III. König Maliatoa. Olosinga.
Der Ausbruch eines unterseeischen Vulkans
und die Entstehung einer neuen Insel.

Bei meiner Rückkehr nach Samoa waren die politischen Verhältnisse auf Upolu noch verwickelter als früher und für die deutschen Beamten eine stete, ernste Sorge, namentlich da die ansässigen Amerikaner und Engländer ihre Wühlerei unvermindert fortsetzten. Mir, als einem Uneingeweihten, fehlt die genaue Kenntniß, um ein anschauliches Bild der politischen Wirren, der feindlichen Kundgebungen wahrheitsgetreu wiedergeben zu können — viel Gutes wäre, nebenbei gesagt, nicht zu berichten gewesen — nur so viel sei erwähnt, hätte gehandelt werden dürfen, wie es uns Deutschen hier zu jener Zeit ums Herz war, mit der kleinen Zahl jener Abenteurer, die desto lauter schrieen, je mehr sie beachtet wurden, wäre bald genug aufgeräumt worden; es wäre ein Glück für Land und Volk, eine wahre Wohlthat für uns Deutsche gewesen!

Es lag mir viel daran, den Mann gelegentlich kennen zu lernen, in dessen schwachen Händen das Geschick Samoas lag, um dessen Gunst so viel Ausländer buhlten, dessen Macht ein Schein, dem nur sein Anhang — die stolzen, selbstbewußten Häuptlinge — die Königskrone sicherten. Der Zufall fügte es, daß ich auf einem Spaziergange nach Mulinuu einen langansässigen Deutschen traf, der mir behülflich sein wollte, den König sprechen zu dürfen. Während kein Samoaner wagen darf, ohne Erlaubniß den geheiligten Grund zu betreten, auf welchem sein König wohnt und auch dann nur unter Beobachtung gewisser Zeremonien, fanden wir dort ungehinderten Zutritt und, ohne nach unserm Begehr gefragt zu sein, näherten wir uns dem im Schatten seines Hauses sitzenden Könige Maliatoa.

Die Gastfreundschaft der Samoaner ist bekannt, und ihr König ist nicht minder bestrebt, solche seinen Gästen gegenüber auszuüben. Seine braune Majestät hieß uns willkommen und führte uns in den großen Vorraum des mit vielem Kunstsinn aufgeführten Palastes und lud uns ein, auf den mit Matten bedeckten Holzkisten Platz zu nehmen. Darauf rief der König dienstbare Geister, wohlgenährte Samoanerinnen erschienen und ließen sich geschäftig im Hintergrunde des Zimmers nieder. Schnell waren Steine, Becken und Wasser herbeigeschafft, das Zerklopfen der Kavawurzel begann und nach kurzer Zeit schon wurde durch Händeklatschen das Zeichen gegeben, daß der Trank bereitet sei.

Mit vieler Grandezza sich auf ein Knie niederlassend, reichte eine junge Maid dem Könige zuerst die Kokosschale, wurde aber bedeutet, diese seinen Gästen erst zu reichen. Da nahm ich sie in die Hände und leerte sie mit einem Zuge, obgleich sie wohl einen halben Liter faßte; das Wort „fafataii“, d. h. danke, war ich kaum im Stande, vernehmbar auszusprechen, so hatte das etwas starke Getränk mir den Athem genommen. Während dessen setzte sich der König würdevoll nach samoaner Art mit untergeschlagenen Beinen, auf weichen, feinen Matten vor uns nieder und eröffnete erst die Unterhaltung, als auch er die Schale geleert und seinen Gästen Bescheid gethan hatte.

Mit ausgesuchter Höflichkeit lenkte Maliatoa, nachdem er erfahren, daß nur der Wunsch uns hergeführt hatte, ihn kennen zu lernen (was besonders auf mich Bezug hatte), das Gespräch auf unsern großen Kaiser, er stand auch auf und holte unter anderen Sachen ein wohlgelungenes Bildniß des Kaiser Wilhelms herbei und fragte uns, ob der mächtige, deutsche Kaiser mit diesem Bilde sprechende Aehnlichkeit habe, wie ihm versichert worden sei. Unsere Bestätigung befriedigte ihn, und für einen Augenblick im Anschauen des Bildes versunken, fragte er dann plötzlich, wann ich eingelaufen sei und von welcher Insel ich gekommen wäre. Als ich Niua-fu erwähnte, lobte er die dort wachsenden großen Kokosnüsse; er wäre immer bestrebt, sagte er, solche zu bekommen und benutze sie gewöhnlich zur Auspflanzung, wenn anders nicht seine Frauen dieselben wegnähmen und zu Wasserbehältern oder Kavaschalen benutzten. Schiffsführer, die Niua-fu anliefen, brächten ihm mitunter schöne, große Nüsse mit, es wäre aber selten der Fall, weil dort wohl nur wenige Schiffe zu Anker gingen.

Das Letzte war mehr eine Frage an mich, und die Höflichkeit gebot, diese so zu verstehen, als sei es ein ausgesprochener Wunsch, darum erbot ich mich sofort, diesen zu erfüllen, sobald mir Gelegenheit dazu gegeben wäre; ich wüßte zwar nicht, wohin ich beordert werden würde, aber solcher geringen Mühe wollte ich mich gerne unterziehen und gelegentlich Nüsse mitbringen. Dankend nahm Maliatoa das Anerbieten an. Dann wurde uns auf seinen Wink die zweite Schale Kava von schöner Hand gereicht, worauf wir uns bald vom Könige verabschiedeten.

Während der kurzen Unterhaltung war es nicht uninteressant, zu beobachten, wie der König in nichts von den Gewohnheiten seiner Unterthanen abwich. Wie der Samoaner setzte er sich auf den mit Matten belegten Erdboden, stützte gewohnheitsgemäß den Oberkörper auf einen Arm oder gab bei nach vorne geneigter Haltung seinem Körper dadurch einen festen Stützpunkt, indem er die Ellbogen auf die fast flach am Boden liegenden Knie setzte. Bei solcher Haltung bleiben dann die Hände zur Vornahme beliebiger Verrichtungen frei. Wiewohl nach unseren Begriffen in der Haltung des Königs nicht allzuviel Majestätisches zu finden war, so gestehe ich doch offen, daß die ganze Erscheinung den Herrscher verrieth, dessen Blick Gehorsam zu heischen schien.

Einige Monate später, ich war über Niuatobutabu nach Niua-fu beordert worden, löste ich meine Zusage ein, und kaufte dort die größten Nüsse, welche ich mit Hülfe des deutschen Agenten auftreiben konnte, für den König Maliatoa auf. Nach Apia zurückgekehrt, traf ich leider den König nicht in seinem Palaste bei Mulinuu an, ich gab daher die Kokosnüsse an anwesende Häuptlinge ab, die solche sogleich den aufwartenden Weibern einhändigten, somit mag der König wohl Recht haben, daß ihm geschenkte Nüsse meistens zu anderen Zwecken, als zur Auspflanzung Verwendung finden.