Für die Marschall-Insulaner, kann man sagen, ist dieser Baum fast werthvoller als die Kokospalme; mit den Blättern deckt er das Dach seiner Hütte, der Stamm giebt ihm die Stützen, die Frucht nahrhafte Speisen, und aus dem Blatte verfertigt er sich seine kunstvoll gearbeitete Kleidung, dazu geben Handstöcke und Knüttel die Luftwurzeln. Das Pandanusblatt läßt sich, wenn es getrocknet ist, nach Belieben in ganz feine Streifen zertheilen; um diesem aber die Sprödigkeit zu nehmen, wird das Blatt erst für längere Zeit in Frischwassertümpel gelegt, dann aufgerollt und feucht tüchtig geklopft. Dadurch gewinnt der Eingeborne einen dauerhaften Stoff zu seinem Mattengewebe und zu Hüten die dem echten Panama an Güte fast gleich kommen und lange halten. Ueberhaupt entwickeln die Frauen im Handflechten eine Geschicklichkeit, die kaum übertroffen werden möchte.

Sucht sich der Mann keine angemessene Beschäftigung — Trägheit ist ihm angeboren — so hilft er den Frauen beim Flechten der Matten, oder bereitet das Material dazu vor, auch übernimmt er wohl selbst solche Arbeit. Hierbei bedienen sie sich nicht allein der Hände, sondern auch die Füße müssen helfen, und zwar dienen die beweglichen Zehen dazu, die Gewebe fest und straff zu halten.

Die Tracht der Frauen ist einfach genug, ihre ganze Bekleidung besteht bei Erwachsenen aus zwei lang herunterhängenden Matten, von denen eine vorne, die andere hinten angebracht ist und zwar so, daß sie übereinander fassen und mittels eines Gürtels um die Hüften festgehalten werden. Dieser Gurt, ein weiß und schwarz gesprenkeltes dünnes Tau, häufig mehrere Meter lang, wird um den Leib gewickelt und der obere Theil der Matten um dieses eingesteckt, so bleibt von diesem nichts sichtbar. Junge Mädchen tragen eine kürzere, ebenso befestigte Matte, aber nur nach vorne und je nach Alter und Größe ist eine solche breiter oder schmäler; der Oberkörper bleibt unbedeckt, Kinder sind ganz nackt. Aehnlich wie die Samoaner, tragen auch die Männer einen Bastrock, verfertigt aus den Fasern des Boa-Busches, indeß ist die Herstellung eines solchen kostspielig und seltener habe ich solche Bekleidung gefunden; gewöhnlich macht eine zwischen die Beine gelegte und um den Leib mit einer Schnur befestigten Matte den ganzen Anzug des Mannes aus. Von meiner Schiffsbesatzung, die meistens nur aus diesen Insulanern bestand, hatten die meisten selten mehr in ihrem Besitz als solch Bekleidungsstück und eine Schlafmatte; liebten es aber, sobald ihr Verdienst groß genug geworden, der gewöhnlich 52-60 Mark monatlich betrug, sich nach europäischer Art, mit Hose und Hemd zu bekleiden.

Was den Bau der Wohnungen der Marschall-Insulaner anbetrifft, so findet man sowohl recht ärmlich und einfach, als auch großartig und kunstvoll aufgeführte Bauten. Oft genügen ihnen als Aufenthaltsort sogar die denkbar einfachsten Hütten; ein schrägliegendes Dach, das vorne auf Stützen, hinten auf der Erde ruht, und mit Wänden aus Flechtwerk hergestellt ist. Dennoch ist die Bauart der Hütten und Häuser auf einigen Atolls verschieden, nicht in der Form vielmehr in der Größe und Festigkeit, größere Häuser sind mit bemerkenswerthem Geschick erbaut. Das Dach, das gewöhnlich aus einem Geflecht von Pandanus- oder Kokosblättern wasserdicht hergestellt wird, ist eine feine Arbeit. Man findet das Innere eines Hauses meistens reinlich und sauber, oft auch mit feinen Matten ausgeschmückt; der Boden ist mit kleinen Korallensteinen bedeckt und gewöhnlich mit großen, reinlichen Matten belegt. Auch die nähere Umgebung zeugt von einem Sinn für Reinlichkeit, der Erdboden ist ringsum geebnet und ebenfalls mit kleinen Steinen besät. Man kann sagen, je nach Zahl der Familienglieder begnügt sich der Eingeborne entweder mit einer unscheinbaren Hütte oder er baut sich ein stattliches Haus.

