Die Arten der Pflanzen und Bäume mit ihren Abarten, die Nahrung und Kleidung geben, sind sehr zahlreich; hauptsächlich aber sind es von den Bäumen Brotfrucht, Pandanus, Kokosnuß und Bananen, von den Erdpflanzen Yams, Taro, Ananas und andere, die ohne jegliche Pflege überall wachsen bis weit hinaus auf dem Inselkranz, woran gleich einer schäumenden weißen Linie die Wogen des Ozeans sich unablässig brechen.

In geologischer Hinsicht weist Ponapè besondere Merkmale auf. Der Unterbau ist fester Basalt, darüber thürmen sich aus gleichem Gesteine 2-3000 Fuß hohe Bergkuppen und Höhenzüge auf und darauf wieder vielfach schichtweise gelagerte Lavamassen. Ebenso fand ich auch im südlichen Theil der Insel, nahe dem Kiti-Hafen, als ich zu den schwer zugänglichen Höhen aufstieg, zu Tage tretenden rothen Lehm in ziemlich starken Schichten abgelagert vor, sicher ein Erzeugniß vulkanischer Ausbrüche. Auffallend aber ist, daß das Berggefüge in seiner Masse sowohl, wie in einzelnen Theilen, ein Spielball furchtbarster Naturkräfte gewesen zu sein scheint, denn entkleidet des überaus reichen Pflanzenwuchses böte sich dem Auge des Beobachters ein Gemenge übereinander gethürmter Felsen und Gesteine dar. Nicht die alles zersetzende Zeit allein hat ihnen hier ihren Stempel aufgedrückt, vielmehr sind die zahllosen Sprengstücke, mit denen die ganze Insel besät ist, sicher nur Erzeugnisse der gewaltigsten Erschütterungen und Umwälzungen schon erstarrt gewesener Massen.

Der Hauptheerd der vulkanischen Thätigkeit muß an der Nord- und Nordostseite gelegen haben, da hier eine Reihe kleinerer und größerer Inseln, die getrennt von der gewaltigen Masse der Insel Ponapè liegen, sich als muthmaßliche Krater erwiesen haben. So die Inseln Mutok, Yokocts, 800-1000 Fuß hoch, Yarum, Momts, Takain und Lungur. Die genannten sind alle Basaltgebilde, oft steil und schwer zugänglich, und steigen bis zu 300 Fuß und darüber. Allerdings habe ich keine Krateröffnungen gefunden, wohl aber Lavageschiebe, wenn auch nur in geringerer Menge.

Eine von Fachleuten unternommene Durchforschung der Inselgruppe dürfte zur Bestätigung meiner Ansicht führen. Diese stützt sich auch namentlich darauf, daß Lungur ein stumpfer von allen Seiten steil abfallender Kegel ist (ich habe ihn öfter an steiler Wand erklettert) und oben im Gestein eine geschlossene kahle Vertiefung zu Tage tritt. Auch ist das weite fruchtbare Vorland mit mächtigen Felsblöcken bedeckt, die von der Hauptmasse eine gewaltige Kraft abgesprengt haben muß.

Auffallend ist die oft bedeutende Tiefe innerhalb des mächtigen Riffes, welches die ganze Insel in einem Umkreise von 60 Seemeilen umgiebt; einzig erklärlich dadurch, daß in früherer Zeit ein Sinken der Gebirgsmasse stattgefunden hat, ein neuer Anbau der Korallen aber durch das frische Wasser der Flüsse verhindert wurde und nur dort die Polypen den äußeren Riffwall schaffen konnten, wo ihnen der Ozean reichlich Nahrung bot, so daß schließlich um die ganze Insel Ponapè eine Lagune entstanden ist.

Das Innere der Insel mit seinen Urwäldern ist zum Theil selbst für den Eingeborenen noch unzugänglich und unbekannt, nur wenige schmale Thäler, gebildet von steilen Felswänden, führen durch die einzelnen Gebirgspartien; auch längs der Flüsse, deren Wasserkraft sich im Gestein breite Wege gebahnt hat, ist ein Aufstieg zu den steilen Höhen möglich. Aber der Eingeborene trägt kein Verlangen, sich in der Wildniß umzuschauen, überall in gleich großartiger Weise tritt sie hervor. Am Strande wie auch am Fuße der unzugänglichen Höhen und verborgen im Gebüsch, an Felswänden, im Schatten gewaltiger Bäume hat er sich seine Dörfer erbaut.

Die Entdeckung der Karolinen-Inseln ist den Spaniern zuzuschreiben und zwar soll Quirosa bereits im Jahre 1595 Ponapè gesehen haben. Versuche der Spanier im 17. Jahrhundert, auf den westlichen Inseln Fuß zu fassen, scheiterten aber gänzlich an der Wildheit der Eingebornen, die stets die Priester und Kolonisten ermordeten. Die Folge war, daß das weite Gebiet bis zum 19. Jahrhundert fast ein unbekanntes Land geblieben ist. Jedenfalls war der Anspruch der Spanier auf diese reiche Inselgruppe unberechtigt, da sie sich nie darum bekümmert haben, auch kaum Kenntniß von dem dort verborgenen Reichthum hatten. Deutschen und Amerikanern blieb es überlassen diesen Völkern die Gesittung zu bringen und sie an den Anblick des weißen Mannes zu gewöhnen.

Ueberfälle und Wegnahme einzelner Schiffe haben auch hier wie anderswo in früherer Zeit stattgefunden. Die Eingeborenen, lüstern nach fremden Schätzen, bemächtigten sich meist durch Verrath der fremden Fahrzeuge, nachdem ihrer Uebermacht die Besatzungen erlegen waren. Nach Ueberlieferungen haben die Spanier mehrmals Ponapè besucht, sind aber, da sie den Eingebornen vertrauten, in deren Hände gefallen und niedergemacht. Unter anderen soll im Süden der Insel, wahrscheinlich im Kiti-Hafen, ein Schiff genommen sein, dessen Leute nicht anders getödtet werden konnten, als dadurch, daß man ihnen die Augen ausstach; sie hätten eine solche feste Haut gehabt, daß sie vor jeder Verletzung geschützt gewesen wären. Unzweifelhaft sind es in Panzern gehüllte Spanier gewesen, die hier der Uebermacht erlagen.

Auch im Metalanim-Hafen soll ein Schiff gestrandet sein und die ersten Hühner zu dieser Insel gebracht haben. Die Angabe scheint richtig zu sein, denn man fand später in den Händen der Eingebornen eine Messingkanone, ein silbernes Kruzifix, einen kupfernen Kessel, spanisches Geld u. a. m. Die eigentliche Entdeckung Ponapès erfolgte aber erst im Jahre 1828 durch die russische Korvette „Seniavina“ (Commandant Lutke) und die genauere Kenntniß verdanken wir amerikanischen Walfischfängern und den Missionaren.

Die Bewohner Ponapès, deren Zahl 5000 nicht überschreiten mag, sind, soweit ich sie kennen gelernt, im Umgange ein friedliches Völkchen, gefällig und gastfreundlich; trotzdem zeigen sie dem Europäer gegenüber eine gewisse Zurückhaltung im Benehmen. Etwas Lauerndes liegt in ihrem Gesichtsausdrucke, sie verleugnen das malayische Blut nicht, das, zum Theil wenigstens, durch ihre Adern rollt. