Später ließ ich denn auch frisch geleerte Bierflaschen aufstellen und konnte bald, da oft Hunderte in einer Nacht gefangen wurden, eine Abnahme bemerken. Auf längeren Reisen, wenn der geringe Vorrath an Bier ausgetrunken war, setzte ich entweder eine Schüssel mit Seifenwasser oder mit einem Zusatz von Syrup den Kakerlaken hin und richtete es so ein, daß sie bequem hineinkommen konnten; war es auf solche Weise auch nicht möglich, die Thiere auszurotten, weil sie sich zu stark vermehrten, so wurde doch ihre Zahl sehr vermindert.
In späterer Zeit hatte ich leider nie wieder Gelegenheit, die Manua-Gruppe anzusegeln und meine Beobachtungen zu vervollständigen, dagegen wurde ich mit den Tonga-Inseln, ihrer Beschaffenheit und Bevölkerung, vertrauter, da ich meistens längere Reisen durch diese ausgedehnte Gruppe zu machen hatte.
Der bereits geschehenen Erwähnung, daß in freier See sowohl, wie unter den zahlreichen Inseln, eine große Zahl Haifische zu finden ist, wollte ich noch näher darauf eingehen, in welcher Weise es mir gelang, eine beträchtliche Anzahl dieser gefährlichen Meerbewohner zu fangen, die zum Theil dann von meiner Schiffsbesatzung verzehrt wurde. Möglich ist der Fang des Haifisches nur bei ruhiger See und bei Windstille; er wird um so leichter, wenn der Hai hungrig ist und nach allem gierig schnappt, was über Bord geworfen wird. War also Windstille eingetreten, wiegte das Schiff sich steuerlos auf der blauen Fluth, so währte es gewöhnlich nicht lange und die Rückenflosse eines oder mehrerer Haie wurde sichtbar, die langsam näher kamen und entweder hinter dem Schiffe verblieben, wenn dessen Fahrt vielleicht noch gering war, oder sonst um dieses herumschwammen.
Kamen die Thiere nicht nahe genug heran, so wurde eine Lockspeise an dünner Leine befestigt, jedoch so, daß diese der Hai wohl befühlen, aber nicht erfassen konnte; die Leine wurde nämlich schnell eingeholt, sobald der Hai sich auf den Rücken legte und zuschnappen wollte. War der Hai erst gierig gemacht, so folgte er dem Köder schneller, besonders, wenn es ihm doch gelungen war, ein Stückchen Fleisch zu erfassen.
Auf diese Weise bis dicht unter das Heck des Schiffes gelockt, schwamm der Hai achtlos auf die Gefahr, welche ihm drohte, in die weit in das Wasser reichende Schlinge hinein, schnell diese fallen gelassen und zusammengeholt, war solch großer Fisch immer gefangen, weil ein Uebergleiten der Schlinge wegen der unbiegsamen Schwanzflosse nicht mehr möglich war. Bot sich eine Gelegenheit in der Nähe der Insel Upolu einige Haie zu fangen, und war das Schiff nicht allzufern dem Hafen von Apia, gestattete ich der Besatzung meistens die Fische aufzubewahren, die dann außenbords in den Rüsten oder unter dem Bugspriet aufgehängt wurden, denn der Fischgeruch war nicht besonders angenehm. Verzögerte sich die Ankunft aber und hatte die heiße Sonne schon zersetzend eingewirkt, ließ ich die Haie losschneiden, was von den Samoanern immer bedauert wurde; hingegen, wenn wirklich ein todter Hai mitgebracht werden konnte, gab es einen Festschmaus bei den Anverwandten am Lande.
Anstoß an dem strengen, widerlichen Geruch des Fisches nahmen die Samoaner nicht, vielmehr durch eingetretene Zersetzung ward das Fleisch desselben mürbe, das sonst hart, zähe und trocken ist. Aus Noth habe ich auch einmal versucht, das zubereitete Fleisch eines jungen, frisch gefangenen Haies zu essen, aber es wollte selbst gebraten nicht munden, obgleich sicher ein gewisser Widerwille das meiste dazu beitragen mochte.
Das Gebiß eines großen Haifisches ist furchtbar, die vorderen festen Zähne im Unter- und Oberkiefer sind an der Wurzel breit und flach und scharf wie ein Messer, die Zähne fassen so ineinander, daß alles, was der Hai erfaßt, von diesen durchschnitten wird. Hinter den festen Vorderzähnen liegen noch sechs Reihen ebensolcher, jede kleiner als die andere und in den Rachenmuskeln beweglich. Faßt der Hai eine Beute, ist er nicht im Stande, solche wieder fahren zu lassen; die hinteren Zahnreihen richten sich auf und geben einmal Gefaßtes schwerlich wieder frei.
Einmal, in der nördlichen Einfahrt von Tongatabu (ich war zwischen den Riffen von Windstille befallen worden) hielten sich schon längere Zeit zwei mächtige Haie von seltener Größe beim Schiffe auf. Schließlich machte ich mich daran, da diese Thiere ohne Scheu längsseit kamen, einen mit der Schlinge zu fangen. Ohne daß Köder angewandt war, hatte sich bald eines der Unthiere in der Schlinge festgelaufen; am Schwanz gefangen, peitschte der Hai wüthend das Wasser und die Leute hatten zu thun, das starke Thier zu halten, das erst jeden weiteren Versuch sich zu befreien aufgab, als es ermattet an der Schiffsseite hochgezogen war.
Der zweite Hai, der anfänglich gleich verschwunden, kam bald wieder zum Vorschein und so nahe an seinen gefangenen Gefährten heran, daß auch er nach einigen Versuchen demselben Schicksal verfallen war. Die Leute sollten nun den zweiten nicht zu nahe dem schon hochgezogenen aufholen, aber in ihrer Hast zogen sie das heftig um sich schlagende Thier doch nahe an dem ersten Hai vorbei und dieser, ebenfalls unruhig gemacht, wohl auch von dem Schwanze des zweiten getroffen, schwang seinen Oberkörper im Wasser hin und her, dabei den mächtigen Rachen auf- und zuschnappend.
Solange der Hai noch im Wasser war, sträubte er sich mit seiner ganzen Kraft und folgte nur widerwillig der angewendeten Gewalt, er entriß auch den Händen der Leute das Tau, ehe dasselbe befestigt werden konnte und schoß seitwärts in die Tiefe. Indeß da das Tau, womit der Hai gefangen worden war, zum Aufhissen eines der Vordersegel diente und an diesem befestigt war, so vermochte er nicht zu entkommen. Als er wieder herangeholt war, sollte gewartet werden, bis er sich müde gearbeitet hätte; aber übereifrig geworden, zogen die Leute weiter und als sie unachtsam wieder dem ersten Hai zu nahe gekommen waren, hielten sie plötzlich das lose Tau in Händen. Der hängende Hai hatte nämlich nach dem Schwanze des zweiten geschnappt, die halbe Flosse mitsammt dem starken Tau durchbissen und so seinem Gefährten die Freiheit gegeben. Ein kurzer, aber gewaltiger Schlag war es, den dieser Hai führte, als er gebissen sich zur Wehr setzte, doch bald schoß er frei mit einer Geschwindigkeit hinweg, wie man solche diesen sonst trägen Thieren nicht zutrauen sollte.