Um nun den gefangenen Hai, dessen Körper noch halb im Wasser niederhing, sicher an Deck zu bringen, mußte ihm eine zweite Schlinge oberhalb der Rückenflosse umgelegt werden; an dieser wurde das Thier dann hochgezogen, der Schwanzwirbel durchgeschlagen und erst, als es sich verblutet hatte, an Deck genommen. Das Thier maß etwas über 13 Fuß und hatte ein furchtbares Gebiß. Dieses sollte später ein Tonganer für mich präpariren und reinigen, nachdem der Kopf wochenlang in Salz-Seewasser gelegen und alles Fleisch sich abgelöst hatte; ich sah aber nie etwas davon wieder, es hieß, die Kiste mitsammt dem Kopfe des Haies, die am Riffe versenkt worden war, sei verschwunden.

Auf meiner zweiten Reise, von Apia nach Tongatabu, lief ich, von Vavau kommend, westlich von der ganzen Tongagruppe, und befand mich eines Tages im Mai 1885, als voraus die Basaltkegel Hunga-hapei und Hunga-tonga gut in Sicht gekommen waren, nicht allzufern von den in der Karte angeführten Culebrasriffen. Mein Kurs, der südwärts gerichtet war, mußte mich gerade darauf führen. Aber als ich die hohen Inseln Kao und Tofua in Deckung gebracht hatte — die Kreuzpeilung von der Insel Namuka und Hunga-tonga ergab, ich müsse zwischen den Riffen mich befinden — wollte von den Riffen nichts sichtbar werden. Vergeblich hielt ich selbst von den Masten aus Umschau, ich konnte weit in der Runde kein Riff, noch flacheres Wasser sehen und ebensowenig die noch schärferen Augen meiner Leute.

Fünf Monate später bekam ich auf ebensolcher Reise, die Hapai-Gruppe anlaufend, in Lefuka einen Lootsen als Passagier an Bord, der sich erbot, mir den Weg durch die Riffe der Kotu- und Namuka-Gruppe zu zeigen. Ich nahm das Anerbieten an, schon weil der Weg kürzer war und ich auch wußte, dieser Mann kenne die Durchfahrten ganz genau. Es war am Nachmittage des 12. October 1885, die Insel Namuka in Sicht, hielt ich den Kurs nach der freien See zu, um nicht während der Nacht zwischen gefährlichen Riffen laviren zu müssen.

Westwärts mit freiem, leichtem Winde zog das Schiff, ich konnte hoffen, ehe die Nacht hereinbrach, die freie See zu gewinnen, bevor, wie ich fürchtete, westlicher Wind, der in der Ferne mächtige, drohende Wolkenmassen aufballte, mein Vorhaben, Namuka zu umsegeln, vereitelte. Keiner anderen Annahme konnte ich Raum geben, so ungewöhnlich in dieser Jahreszeit mir auch eine Aenderung in der Witterung erscheinen wollte, als der, es müsse ein schwerer Sturm heraufziehen. Das schönste Wetter war um uns, der Himmel blau und klar, ich konnte nicht verstehen, da auch das Barometer immer noch keine Aenderung zeigen wollte, was im Westen das Anstürmen der Wolkenmassen, die dunkel wie die heraufziehende Nacht waren, zu bedeuten habe.

Unverändert, den ganzen Horizont im Südwesten bedeckend, blieb diese Erscheinung. Wider Erwarten entwickelte sich nicht ein heraufziehender Sturm, auch nicht das Gewölk, welches ein solcher vor sich hertreibt. Ein Räthsel war es, dessen Lösung ich nicht fand.

Die Nacht brach herein, herrlich glänzte über uns der Sternenhimmel einer friedevollen Tropennacht. Nur von den Riffen, die die Insel umgeben, schallten vereinzelte Stimmen über das stille Gewässer, dort rüsteten sich die Bewohner zum Fischfange, und bald leuchteten die Kokosfackeln in den zahlreichen Kanoes auf, eine Beleuchtung, wie solche stimmungsvoller nicht der ganzen Umgebung angepaßt werden konnte.

Aber auch die tiefdunkle Nacht in der Ferne wurde erleuchtet, Feuergarben zuckten zum Himmel empor, momentan die dunkle Masse wie mit magischem Lichte erhellend. Unerklärlich, wußte ich doch, daß dorthin auf hunderte Seemeilen kein Land zu finden war; die kleinen Felseninseln Hunga-tonga und Hunga-hapai lagen südlicher. Es war nicht der Blitz, der durch die Wolken zuckte, aus der Tiefe des Meeres herauf glühte es, sekundenlang immer wieder mit graufahlem Schimmer, mit blitzendem Feuerschein, den Horizont durchleuchtend.

Nichts veränderte sich während dieser Nacht, das Phänomen blieb sich gleich, auch trotz der größer werdenden Entfernung, bemerkte ich keine wesentliche Veränderung; erst der neue Tag bleichte den Feuerschein, der, was ich schließlich als positiv habe annehmen müssen, nur von einem zum Ausbruch gelangten Vulkan herrühren konnte. In Nukualofa eingelaufen, erfuhr ich, daß am 11. Oktober ein zeitweise heftiges Erdbeben die Insel Tongatabu erschüttert habe, und die Feuergarben, die ich gesehen hatte, waren auch hier beobachtet worden.

Natürlich war jedermann auf Tongatabu in Spannung versetzt, als nach meinen Angaben, die ich zu machen im Stande gewesen, kein Zweifel blieb, daß nördlich der Inseln Hunga-tonga und Hunga-hapai der Ausbruch eines unterseeischen Vulkans stattgefunden habe; das Erdbeben also hiermit in Verbindung zu bringen sei. Selbst begierig, den näheren Zusammenhang zu erfahren, kam ich mit Herrn von Treskow überein, das Schiff so schnell wie möglich abzufertigen, und ich nahm mir vor, so eingehend als möglich zu erforschen, welche Bewandtniß es mit dieser Erscheinung habe.

Am 14. Oktober früh, nach eintägigem Aufenthalt, segelte ich wieder ab, und meinen Kurs direkt auf jene Gegend setzend, fand ich am Nachmittage, sobald die Felseninsel Hunga-tonga querab lag, daß in nordwestlicher Richtung eine neue Insel entstanden war, genau auf derselben Stelle, wo ich vor 5 Monaten vergeblich das in der Karte angegebene Culebrasriff gesucht hatte. Der frisch wehende Südost-Passat trieb das Schiff schnell vor sich her und ehe der Abend hereinbrach, war ich keine halbe deutsche Meile von dieser Insel und dem in furchtbarer Thätigkeit befindlichen Vulkan entfernt. An der Ostseite dieser neuentstandenen Erhebung, die etwa 300 Fuß hoch und ¾ deutsche Meile im Umfang haben mochte, befand sich ziemlich in der Mitte dicht am Strande der Krater. Am Südende der Insel stieg eine etwa 40 Fuß hohe, weiße Dampfsäule ebenfalls unmittelbar am Strande auf, die wie ein mächtiger Springbrunnen ununterbrochen emporschoß, und soweit ich es unterscheiden konnte, war es heißes Wasser.