Die hohen Basalt-Inseln wie Yap, Ruk, Ponapè, und Kufat, Stammvesten der Bevölkerung, sind dagegen in Wahrheit Edelsteine im weiten Ozean, die an Fruchtbarkeit in nichts den Samoa-Inseln nachstehen, vielmehr diese noch übertreffen. Die überreiche Natur wartet nur der fleißigen Hand, welche die aufgespeicherten Schätze heben soll. Soll man ein Urtheil über die gesammte Gruppe abgeben, so trifft noch immer der von früheren Entdeckern gethane Ausspruch zu „Das ganze Meer ist besät mit Edelsteinen, gerade wie der Spiegel des sternenbesäten Himmels über diesem.“ „The whole is studded with ocean gems, as if the mirror of the starry sky above it.“
Wenn ich hauptsächlich bei den östlichen Inseln verweile, so geschieht es darum, weil auch ich mit diesen besser bekannt geworden und hier zum Theil Augenzeuge von Vorgängen gewesen bin, die wenigen noch in der Erinnerung, vielen nie wahrheitsgemäß geschildert worden sind.
Zunächst nach Ponapè bestimmt, sah ich diese weithin sichtbare große Insel bereits am sechsten Tage. Einen hochwillkommenen Anblick boten die hohen Felsenmassen dem einsam auf weitem Meere hinziehenden Schiffer; geschmückt mit ewigen Grün vom höchsten Bergesgipfel bis zum blauen Ozean, breitete sie sich gleich einem Paradiese aus vor den staunenden Augen, wie solches von der Hand der Natur nicht schöner geschaffen, wie es einem sorglos glücklichen Volke nicht besser geboten werden kann.
Wie ausgestorben, scheinbar unbewohnt, liegt im smaragdenen Kleide im Ozean gebettet die Insel da, nichts als das Laub zahlloser Bäume ist sichtbar, aus dem vom Strande aufwärts die hochragenden Palmen sich vereinzelt oder in Massen abheben. Wenn man dicht unter die weit abliegenden Riffe, die mit schmalen Inseln besät sind, vorübersegelt, erblickt man hinter diesen ein weites ruhiges Becken, das von den draußen stürmenden Wogen des Ozeans nicht im geringsten bewegt wird und, wie weit man auch an diesem Riffe und Inselkranze entlang segelt, sich immer gleich bleibt. Zwischen dem dichten Laube der Bäume wird keine Hütte sichtbar, doch Rauch steigt hier und dort auf; unter den steilen Felswänden zieht phantastisch ein Kanoe, um bald zu verschwinden.
Ein bloßer Punkt auf meiner Karte, war diese 60 Seemeilen im Umfang große Insel. Sie war nur nicht genau bekannt, auch wußte ich nicht wo ich die Einfahrt zur deutschen Station zu suchen hatte, darum lief ich unter der Ostküste nach Süden und suchte westwärts weiter nach einer Durchfahrt. Da das Wasser still war, wagte ich es als ich gegen Abend eine ganz schmale Durchfahrt zwischen zwei Riffinseln fand, für mein Schiff gerade breit und tief genug, einzulaufen. Zwar lagen anfänglich schlecht sichtbare Riffpatschen umher, die gefährlich werden konnten, doch näher dem Lande verschwanden auch diese, und bald lag wie im sichersten Hafen das Schiff ruhig vor seinem Anker.
War vorher nichts von Menschen sichtbar gewesen, so erschien jetzt bald hier und dort ein Kanoe, und nicht lange währte es, dann lag eine Anzahl derselben längsseit; Hühner, Eier, Yams, Ananas, Bananen, Fische und Kokosnüsse, sowie Perlmutterschalen u. s. w. wurden zum Kaufe angeboten, gegen wenig Tabak konnten von den nackten Eingebornen die wohlschmeckenden Erzeugnisse dieses reichen Landes eingetauscht werden. Lungur-Eiland, den Bestimmungsort, mir zu zeigen, ließen sich willig einige Leute gegen geringes Entgelt bereit finden, sie meinten eine freie Durchfahrt führe innerhalb der Riffe dahin.
Wohl segelte ich am anderen Morgen einige Stunden weiter nördlich im ganz stillen Wasser, doch unter der 1000 Fuß hohen senkrechten Felswand von Jocoits an der Nordseite, fand ich zwischen den hier zahlreichen großen und ausgedehnten Riffen nur schmale gewundene Engen, die mit konträrem Winde nicht gut zu durchsegeln waren. Ich nahm deshalb das Kanoe der Eingebornen an Deck, und suchte durch eine Oeffnung im Hauptriffe wieder die freie See auf, um so nach der eigentlichen Jocoits-Einfahrt zu gelangen. In der That wurde bald Lungur-Eiland und die Station erreicht.
Durch dieses theilweise Umsegeln der ganzen Insel, ward mir die Gelegenheit gegeben, die mächtigen Felsenpyramiden sowohl, wie auch die überaus reiche Pflanzenwelt aus der Nähe zu beobachten; machte ich mich später auch mit dem Innern der Insel näher bekannt und sah die Großartigkeit der Natur in ihrer vollen Pracht und Wildheit, so schwächte dies doch nicht den zuerst gewonnenen Eindruck ab.
Die Insel muß in früherer Zeit eine öde Felsenmasse gewesen sein, bis die allmähliche Zersetzung der Lava und Basaltmassen auf der Oberfläche für das Pflanzenleben fruchtbaren Boden geliefert hat. Heute krönt die Höhen ein fast undurchdringlicher Urwald, reicher Humus hat sich abgelagert, die Verwesung der Pflanzen, die gestürzten Baumriesen erzeugten ihn, hohe Schichten der fruchtbarsten Erde deckten Thal und Höhen überall. Kurze reißende Ströme, aus tausend Quellen genährt, stürzen zu Thal, an ihren Mündungen weite Flächen abgeschwemmtes Land wieder ablagernd, das oft weithin bis zum Fuße der Felsen mit Seewasser überdeckt wird und doch dem Mangroven-Baum und vielen anderen ein Fortkommen gestattet, so daß, gleichwie in der Höhe, auch hier, mächtige Wälder sich ausgebreitet haben.
Silberklar und kühl ist das herrliche Wasser dieser Flüsse, oft bin ich, so weit ich nur mit einem Boote kommen konnte, diese hinaufgefahren, um die Großartigkeit der Urnatur zu betrachten; selbst im Innern des dunklen Erdtheils (Afrika) habe ich in den jungfräulichen Urwäldern kaum solche eigenartige Schönheit der Natur gefunden, wie sie sich hier auf so kleinem Raume dem Auge darbot. Gestürzte Baumriesen lagen, gestützt auf ihre mächtigen Zweige, von Ufer zu Ufer, Brücken, auf denen die zahllosen Insekten hin und her wanderten; auch See- und bunt gefiederte Singvögel liefen ohne Scheu auf solchen auf und ab. Tausende von Luftwurzeln, Lianen und Schmarotzerpflanzen strebten von den Bäumen herab zur Erde, um sich wieder in endloser unentwirrbarer Kette zu heben. Girrend lockt die Taube überall, nicht erkennbar wegen ihres dunklen Gefieders, im dichten Laub der Bäume, und nur das scharfe Auge des Eingebornen weiß sie zu finden und mit sicherem, unfehlbarem Schusse aus der luftigen Höhe herab zu holen.