Die größte der Inseln in der Manua-Gruppe ist Tau, ebenfalls vulkanischen Ursprungs, an Umfang aber viel bedeutender noch als Ofu und Olosinga zusammen genommen; in der Mitte dieser Insel erheben sich gegen 3000 Fuß hohe Krater, deren Umgebung indeß weniger wild und zerrissen erscheint, da sie von der Hügel- zur Bergform übergeht und ausgedehntes Vorland die ganze Erhebung umgiebt. Fraglos ist es, daß auf gehobenem Korallengrunde im Laufe der Zeiten die flachen Landstrecken gebildet wurden, die wiederum ein weites Riff umgiebt, das stetig an Ausdehnung durch den Fortbau der Korallenpolype gewinnt. Nimmt auch die Kratergegend den bei weitem größten Flächenraum dieser 16 Seemeilen im Umfang großen Inseln ein, so hat sich doch auf verwittertem Lavagrunde eine reiche Pflanzenwelt entfaltet und von See aus gesehen erscheint dieselbe sich bis zu den hohen Bergkuppen ausgedehnt zu haben; vor allem sind die Umgebungen der Dörfer Tau, Siufanga, Faleasao an der West- und Nordwestseite von ausgedehnten Kokospflanzungen umgeben. Bestimmt von Olosinga zunächst nach Tau zu segeln, mußte ich hier, nachdem mit Schwierigkeit Waaren gelandet, auch der Vertreter der deutschen Handelsgesellschaft abgeholt war, nach Faleasao weiter fahren, wo in der guten Jahreszeit der sicherste Ankerplatz sein sollte. Hier befand sich auch der Hauptstapelplatz für Kopra. Als ich vor Faleasao ankam, schien mir dort der Ankerplatz nahe dem Riffe einigermaßen sicher und ein Landen nicht zu schwierig zu sein. Weht der Südostwind, so hat Faleasao wohl den Vorzug der gesichertste Ort für ein Schiff zu sein, da sich hier ausgedehnte Korallenflächen unter Wasser hinstrecken, wenn auch bei schnell zunehmender Tiefe; weht derselbe aber östlicher, wie ich es fand, so läuft die schwere See längs der kreisförmigen Insel auf und erzeugt selbst hier noch eine gefährliche Brandung.

Von einem Schiffe aus gesehen scheint freilich eine Brandung nie so schwer als sie in Wirklichkeit ist, befindet man sich aber mit einem Boote in derselben, erkennt man erst die gewaltige Kraft der mit großer Geschwindigkeit heranrollenden und sich überstürzenden Wogen.

Genöthigt zu warten bis Hochwasser eingetreten war, wodurch am Riffe die Brandung vermindert wurde, machten wir doch beim ersten Landungsversuch eine unliebsame Bekanntschaft mit derselben. Obgleich die Bootsbesatzung tüchtig und geübt war, überlief uns dennoch die See; in dem Augenblicke, wo es galt, mit aller Kraft zu rudern, um die hinter uns brechende Woge nicht über das Boot stürzen zu lassen, unterlief die Kraft der neben dem Boote aufrollenden Vorwelle den Riemen (Ruder) eines Mannes, den dieser nicht schnell genug zu heben vermocht hatte. Trotz der Anstrengung des Steuerers wirbelte im Augenblick das Boot herum, die Welle brach über das breitseits liegende Boot herein, überschlug dasselbe, und Menschen, Boot und dessen Inhalt bildeten ein Chaos, daß die brüllende Woge strandaufwärts trug. Weil ich selbst kein Schwimmer war, und keinen Grund unter den Füßen fand, so wurde für mich die Lage bald bedenklich, zumal da ich nichts zu sehen im Stande war, und nur donnerndes Brausen mir in den Ohren gellte. Ein Spielball des Wassers, mußte ich das Schlimmste befürchten, wenn die rücklaufende Welle mich mit sich riß; aber plötzlich fühlte ich einen Halt, ein Eingeborner der Bootsbesatzung hatte mich gefaßt, ehe es zu spät gewesen, ich fand auch gleich wieder Grund und tummelte fort, nur beschleunigte die nächste Welle mein Bestreben, den Strand zu gewinnen dermaßen, daß ich durch den heftigen Stoß ziemlich unsanft auf die spitzen Korallen geworfen wurde; aber abgesehen von einigen Verletzungen an den Händen kam ich noch glimpflich davon. Weitere Verwundung erhielt keiner, nur der Mann, dessen Ungeschick alles verschuldet hatte, hatte sich den Kopf verletzt. Zum Glück war auch das große von Tau mitgenommene Brandungsboot unbeschädigt geblieben, die Besatzung desselben, an solche Fahrten gewöhnt und aus guten Schwimmern bestehend, wußte mit Geschick einen verderblichen Aufstoß des Bootes auf den harten Korallengrund zu vermeiden. Schnell war das Mißgeschick vergessen. Das Boot wurde ausgeschöpft und flott gemacht, dann mit dem Verschiffen der Ladung begonnen. Freilich manchmal glaubten wir Boot und Ladung nicht wieder zu sehen, wenn es in der Brandung verschwand oder in Gefahr war, von einer steilen Woge überworfen zu werden.

