Die Tätowirung ist allgemein und wurde früher mit Festlichkeiten verbunden, heute, wer die Kosten erschwingen kann, läßt solche ohne weiteres vornehmen, und entspricht eine solche dem Stande, welchem der Mann angehört. Dieses schmerzhafte Verfahren — ich habe oft, wenn hunderte Nadelstiche in die Haut getrieben wurden, die Nerven der Eingebornen bewundert — wird nach und nach auf dem ganzen Körper vorgenommen, sodaß die eigentlich helle Kupferfarbe der Haut unter den blauen Streifen verschwindet, sogar die Ohren, Augenlider, selbst die Finger werden tätowirt. Die Zeichnung ist immer streifenförmig, die Striche sind auf einem bestimmten Körpertheil stets gleichmäßig, entweder wagrecht oder senkrecht; auf Brust und Rücken laufen die Streifen meistens unter einem Winkel zusammen.

Wie bei den Samoanern, so benutzt man auch hier ein Instrument, das aus vielen Nadeln zusammengesetzt ist und die Breite der Streifen hat. Die Häuptlinge sind auch im Gesicht tätowirt und haben auf den Schultern undeutliche verschwommene Zeichnungen. Die Frauen sind weniger gezeichnet, in gleicher Weise höchstens an den Beinen, die Arme und die Brust werden seltener tätowirt.

Nicht zufrieden mit solcher langwierigen, schmerzhaften Operation, setzten diese Insulaner einen gewissen Stolz darin, unnatürlich erweiterte Ohrlappen auf künstlichem Wege herzustellen. Schon von früher Jugend an wird in beide Ohrlappen ein Loch geschnitten und dieses durch Einzwängen von einem Streifen des dehnbaren Pandanusblattes allmählich erweitert. Auf diese Weise wird das Loch im Ohrlappen bis vier Zentimeter und darüber lang, genügt dies nicht, wird der Fleischring dicht an der Backe abgeschnitten und mit einem Schnitt im Backenfleisch weiter unterhalb des Ohres verwachsen gelassen. Ist die Heilung erfolgt, so wird nun im Backenfleische selbst weiter geschnitten, bis ein Ring entstanden ist, durch den man bequem die Hand hindurchstecken könnte. Wird solches Loch nun mit einem aufgerollten Pandanusblatte ausgedehnt, so gewinnt es den Anschein, als hingen zwei hohle Röhren an den Backen herunter, was freilich etwas besonderes vorstellen soll, aber gewiß nichts zur Schönheit, vor allem nicht beim weiblichen Geschlechte beiträgt, bei alten Frauen und auch Männern sogar recht widerlich aussieht.

Uebrigens habe ich solche Erweiterung der Ohrlappen nur bei ganz alten Leuten gefunden, ein Zeichen, daß die Operation seit vielen Jahren fortgesetzt wurde; gewöhnlich aber ist das Loch nur einige Zentimeter groß und dient als Aufbewahrungsort für Schmuckgegenstände, als Muscheln, Blätter und Blumen, namentlich einer lilienartigen Blüthe, auch für Tabak, Pfeifen u. a.

Die Willkürherrschaft der Häuptlinge, unter denen der reichste auch der mächtigste ist, hat dahin geführt, daß, wie schon erwähnt, die Bevölkerung nur in zwei Klassen, die Besitzenden und Besitzlosen, zerfällt und der großen Masse eigentlich nichts gehört, diese vielmehr vollständig von den Landbesitzern abhängig ist. Ein solcher giebt dem Besitzlosen ein Stück seines Landes, auf welchem jener seine Hütte erbauen, sowie die Erzeugnisse, als Pandanus, Brotfrucht und Taro verwerthen kann, nur die Kokospalmen gehören ihm nicht.

Für Land, Schutz und Obdach ist der Besitzlose verpflichtet, gemeinhin sechs Monate zu arbeiten und zwar während dieser Zeit die Kokosnüsse für den Besitzer einzuernten, den Ertrag der Palmen in der anderen Jahreshälfte kann er für sich selbst verwenden, aber, da die Kokosnuß so gut wie baar Geld im Tauschhandel ist, muß er häufig noch seinen Antheil abgeben und ihm verbleibt nur wenig.

Dennoch kennt der Eingeborne keine Nahrungssorgen, und will er nur verwenden, was die Natur so reichlich ihm zugedacht hat, so kann er mit geringer Müh' und Arbeit sich ein sorgenloses Dasein schaffen, Bequemlichkeit, oft Gleichgültigkeit jedoch verhindern ihn daran, er ißt, was er gerade hat und sobald er das Bedürfniß fühlt, sich zu sättigen, ihm genügen schon die Milch und der Kern einer Kokosnuß, oder die süße Pandanus.

Letztere Frucht, die ich überall auf den Marschall-Inseln gefunden habe, dient namentlich zur Zeit der Reife als ein Hauptnahrungsmittel. Sehr zuckerhaltig, wird der süße Saft aus der fasrigen, prismatisch geformten Frucht, aufgesogen und da dieser nahrhaft genug ist, genügt er schon zur Sättigung. Mehr aber noch eignet sich der darin enthaltene Zuckerstoff zur dauernden Erhaltung einer Art Speise Pyru genannt. Dieselbe wird aus der Arrowroot-Wurzel, Brotfrucht und Kokosnuß hergestellt; auf heißen Steinen gebacken, durch den reichlichen Zusatz von Pandanussaft äußerst dauerhaft gemacht, hat sie einen der Feige ähnlichen Geschmack. Die Masse wird in etwa Zolldicke auf Blättern zubereitet, fertiggestellt wird sie dann aufgerollt und sehr dicht in trockenen Pandanusblättern eingepackt und mit dem schon beschriebenen Cajar kunstvoll verschnürt. So erhält man eine angenehme Dauerspeise, die jahrelang sich hält, selbst im Wasser nicht verdirbt.

Die so verfertigten Rollen, von gewöhnlich einem Meter Länge und fünfzehn Zentimeter Durchmesser, haben ein beträchtliches Gewicht, sie werden im Haushalte nur verbraucht, wenn Mangel an anderen Nahrungsmitteln eintritt; gewöhnlich aber dient diese Speise dazu, um auf weiten Seereisen oder an entlegenen Orten, wo nichts Genießbares erhältlich ist, die benöthigte Nahrung zu ersetzen.

Der Pandanusbaum, ein schlanker, fester Stamm, der zuweilen die Höhe einer mittelhohen Palme erreicht, trägt eine Blätterkrone, deren Zweige ähnlich den einzelnen Blattstreifen einer Kokospalme, tief herabhängen; die Frucht, ein bis 70 Pfund schwerer Kolben besteht aus vielen prismatisch geformten, nach innen spitz zulaufenden, faustgroßen Fruchtkernen, die, gut gereift, sich leicht loslösen lassen.