Als ich mit meinem Boote zurückkehrte, hoffte ich die zehn Seemeilen weite Entfernung bis Jabor aufkreuzen zu können, da brach aber in einer Böe der Mast, und die zwei Mann im Boote konnten gegen Strom und Wind nicht vorwärts kommen. Nirgends war wegen der Riffe Land zu erreichen, so mußten wir ohne Wasser und Lebensmittel wachend die Nacht verbringen. Am nächsten Vormittage mußte irgendwo Land aufgesucht werden, wir landeten auch an einer unbewohnten Stelle, wo wir, nachdem meine Leute aufgefundene Kokospalmen erklettert hatten, Durst und Hunger an jungen Nüssen stillen konnten. Darnach als hiervon genügend Vorrath eingesammelt war, ruderten wir in heißer Sonnengluth längs der Riffe weiter, erreichten aber die Station erst in der frühen Morgenstunde des dritten Tages.
Die erste Reise im Marschall-Archipel hatte ich nach Ebon, Namorik, Kili u. a. zu unternehmen und besuchte auf dieser zuerst die kleinsten, aber auch fruchtbarsten Atolle. Die einzige Einfahrt in der Ebon-Lagune liegt an der Südwestseite zwischen den Inseln Juridi und Meidj, diese ist zwar tief, aber sehr schmal und ausgedehnte Riffpatschen nach innen machen diese sehr schwer zugänglich, dazu läuft ein wirbelnder Strom ein und aus, der einem Schiffe gefährlich werden kann, wenn dieser in voller Stärke einsetzt, ehe frei Wasser gewonnen ist.
Der Wind ist zum Durchsegeln dieser Einfahrt selten günstig, ein Ankern außerhalb am Riffe nicht immer rathsam, und so begegnete es mir beim Einkreuzen, daß der über das Riff auslaufende Strom das Schiff innerhalb der langen Einfahrt an das Riff trieb, und dieses auf der schräg abfallenden Korallenwand sitzen blieb. Das Wasser fiel und, kam ich nicht frei, mußte das Schiff schließlich sich auf die Seite legen, umfallen und volllaufen. Deshalb wurde schnell ein Anker ausgebracht, der auf hundert Fuß Wassertiefe erst den Grund erreichte, und nun versucht, das Schiff abzuwinden; allein die starke Leine riß sehr bald von scharfen Korallen durchschnitten entzwei, und der Anker, an dem die Bojenleine zu kurz gewesen, war verloren. In Ermangelung eines schweren geeigneten Ankers, wurde nun als letzter Versuch schnell einer der Buganker zum gegenüber liegenden Riffe gebracht und gut hinter Korallensteine versenkt, dann versuchten wir aufs neue, das sich langsam neigende Schiff mit aller Gewalt abzubringen, und es gelang.
Wäre diese Anordnung erfolglos geblieben oder nochmals die Leine gerissen, so hätte ich nur noch versuchen können, schnell Gaffeln oder Segelbäume abzutakeln von den Masten, und senkrecht an der gefährdeten Seite im Wasser aufzustellen; wären diese an der Bordwand festgebunden worden, so wäre vielleicht durch solche Stützen, wenn das Wasser nicht zu tief fiel, ein Unglück vermieden worden sein.
Ich war fast jedesmal gezwungen, in der Ebon-Lagune einzulaufen, selbst später mit dem größten Schiffe der Gesellschaft und bin immer ohne besondere Schaden weggekommen. Nur einmal in dunkler Abendstunde in der Ost-Durchfahrt, der kleineren, aufkreuzend, lief ich noch, von den Riffen frei, auf Anrathen eines guten Lootsen, den der König von Ebon, der Häuptling Nelu, mir gestellt hatte, der mit seinem ganzen Gefolge sich an Bord befand, weiter nach der Insel Eninaitok, zwischen vielen Riffpatschen und Untiefen hindurch. Als die Insel in Sicht kam, war wegen der Dunkelheit der Abstand vom Lande schwer zu schätzen, und hätte ich mich nur auf die Kenntniß des Lootsen verlassen, und nicht lothen lassen, würde dieser mir das Schiff mit voller Fahrt aufs Riff gesetzt haben. Plötzlich nur drei Meter Wassertiefe findend, jagte ich gerade noch zur rechten Zeit das Schiff in den Wind und brachte es zum Stillstand; darauf segelte ich vom Lande ab und ging auf größerer Tiefe zu Anker, mich wenig daran kehrend, daß nun die Häuptlinge etwas länger im Boote sitzen mußten und die Ausschiffung länger dauerte. Um die schon tagelang an Bord befindlichen Eingebornen noch ans Land zu bringen, hätte ich, vertrauend der besseren Kenntniß derselben, bald mein Schiff arg gefährdet gesehen.