In größeren Bauten ist meistens auf den Sparren noch eine besondere Schlafstätte für das Ehepaar oder vornehmere Gäste errichtet, sonst schlafen alle durcheinander auf dem mit Matten bedecktem Fußboden. War ich gelegentlich gezwungen die Gastfreundschaft der Eingeborenen in Anspruch zu nehmen, dann wurde stets ein besonderes Lager für mich hergestellt.

Geschick und Kunstfertigkeit der Insulaner lassen sich erst recht beurtheilen, wenn man in ihre Kirchen eintritt; alles Schöne, was sie durch ihrer Hände Arbeit herzustellen im Stande sind, ist darin vereinigt und eine wahre Ausstellung weisen die langen Wände auf, die ganz mit feinen, in Form und Muster verschiedenen Matten behängt sind. Es finden sich darunter Gewebe, die Zeugniß ablegen von großer Geschicklichkeit und außerordentlichem Fleiße.

Die Lebensweise der Eingebornen ist ein sorgloses Dahinträumen, das nur unterbrochen wird, wenn sie sich gelegentlich zur ernsten Arbeit aufraffen. Vor Tagesanbruch, wenn noch frische Kühle über Meer und Land gebreitet liegt, sorgt der Insulaner schon für den täglichen Unterhalt, d. h. er erklettert die hohe Palme und bricht genügend Nüsse ab oder schafft andere Lebensmittel herbei; er liebt nicht die heißen Sonnenstrahlen und sucht Kühlung und Schatten unter seiner Hütte oder unter breitästigen Bäumen. Auch mehrmaliges Baden am Tage in der See ist ihm zur Gewohnheit geworden, als tüchtiger Schwimmer und Taucher scheut er selbst nicht vor schwerer Brandung zurück. Sonst, wenn keine Nothwendigkeit zur Arbeit vorliegt, verträumt er den Tag, und essen, schlafen, rauchen, gelegentliche Handreichung, füllt die Tagesstunden aus. Lebendig und lebhaft wird er erst, sobald das Tagesgestirn zur Rüste geht, der Hauch vom endlosen Ozean ihm Kühlung zufächelt, auch sucht er erst zur späten Nachtstunde sein Lager auf; vor allem liebt er es in mondhellen Nächten im Kreise Vertrauter zu rauchen und zu plaudern, wobei es recht laut und lebhaft hergeht. Für den Europäer, der die Ruhe der Nacht nicht gestört wissen will und gerne schlafen möchte, was oft Mosquitos und drückende Schwüle verhindern, sind solche Ausführungen, Gesang und Tänze, nächtlicher Weile, manchmal recht unangenehm.

Die Gesänge sind eintönig und wenig melodienreich; im Chor gesungen, werden sie stets langsam und halblaut begonnen, allmählich aber lauter und schneller, begleitet mit Händeklatschen und dem taktmäßigen Wiegen des Oberkörpers, bis sie schließlich zu einem Tempo übergehen, das mehr Aehnlichkeit mit Schreien als mit Singen hat. Vor allem haben die Frauen große Fertigkeit darin, und jede Bewegung mit der Hand oder dem Körper wird stets sorgfältig ausgeführt, genau wie bei den Samoanern; freilich habe ich auf diesen Inseln die Frauen nie tanzen sehen, nur Männer zuweilen, mit Federbusch, Muscheln und sonstigem Zierrath geschmückt, führten vor meinen Augen Tänze auf, zu denen die Frauen im Chor sangen.

Anlaß zu Tänzen und Aufführungen giebt jedes geringe Vorkommniß, z. B. das Eintreffen eines Europäers, eines Schiffes u. a.; der Vorsänger erzählt darüber, was ihm gerade in den Sinn kommt, oft den tollsten Unsinn, und zwar in kurzen Sätzen, hinter denen der Chor irgend einen Kehrreim unermüdlich absingt, bis der Gegenstand erschöpft ist und der Schluß durch lautes Klatschen schon allseitige Zustimmung gefunden hat.

Auch von Häuptlingen aufgeführte Einzeltänze sind nicht selten, solche haben aber immer ein kriegerisches Gepräge; wilde Geberden, Sprünge, Gliederverrenkungen, ein möglichst wildes Aussehen gehören dazu und können bei dem Zuschauer das Gefühl erwecken, als würde man es im Ernstfalle mit einem furchtbaren Gegner zu thun haben. Der Gesang ist mehr Geheul, ein Rühmen nie ausgeführter Thaten, zu dem ein Chor von Männern und auch Frauen ein entsprechendes Lied oder den passenden Kehrreim absingen.