Tüchtige Fischer sind aber diese Insulaner doch, durch Erfahrung klug gemacht, stellen sie gewöhnlich nur solchen Fischen nach, die ungefährlich sind, unter anderen einem der Sardine ähnlichen Fische, der in größeren Schwärmen in den Lagunen angetroffen wird. Ist ein solcher Schwarm entdeckt und nahe genug dem Lande, treiben sie ihn mit Kanoes allmählich dem Strande zu; schnell werden dann Matten und Schnüre zwischen den einzelnen Fahrzeugen ausgespannt, der Kreis immer dichter gezogen, und die Fische, durch Geschrei, Schlagen mit den Paddeln gezwungen, in Massen auf ein Riff oder dem flachen Lande zu laufen, wo sie mit Matten, Körben und Händen leicht eingefangen werden können.

Beim Einzelfang auf großer Tiefe bedienen sie sich ihrer aus Perlmutter gefertigten Haken, die denen der Samoaner ähnlich sind; tauschen sich aber mit Vorliebe auch von den Weißen eiserne Angelhaken ein, die dem Zwecke besser entsprechen. Den fliegenden Fisch, der seltener in den Lagunen zu finden ist, fangen sie sich außerhalb der Riffe in ganz gleicher Weise wie ich es bei den Polynesiern gesehen und beschrieben habe.

Seit jeher waren die Marschall-Insulaner kühne entschlossene Seefahrer und verdienten den Namen „Schiffer“ eher, als die Samoaner. Sie sind nicht bloß in den Grenzen ihrer Inselwelt geblieben, sondern weit über diese hinaus, haben sie sich dem trügerischen Meer anvertraut und namentlich mit den Bewohnern der Karolinengruppe Verbindungen gesucht. Welch ein Zusammenhang zwischen diesen beiden Volksstämmen bestanden haben mag, die in Sprache, Gebräuchen und Sitten sehr vieles gemeinsam haben, ist schwer zu sagen.

Am glaubwürdigsten scheint es, daß durch Wind und Strömungen große Kanoes (Proas) von den Marschall-Inseln verschlagen wurden, deren Insassen dann auch glücklich Land gefunden haben. So soll noch im Jahre 1855 eine kleine Flotte die östlichste der Karolinen-Inseln „Kusai“ erreicht haben und nach monatelangem Aufenthalt wieder nach den Marschall-Inseln zurückgekehrt sein; auch noch größere Entfernungen, wie berichtet, sollen sie zurückgelegt und glücklich ihr Heimathland wieder gefunden haben. Aber so einsichtig und wagemuthig in dieser Hinsicht der Eingeborne auch ist, so ist doch anzunehmen, daß nur glückliche Zufälle es gewesen sind, die ihn nach langer Irrfahrt haben Land finden lassen. Darnach zu urtheilen, daß sie oft viele Wochen gebraucht haben, um von einer Insel zur anderen zu gelangen, müssen ihre Kenntnisse in der Seefahrt doch recht bescheidene sein; was aber jedenfalls für viele verderblich geworden, ist die Gewohnheit, sobald sie nach längerem Suchen ihr Ziel nicht finden können, die Segel niederzuführen und sich ihrem Schicksale zu überlassen.

Besondere Beachtung nun verdienen die Fahrzeuge, mit denen der Inselbewohner sich auf den gefährlichen Ozean hinauswagt. Den Kanoebau muß man entschieden als ihre bedeutendste Leistung ansehen, Geschick, ja Kunstfertigkeit ist ihnen dabei nicht abzusprechen. Schon die Anforderungen, die sie an ihre größeren Fahrzeuge stellen, bedingen eine eigenartige Bauart; ihnen genügen nicht mehr ausgehöhlte Baumstämme, wie sich andere Völker solcher bedienen, hier gilt es vielmehr einen regelrechten Bau aufzuführen. Und zieht man in Betracht, daß früher (und heute noch vielfach) ihre einzigen Werkzeuge die Meermuschel und die Fischgräte waren, und das mit Geschick verwendete Feuer bei solcher Arbeit ihr bester Helfer ist, so kann man sich vergegenwärtigen, was es heißt, solche Fahrzeuge, die oft 50 und mehr Menschen zu fassen vermögen, herzustellen.

Ihre Geschicklichkeit und Ausdauer finden deshalb staunende Anerkennung bei den Fremden, ja ich möchte den Europäer sehen, der an die Stelle der Eingebornen gestellt, sich mittelst Feuer und Muscheln aus einem dicken Baumstamm eine Planke verfertigen könnte!

Die Kanoes, zu deren Bau das nicht sehr harte Holz des Brotfruchtbaumes verwendet wird, sind aus verschiedenen Theilen zusammengesetzt. Der Kiel wird aus einem Stücke gefertigt, dies ist so ausgehöhlt, daß er an und für sich schon ein kleines Kanoe bilden würde; auf diesem werden dann die scharfen Vorder- und Hintertheile aufgesetzt, und dazwischen wieder die oft aus mehreren Stücken bestehenden Seitenwände eingefügt; die Höhe eines mittelgroßen Kanoes beträgt etwa 4 Fuß.

Alle Theile werden stumpf auf- und aneinander gesetzt; aber um die dauernde Befestigung derselben, die Dauerhaftigkeit des Ganzen zu erreichen, dazu gehört eine wahre Engelsgeduld, denn um dieses zu erreichen müssen durch zolldicke Wände oft viele hundert Löcher mittelst Fischgräten oder Knochen gebohrt werden, die nahe aneinander, in den einzelnen Theilen sich stets gegenüber liegen.

Naturgemäß können mit so unvollkommenen Instrumenten, Werkzeugen gearbeitete, stumpf aufeinander stoßende Hölzer nicht dicht halten, auch glatte Flächen sind damit nicht herzustellen; um aber dennoch eine gewisse Dichtigkeit zu erzielen, werden die Nähte mit zwischen gelegten trockenen Pandanusblättern ausgefüllt, dann werden durch die einander gegenüber liegenden Löcher Cajarfäden eingezogen und diese sehr fest angeholt. Die große Zahl solcher Laschungen ermöglicht es, jeden Theil des Kanoes dauernd und gut zu befestigen, und was Menschenkraft nicht fertig bringt, thut das Wasser, indem durchnäßt, sowohl die Pandanusblätter aufquellen, als auch die Cajarfäden sich zusammenziehen.

Finden sich sichtbare Undichtigkeiten, namentlich in den Löchern, so bereitet sich der Erbauer aus fein geriebenem Holz und dem klebrigen Safte der Pandanusfrucht eine Art Kitt, mit dem er gefundene lecke Stellen zustopft und verkittet. Da unbedingte Dichtigkeit natürlich nicht herzustellen ist, so lecken ohne Ausnahme alle Kanoes ziemlich stark, indeß mit einer aus demselben Holze hergestellten Mulde, einer Art Schöpfkelle, die der Eingeborne geschickt zu handhaben weiß, bewältigt ein Mann bequem ohne sonderliche Anstrengung das eingedrungene Wasser leicht; auch Kokosnußschalen, Blechbüchsen, selbst die hohlen Handflächen dienen ihm als geeignete Schöpfgefäße.