Hier auf Ebon, wo ich öfter an den Mahlzeiten der Eingebornen theilnehmen mußte, lernte ich eine neue Art der Zubereitung dieser Brotfrucht kennen, wodurch dieselbe ganz besonders schmackhaft gemacht wurde. Das Herz der Frucht wird mit einem Stückchen Holz oder mit den Fingern entfernt, in die entstandene Höhlung dann weiße Kokosnußmilch gefüllt, und so in Blätter eingewickelt, zwischen heißen Steinen gebacken. Das goldgelbe Fleisch, dessen Nährgehalt durch die Milch noch erhöht ist, wird so ein noch vorzüglicheres Nahrungsmittel. Auf anderen Inseln wo man diese Art der Zubereitung nicht kannte, fanden alle vereinzelt lebenden weißen Händler stets ganz besonderes Wohlgefallen an der auf diese Weise zubereiteten Brotfrucht.
Aeußerst fischreich ist auch die Ebon-Lagune, namentlich in der starken Strömung der Einfahrt hält sich ein wohlschmeckender, giftfreier Fisch auf, ähnlich unserem Blei. Um solche Fische nun zu erhalten, die weder nach der Weise der Eingebornen, noch mit Angeln zu fangen sind, benutzen hier die Händler von San Franzisko eingeführte Dynamitpatronen, die angezündet und zur rechten Zeit ins Wasser geworfen, durch Zerspringen alle am Orte befindlichen Fische betäuben. Diese kommen dann für wenige Minuten an die Oberfläche und werden, ehe sie wieder sinken, in die Kanoes oder Boote schnell eingesammelt; ist das Wasser nicht zu tief, werden die Fische durch Taucher vom Grunde heraufgeholt.
Die Verwendung solcher Patronen bedingt aber große Vorsicht; ein Verpassen des rechten Augenblickes, eine fehlerhafte Zusammenstellung des Sprengstoffes, bringt immer große Gefahr für den, der nicht ganz genau mit der Anwendung Bescheid weiß. Mehrfach habe ich Leute getroffen, denen durch das explodirende Dynamit, wenn eine solche Patrone nicht gut geladen war, mehrere Finger weggerissen waren, einige aber auch, die ihre Unkenntniß oder Ungeschick mit dem Verluste der rechten Hand bezahlt haben.
Als ich einst unter der Insel Juridi vor Ebon zu Anker lag, erbat sich mein Steuermann Kitimatu, ein Japaner, die Erlaubniß, mit dem Boote fischen zu dürfen. Da mir unbekannt war, daß derselbe sich von einem Händler Dynamitpatronen gekauft hatte — übrigens eine verbotene Waare, die nur im Geheimen zur Einführung gelangt — wurde ich erst durch den dumpfen Knall darauf aufmerksam gemacht. Bald sah ich, wie die Besatzung des Bootes in das Wasser sprang und eine beträchtliche Menge großer Fische in dasselbe hineinwarf. Der Japaner, ein vorzüglicher Taucher, holte vom Grunde immer mehr herauf, so daß nach der Zahl der angesammelten Fische zu urtheilen, mehrere hundert derselben betäubt oder getödtet sein mußten.
Dulden durfte ich nicht, daß fernerhin solche Art von Fischerei betrieben wurde, vor allem nicht die Mitführung des gefährlichen Dynamits an Bord, und obwohl mir, wie auch der Mannschaft, die große Menge schöner Fische nicht unwillkommen war, so mußte für die Folge doch die Verwendung solcher Patronen unterbleiben. Ziemlich erstaunt war daher der Japaner und die Freude seines Erfolges gedämpft, als ich vor seinen Augen die mir ausgehändigten übrigen Patronen über Bord warf; es wollte ihm nicht recht einleuchten, wie ein so nützlicher Gegenstand anderen gefährlich werden könne.
Ehe ich meine Angaben über den Ebon-Atoll schließe, will ich noch eines Vorganges erwähnen, der mir später an den Außenriffen leicht den Verlust des Schiffes „Futuna“ eingetragen hätte. Leichter, südwestlicher Wind wehte, als ich einst in der schlechten Jahreszeit, im Anfang Oktober, vor Ebon anlangte und wegen einiger Bootsladungen Güter nicht erst einlaufen wollte, sondern die Boote an Land sandte und durch den Steuermann das Geschäftliche erledigen ließ. Darauf segelte ich, da ich von hier nach den Karolineninseln beordert war, beim Winde liegend längs der Riffe nordwestwärts; zwar nahe dem Riffe, jedoch frei genug, um gegebenen Falls ein Segelmanöver ausführen zu können. Querab der Insel Toka aber, als ich schon hoffen konnte das Riff nach kurzer Entfernung mehr nach rechts abfallen zu sehen, wurde das Schiff von einer unerwarteten Strömung dem Riffe, auf welchem eine mittelmäßige Brandung lief, zugedrängt und erkennend, ich würde nicht frei davon kommen, gab ich Befehl zum wenden.