Soweit die Leute Grund unter den Füßen hatten, schoben sie das Boot stets hinaus, dann wurde gewartet, bis drei schwere Seen herangelaufen waren, sofort aber hinter der dritten schwang sich die Besatzung in das Boot und ruderte mit aller Kraft der vierten, gewöhnlich schwächsten Woge entgegen, die passirt sein mußte, ehe sie sich brach; gelang dies nicht, kam häufig das Boot fast sinkend längsseit des Schiffes und es entstand dadurch eine Verzögerung.

Dem Manne, der mich flüchtig gestützt, als ich kraftlos ein Spiel der Wogen gewesen, gab ich auf Anrathen des Händlers eine Hand voll Stangentaback, kaum aber hatte derselbe begriffen, daß solcher sein Eigenthum sein solle, als er wie besessen umhersprang, immer wieder sein „fafataii“, danke, brüllend, bis sich seine Genossen um ihn geschaart und er schnell die Hälfte seines Geschenkes los geworden war.

Das Rauchen ist unter den Eingebornen der Südsee stark verbreitet, daher ist eigens für sie zubereiteter, kräftiger Taback ein bedeutender Tauschgegenstand geworden. Selten nur findet man die Tabackpfeife in Gebrauch, dagegen kommt allgemein die Cigarette in Anwendung, die mit Vorliebe von beiden Geschlechtern geraucht wird. Sehr oft habe ich mich ebenfalls derselben bedient und gefunden, daß der Europäer in der Hütte des Eingebornen stets willkommen ist, der seinen Vorrath mit ihnen theilt, wenigstens aber so viel abgiebt, um das augenblickliche Bedürfniß zum Rauchen zu befriedigen. Einfach genug ist die Herstellung einer Cigarette, als Umhüllung dient ein Streifen vom getrockneten Bananenblatt; der Taback, aus zusammengepreßten Blättern bestehend und meistens feucht, wird nach Bedarf auseinander gewickelt, über ein entzündetes Streichholz oder eine kleine Flamme, auch über Kohlengluth etwas angeröstet, eigentlich nur dadurch betrocknet und dann in den bereitgehaltenen Streifen eingewickelt. Auf diese Weise ist eine Cigarette schnell genug angefertigt; diese geht dann von Hand zu Hand und hat Jeder durch einige Züge das augenblickliche Verlangen befriedigt, so wird der Rest der Cigarette von einem der Anwesenden hinter der Ohrmuschel so lange aufbewahrt, bis sich wieder das Bedürfniß zum Rauchen einstellt.

