossen im Stande sind, eine beträchtliche Strecke über dem Wasser zu fliegen und dadurch ihren Vorfolgern zu entgehen, auf leichtere Art und Weise, als mit großen Netzen zu fangen, wendet der Eingeborne folgende Fangart an: Nachdem die leichten, flinken Kanoes bemannt sind, ziehen die Eingebornen in dunkler Abendstunde oft in beträchtlicher Zahl ins tiefe Wasser zum Riffe hinaus. Bald flammen, hell leuchtend, die aus den Blattrippen des Kokosbaumes verfertigten Fackeln auf; die Kanoes, bald hier- bald dorthin eilend, schwirren, von kräftiger Hand durchs Wasser getrieben, als sollte das Schauspiel eines Fackelreigens dort aufgeführt werden, im Kreise oder durcheinander umher. Die Fische, bekanntlich durch Feuerschein leicht angelockt, werden durch die grell leuchtenden Fackeln verwirrt, springen oder fliegen nach diesen, und sehr gewandt, mit nur kleinem Handnetze versehen, weiß der Fischer sich die Beute zu sichern.
Meistens, wenn die Fackeln niedergebrannt sind, kehren die Kanoes zurück, und war der Fang lohnend, bringt jedes reiche Beute heim. Für wenig Tabak oder Geld bekam ich mitunter so viele von diesen wohlschmeckenden Fischen, daß es zuweilen der Schiffsbesatzung nicht gelang, alle aufzuzehren.
Der Ankerplatz vor der Insel Lefuka (die Rhede von Pangal) ist durch die ringsum liegenden Riffe gut geschützt, aber schwer zugänglich für größere Segelschiffe; das meistens gegen konträren Wind nothwendige Einkreuzen in den schmalen, gewundenen Riffeinfahrten ist zudem nicht ungefährlich und erfordert die ganze Thatkraft einer Schiffsbesatzung. Die Tonga-Gruppe ist häufiger den verheerenden Orkanen und zeitweiligen Erschütterungen durch plötzlich in Thätigkeit tretende Vulkane ausgesetzt, erstere treten namentlich im Süden der Gruppe, um Tonga-tabu, fast alljährlich einmal auf; zieht, was freilich selten geschieht, das Zentrum solches furchtbaren Wirbelsturmes direkt über die Inseln, so ist die ganze Kultur auf Jahre hinaus vernichtet. Nicht Haus, nicht Hütte, weder Baum noch Strauch verschont der furchtbare Wirbelsturm; den Weg, den er mit rasender Schnelle genommen, bezeichnen unzählige Trümmer.
Nach Norden zu werden solche atmosphärischen Erscheinungen seltener. Hat die Samoa-Gruppe ein Orkan heimgesucht, so herrscht bei den Eingebornen die Annahme vor, daß erst nach Verlauf von sieben Jahren ein neuer zu erwarten ist. Solche Voraussetzungen aber sind durchaus nicht zutreffend; die Orkane treten viel häufiger auf, und je nachdem sie in näherer oder weiterer Entfernung vorüberziehen, äußert sich ihre Gewalt mehr oder weniger.
Da mein Aufenthalt in Lefuka nur von kurzer Dauer war, setzte ich, nachdem Güter u. s. w. gelandet und neue Passagiere für Vavau und Niuatobutabu an Bord gekommen waren, die Reise fort nach Neiafu, dem Haupthandelsplatz in der Vavau-Gruppe, diese besteht aus vielen und zum Theil hohen Inseln, die von Riffen umgeben und hierdurch untereinander verbunden sind, auch zeigt sich hier auffällig die einstige Thätigkeit der Vulkane. Steile hochaufstrebende Massen sind die meisten dieser eng aneinander gelagerten Inseln; nur die Hauptinsel Vavau, nach allen Seiten steil abfallend, ist eine Hochfläche, auf welcher auf verwitterter Lava eine unglaublich reiche Pflanzenwelt Fuß gefaßt und sich entwickelt hat. Dies ist das fruchtbarste Land, abgesehen vielleicht von der Insel Niua-fu, im ganzen Königreiche Tonga. Apfelsinenbäume, schwer beladen mit goldgelben Früchten, ausgedehnte Palmenwälder u. s. w., überhaupt alle herrlichen Tropengewächse der Südsee sind hier reich vertreten. Dazu giebt die im Sonnenglanze ausgebreitet liegende Bai, umgeben von hohen Inseln, dem ganzen Panorama so recht den Anblick einer echten Tropenlandschaft.
Die Einfahrt befindet sich an der westlichen Seite zwischen den Inseln Hounga und Vavau. Die schmale aber tiefe Wasserstraße windet sich zwischen den hohen Inseln hin, und dicht unter den steil anstrebenden, mit Busch und Baum bedeckten Massen, kann man ungefährdet mit einem Schiffe segeln. Inmitten der Einfahrt nur liegt ein mächtiger Felsblock, der hunderte Fuß hoch ist und steil aus großer Tiefe aufragt, auch bemerkt man an diesem, welche zerstörende Einwirkung die Meereswogen selbst am harten Gestein ausüben können. Sie haben den Felsen tief unterwaschen und große Spalten ausgehöhlt. In diesen Höhlen und Riffen braust und zischt selbst die leicht wogende See. Das Geräusch wächst aber zum Donnern an, wenn sie ihre ganze Wucht gegen den starren Felsen anbranden läßt, der dann durch den gewaltigen Anprall wohl in seinen Grundfesten erschüttert werden mag.
Ganz schmal, wenigstens für ein aufkreuzendes Schiff recht beengt, wird die Straße, sobald die weite Bai vor dem Dorfe Neiafu sichtbar geworden ist, die wie ein herrlicher, von allen Seiten geschützter Hafen, geräumig daliegt. Indes nur wenig Raum hat die Koralle übrig gelassen, die geschäftig fast die ganze Bai aufgefüllt hat und wo tiefes Wasser vorhanden, ist der Ankergrund schlecht, so daß größere Schiffe es vorziehen, wollen sie nicht auf 200 Fuß Wassertiefe vor Anker gehen, inmitten der Fahrstraße vor der Station Tuanuku zu ankern.
Nach wenig Tagen schon verließ ich, da ich allen diesen Stationen in der Tonga-Gruppe neue europäische Waaren und Proviant zu bringen hatte, Ladung aber noch nicht einnehmen sollte — die Hauptstationen, als Vavau, Lefuka und Tonga-tabu verschiffen direkt Kopra, Baumwolle u. s. w. nach Europa — den Hafen von Neiafu, und segelte nordwärts nach Niuatobutabu (Keppels Eiland), das 180 Seemeilen entfernt ist.
Begünstigt von Wind und Wetter, bekam ich am zweiten Tage bereits die 2000 Fuß hohe Insel Boskaven in Sicht, welcher südwärts davon und durch eine Straße von etwa einer Seemeile Breite getrennt, die niedrige Korallen-Insel Niuatobutabu vorgelagert ist. Diese langgestreckte Insel umgiebt namentlich an der Nord- und Westseite ein mächtiges, 5-7 Kilometer breites Riff, auf derselben sind zwei Kraterkegel, etwa 200 Fuß hoch, die einzig nennenswerthen Erhöhungen.