Nie hatte der Schooner, selbst in gefährlichen Engen, eine Wendung versagt, jetzt aber ging er nicht durch den Wind. Ein zweiter Versuch, mit ganzer seemännischer Geschicklichkeit ausgeführt, schlug wieder fehl; einen dritten wagen, da ich schon der Brandung sehr nahe gekommen war und der sicher fehl gehen mußte, da das Schiff nicht mehr Raum genug hatte um gute Fahrt zu gewinnen, hieß es geradezu aufs Riff setzen. Verloren schien das Schiff auf jeden Fall, da ich wegen des kurzen Abstandes vom Riffe keine Möglichkeit mehr sah, dieses vor den Wind herumzubringen, welches ja das einzige Manöver ist, wenn Strömung und schwerer Seegang ein Wenden verhindern. Doch um alles zu thun, mußte ich auch dies wagen; wie ich auf das Riff kam, angetrieben, oder mit vollen Segeln vor dem Winde, war jetzt gleichgültig; einmal in der Brandung mußte das Schiff doch nach kurzer Zeit am steilen Riff zerschlagen und in die Tiefe sinken; die einzige Aussicht war, daß sich die Mannschaft noch unter Umständen retten könnte.
Es ist ein Haupterforderniß für den Seemann auch in der gefahrvollsten Lage nicht den Kopf zu verlieren, sondern entschlossen zu handeln, so gab auch ich ohne Besinnen ehe noch das Schiff durch den Druck seiner Segel wieder an den Wind gekommen war, den Befehl, das Ruder hart Backbord zu legen, die Raasegel vierkant zu führen, alle Schooten der Schratsegel los zu werfen, und siehe wie ein Schwan mit ausgespannten Fittichen lief das Schiff mit schneller Fahrt seinem Verderben entgegen. Noch aber war seine Stunde nicht gekommen; das wackere Schiff, mit dem ich noch manche Noth und Sturm durchkämpfen sollte, ehe es in diesem Ozean an einer anderen Insel „Kili“ in die Tiefe sank, gehorchte über Erwarten gut dem Steuer. Die 150 Fuß, die das Schiff vom Riffe entfernt gewesen, hatte es noch nicht durchlaufen, als es durch den Druck der sehr schnell hantirten Segel wieder an den Wind gebracht war. Zwar lief die hohle See schon unter dem Kiel und hob das Schiff zum vernichtenden Stoße, — keine zehn Fuß hinter dem Heck donnerten die Schaumkronen der Brandung — und doch, mit freiem Winde die Fahrt beschleunigend, entkam ich dem sicher erwarteten Verderben.
Auf einer Fahrt von Jaluit nach Ebon und zurück, traf ich in der Ebon-Lagune den Häuptling Launa mit einigen seiner Proas an, mit denen er, zur Abreise nach Jaluit gerüstet, nur auf gutes Wetter wartete. Da die Gelegenheit günstig war, mit dem deutschen Schiffe nun die Ueberfahrt zu machen, trat Launa mit mir in Unterhandlung wegen des Fahrgeldes, dessen Höhe ihm zwar gut genug bekannt, das er aber herabgesetzt wissen wollte. Als ich darauf nicht eingehen konnte, erklärte er mir, dann solle auch keiner seiner Leute mit mir fahren, er segele mit seinen Kanoes billiger. Thatsächlich ging er am Abend desselben Tages in See und erreichte glücklich Jaluit.
Die Kunst, mit Geschick und Verständniß, solche nicht ungefährliche Fahrten in leicht zerbrechlichen Kanoes zu unternehmen, ist heute nur noch wenig Inselbewohnern eigen, obwohl sie früher im Bereich dieses Archipels nichts Ungewöhnliches waren. In der Nalik-Kette bedienen sich die Häuptlinge aber mehr der europäischen Segelschiffe, auch besitzt der König Kabua, eigentlich Nelu, ein solches, mit dem sie von Insel zu Insel fahren und es auch selber, ohne Hilfe eines Weißen führen.