Ausgebildete einheimische Missionszöglinge sind heute die eigentlichen Lehrer, und es ist zu hoffen, daß unter dem Schutze der deutschen Verwaltung das Christenthum mehr und mehr an Ausbreitung gewinnt, das ist um so eher zu erwarten, wenn erst die Häuptlinge bekehrt sind und durch maßvolles Vorgehen, unparteiische Rechtspflege, das Vertrauen der Eingebornen ganz gewonnen ist.
Da die Marschall-Inseln heute deutsches Besitzthum, die Bewohner also in gewissem Sinne unsere Landsleute sind, so mag es vielleicht an der Stelle sein, hier in ihrer Sprache das Gebet des Herrn, das „Vater unser“, anzuführen.
Yememuij i lon, en kwojarjar etom. Ea itok am ailin. Yen komonmon ankil am i lol enwot dri lon.
Ranin, letok non kim kijim ranin: Im jolok annuij jerawiwi, enwot kimuij jolok an armij jerawiwi jen kim. Im jab tellok non mon, ak drebij kim jennana, Bwe am ailin, im kajur, im wijaak in driv.
Erwähnt habe ich bereits, daß eine Stammverwandtschaft zwischen den Bewohnern der Marschall-Inseln und der Karolinen-Gruppe besteht, ihre Sprache und Sitten in vielen übereinstimmen. Deshalb will ich das gleiche Gebet auch in der Sprache dieser Inselbewohner, mit denen ich oft genug zusammengekommen und die auch zu jener Zeit, leider nur vorübergehend, unter dem Schutze der deutschen Flagge gestanden haben, hier anführen. Es lautet:
Papa tumus su in kosav, E'los val payi. Pogasai lalos tuku. Orek ma nu fwalu, ou elos oru in kosav. Frite kit len si ini ma kut mono misini: et nunok munas nu seske ma koluk las, oanu kut nunok munas sin met orek ma kuluk nu ses. A tie kot kit kut in mel, a es kit la liki ma koluk, tu togusai lalos, a ku, a mwolanu, ma patpat.
Mit dem Versuche, in obiger Schilderung ein anschauliches Bild von den Marschall-Inseln zu geben, möchte ich noch gleichzeitig eine wichtige Frage, nämlich die Deportationsfrage, verbinden.
Unzweifelhaft wird auch in unserem Vaterlande einst entschieden werden müssen, ob Deutschland nicht auch, wie seit langem Rußland und Frankreich, die Deportation als ein Mittel ansehen muß, um sich der Elemente der Bevölkerung zu entledigen, die heute die Zucht- und Gefängnißhäuser anfüllen, wenigstens die unverbesserlichen Individuen und schweren Verbrecher auszustoßen und solche, so der menschlichen Gesellschaft, ihrer Gefährlichkeit halber, zu entziehen. Zwar wird in Deutschland wohl nur die zwingende Nothwendigkeit dahin führen die Deportation rechtskräftig zu machen, zumal die Ansicht, mit dieser sei sowohl das geistige wie körperliche Verderben eines Individuums verbunden, noch eine allgemeine ist. Indeß man kann doch zu einer anderen Beurtheilung der Frage gelangen, wenn zugleich mit der zweifellos harten aber gerechten Strafe die Menschlichkeit durchaus gewahrt wird und ein Deportirter nicht als ein bereits dem Tode Verfallener anzusehen ist, eher noch die Möglichkeit vorliegt, ein solcher kann der menschlichen Gesellschaft wieder als ein nützliches Mitglied zugeführt werden.
Wohl zu berücksichtigen ist natürlich bei einer in Frage kommenden Deportation, daß eine der Hauptbedingungen, der nöthige Abschluß von jeder Gesellschaft ist und dabei doch, anders als in Zucht- und Gefängnißhäusern, den Verurtheilten ein bestimmtes Maß der Freiheit gegeben wird. Das Nächstliegende, um solche unerläßliche Vorbedingung zu erfüllen, wird immer das sein, daß man naturgemäß einsame, dem Verkehr entzogene Landstrecken, wie es größere oder kleinere Inselgruppen sind, dazu in Aussicht nimmt. Und nicht mit Unrecht, denn der schwer zu bändige Trieb nach persönlicher Freiheit wohnt jedem Wesen inne und wird daher bei verwegenen Naturen weit eher zum Durchbruch kommen.
Indeß, ist eine natürliche, unübersteigliche Grenze gezogen, stellt dem menschlichen Willen und Wollen sich ein Element, der Ozean, entgegen, ist die Folge, daß bei nicht gänzlich empfindungslosen Naturen schon der großartige Anblick des Weltmeers, die ruhige oft aber wildgrollende Sprache des Ozeans, eine wirksame Besserung im Naturell eines Verbannten erwarten läßt. Und fraglos werden demjenigen, dessen Gesichtskreis nicht enge Zellen beschränken, sondern dem sich die Wunder der Natur, der Ozean und das Firmament, in ihrer erhabensten Schönheit zeigen, sich Empfindungen aufdrängen, die schließlich die Erkenntniß herbeiführen, daß der Mensch dazu berufen ist, im Einzelnen, wie in der Gesammtheit einem höheren Zwecke zu dienen.