Eine Beruhigung für alle war die Kunde, die ich hierher gebracht, daß im Süden ein gewaltiger Ausbruch stattgefunden habe, die Annahme, ein Ausgleich der Naturkräfte hätte sich dadurch ergeben, wirkte beruhigend auf die Gemüther, zumal da schon während der letzten Tage die Erschütterungen auf Niua-fu immer schwächer geworden waren.

Aber mag auch der Ausbruch jenes unterseeischen Vulkans ein Ableiter gewesen sein, am Ende des Jahres 1885 mehrten sich doch wieder die Anzeichen einer drohenden Gefahr; die heftigen Erschütterungen mehrten sich, bis plötzlich am Südende von Niua-fu ein sehr starker Ausbruch erfolgte, und ob ich auch nie wieder diese Insel betreten habe, hörte ich doch in den fernen Marschallinseln, daß die Verheerung durch fließende Lava auf Niua-fu furchtbar gewesen sein soll.

Ein beschränktes Feld nur ist es, im Verhältniß zur ausgedehnten Inselwelt des großen Ozeans, dessen ich hier Erwähnung gethan, und doch im Gegensatz zu den einzelnen, erwähnten Inselgruppen, den niedrigen Koralleninseln, muß die beträchtliche Anzahl erloschener, und zum Theil noch thätiger Vulkane auffällig erscheinen. Sie alle aufzuzählen scheint mir unnöthig, zumal jede hohe Insel vulkanischen Ursprungs ist, fast ohne Ausnahme ließen sich auf allen erloschene Krater nachweisen.

Bedenkt man nun, daß schon dieses kleine Gebiet seit grauer Vorzeit ein ausgedehnter Kraterheerd gewesen ist, worauf der Einfluß der stets thätigen Naturkraft Veränderungen hervorgerufen haben mag, deren Größe und Bedeutung wir heute kaum zu ermessen im Stande sind, so tritt, wenn wir die ganze ausgedehnte Inselwelt in Bereich der Frage ziehen, welchem Ursprung entstammen diese Ländermassen, unwillkürlich beim Nachdenken die Möglichkeit heran, wir könnten es hier mit einem ehemaligen, versunkenen Festlande zu thun haben. Und ganz erklärlich muß dies erscheinen, sofern nur in Betracht gezogen wird, daß bedeutende Umwälzungen und Veränderungen auf unserer Erdoberfläche stattgefunden haben, ehe die heutige Lage und Gestaltung stetig geworden ist. Wir wissen, daß die Festlande aus der Tiefe der Ozeane gehoben wurden, die mächtigen Gebirge als vereinzelte Inseln oder Inselmassen über die Oberfläche der Wasser hervorragten an denen sich dieselben Vorgänge, während zehn Jahrtausenden vielleicht abspielten, wie an den Vulkaninseln des heutigen stillen Ozeans.

Fußen wir auf diese Theorie, dann sind die vereinzelten und zusammenhängenden Bergmassen im großen Ozean, die höchsten Punkte eines versunkenen, gewaltigen Festlandes deren vulkanischer Charakter im Laufe der Zeiten zur Erhöhung durch häufige, heftige Ausbrüche viel beigetragen hat. Die Koralleninseln, ebenfalls unter der Meeresfläche gesunkene Gebirgsrücken, auf denen es der Korallenpolype ermöglicht wurde sich anzubauen, haben die Thierchen trotz des langsamen, allmählichen Sinkens der Ländermassen immer höher und höher zur Meeresoberfläche gebaut, bis auch hier Stetigkeit eingetreten ist und ausgedehnte Inseln gebildet wurden.

Die Tiefenverhältnisse im großen Ozean ergeben ein Bild, wonach mächtige Gebirgszüge diesen durchziehen, ausgedehnte Thäler umschließend, und zum Theil sehr steil anstreben bis zu 18000 Fuß und darüber; hohe Inseln im Ozean kämen demnach unsern höchsten Bergen gleich.

Die Annahme nun, daß die ganze große Inselwelt ehemals eine zusammenhängende Landmasse gewesen, führt dahin, daß diese auch von verschiedenen Völkerstämmen bewohnt worden ist; streng geschiedene Rassen, vielleicht getrennt durch natürliche Grenzen, haben hierauf weite Strecken bewohnt. Im Westen die schwarze, die Papuarasse, ganz Melanesien umfassend, östlich davon die kupferfarbene, die Polynesier, und im Norden von beiden, Mikronesien, Mischarten der Malaien. Kann angenommen werden, daß die heutige Bevölkerung Ueberreste der Urbewohner sind, die durch Versinken der Landmassen isolirt wurden, wäre die Erklärung dafür gefunden, wie allmählich selbst die niedrigen Koralleninseln bevölkert worden sind. Denn der Drang nach Ausdehnung, Aufsuchen neuer Wohnsitze, kann nach ostwärts nur im beschränkten Maaße stattgefunden haben, die Strom- und Windverhältnisse im Ozean mußten Versuche auf großen Wasserflächen vereiteln, hingegen nach Westen begünstigen, zumal da bessere Verkehrsmittel als die heutigen Kanoes schwerlich den einzelnen Stämmen zur Verfügung gestanden haben.

Der in früherer Zeit bei diesen Rassen und einzelnen Stämmen gebräuchliche Kannibalismus hat alle Spuren vertilgt, die über die Verbreitung derselben Aufschluß geben könnten, es bleibt also nur die Gewißheit übrig, daß die einzelnen Rassen ihr ursprünglich bewohntes Gebiet heute noch innehaben, was namentlich auf die Polynesier und Melanesier Bezug hat.


IV. Die Marschall-Inseln.