Manchem anderen Schiffe ist es beim Einkreuzen in dieser Lagune nicht sonderlich gut ergangen, Beschädigungen am Schiffsboden, leichter oder schwererer Art, waren nicht selten, und wer nicht durchaus hinein segeln mußte, vielleicht nicht unter der Insel Juridi ankern durfte, kreuzte lieber tagelang vor der Einfahrt hin und her; was ich mitunter auch that, wenn in der schlechten Jahreszeit die See am Riffe zu schwer oder nur wenig Ladung zu landen oder abzunehmen war.
Die Lagune selbst bietet, sobald man die schlechte Durchfahrt durchsegelt hat, einem Schiffe überall sichern Ankergrund; ein geschützter Hafen ist das weite Becken, in welchem heftiger Wind nur selten das ruhige klare Gewässer erregen kann.
Ein flüchtiger Ueberblick auf dieses weite Becken läßt vermuthen, daß nur noch wenig Riffe mehr, außer den der Ausfahrt vorgelagerten, vorhanden sind, und doch befindet sich eine große Zahl kleiner und größerer Riffpatschen in demselben; die Thätigkeit der bauenden Koralle, welche im Laufe der Zeit diese Lagune verschließen wird, ist in vollem Gange. Recht in die Augen fallend erweist sich diese Thatsache, langsam zwar, aber immer weiter bauen die Polypen, und nach menschlicher Voraussicht wird sich hier von allen offenen Atolls zuerst der Vorgang abspielen, daß diese Lagune für jeden Schiffsverkehr durch die unzerstörbare Arbeit der winzigen Thierchen geschlossen wird. Fahrten durch die ganze Lagune von Insel zu Insel bestätigten mir diese Annahme, da ich unter Land sowohl wie auch im großen freien Wasserbecken weit ausgedehnte Riffe vorfand.
Die meisten der langgestreckten Inseln dieses Atolls sind flach und ohne besondere Erhebungen, der Unterbau, Korallensteine, die aber schon so hoch mit einer Humusschicht bedeckt sind, daß solche wenig sichtbar werden, auch hat die reiche Vegetation, das Eindringen der Pflanzen im Gestein, das ihre zur Verwitterung desselben beigetragen. Ueberhaupt habe ich kaum auf einem anderen Atoll so dichtes Gebüsch, hohe Bäume und wuchernde Pflanzen angetroffen, wie auf Ebon; anzunehmen ist, daß dazu der reichlich fallende Regen, der die Verwesung in der Pflanzenwelt befördert, viel beigetragen hat.
Vor allem erwähnenswerth ist hier neben den sehr zahlreichen Kokospalmen der mächtige Brotfruchtbaum, dessen schmackhafte Frucht eine Hauptnahrung der Eingebornen ist. Der Baum wird über 60 Fuß hoch und trägt auf hohem Stamme, der oft mehrere Fuß im Durchmesser hat, eine gewaltige Krone, er könnte in seinem Bau mit unserer Eiche verglichen werden. Seine Früchte, am Ende der Zweige hängend, haben eine länglich runde Form und werden ein bis zwei Pfund schwer. Sie werden gewöhnlich zwischen heißen Steinen oder am Feuer geröstet und bieten selbst dem weißen Manne einen Ersatz für Brot und Kartoffeln, vor allem auf Inseln, wo die Jamswurzel oder Taro nicht erhältlich sind.