Es erwies sich übrigens als leichter, mit einem schwerbeladenen Boote gegen die starke Brandung zu rudern, als mit dem leeren vor derselben zu laufen, im letzteren Falle meistens von dem Kamme einer Woge riffaufwärts getragen, wird das Boot von ihr schließlich überlaufen und die darauf folgende gefährdet es. Zweimal geschah es während der 60-70 Fahrten, welche das Boot zum Schiffe hin und zurück machen mußte, daß dieses in der Brandung überworfen wurde, jedoch ohne weiter Schaden zu nehmen. Ich habe manche Brandung an Korallenriffen mit weniger tüchtiger Mannschaft und schwächeren Booten passirt, bin aber niemals später genöthigt gewesen, wie hier, bei so hohem Seegange Ladung abzunehmen. Diese See, eigentlich nur längs und auf das Riff laufende Roller, war schon schwer genug; eine Möglichkeit hätte es aber nicht mehr gegeben, durch die Brandung zu kommen, wenn auch nur ein leichter Wind die Wogen verstärkt hätte; diese sind übrigens desto gefährlicher, je weiter vom Strande entfernt abflachender Grund der Wassermasse gestattet sich aufzurollen.

Des Ungeziefers, welches mit einer Kopraladung an Bord gebracht wird und sich dort schnell einnistet, habe ich früher Erwähnung gethan, namentlich der Ameisen und der Kakerlaken. Mich jener zu erwehren, wenigstens sie möglichst aus der Kajüte zu vertreiben, wurden Fugen und Ritzen im Holz mit Petroleum angefeuchtet oder gut verkittet; solche Mittel lohnten zwar nicht viel, aber eine Zeit lang wenigstens etwas; hingegen die Kakerlaken zu vertreiben, wollte nichts verfangen. Unglaublich vermehren sich die bis zu 1½ Zoll und darüber wachsenden Thiere; da sie an feuchten Stellen mit Vorliebe sich aufhalten, ist ihnen zwischen den Rippen des Schiffes nicht beizukommen. Selbst wenn ich zeitweilig eine Ausräucherung des ganzen Schiffes mit Kohlengas vornahm, um die nicht minder lästigen Ratten zu vertilgen, gelang es wohl, die schlimmen Nager zu tödten, die meistens in der Nähe der erloschenen Kohlenbecken, wo sie wegen des hierher strömenden Sauerstoffes am längsten zu leben vermochten, aufgefunden wurden; den Kakerlaken hingegen schadete solche Ausräucherung nichts.

Bei Tage nicht sichtbar, kommen die Kakerlaken Abends aus ihren Verstecken hervor, dann aber ist es in geschlossenen Räumen nicht auszuhalten, so groß ist die Menge der Thiere. Sehr lebhaft aber werden sie und die, welche fliegen können, schwirren umher, sobald sich eine Aenderung im Wetter bemerkbar macht; ich beobachtete, daß jedesmal Regen eintrat, wenn die Kakerlaken zu fliegen begannen.

Doch nicht nur sehr unangenehm und widerwärtig sind diese Thiere, sondern sie sind auch im Stande, empfindlichen Schaden anzurichten; man darf kein unreines Zeug oder Leibwäsche frei liegen lassen, soll solche nicht angefressen werden. Anfänglich, ehe ich dahinter kam, maß ich den Ratten die Schuld bei, wenn mir gute wollene Hemden verdorben wurden. Glücklicherweise gab mir der Zufall ein Mittel an die Hand, diese Kakerlaken nach Möglichkeit zu vernichten. Eine entleerte Flasche Bier war unabsichtlich in eine leere Koje gesetzt worden und zwar so, daß es den durch den Biergeruch angelockten Thieren möglich geworden war, den Hals der Flasche zu erreichen und hinein zu kriechen. Einmal hinein gab es kein Zurück mehr, und ich fand, einem widerlichen Geruch nachspürend, diese Flasche ganz angefüllt mit todten Kakerlaken.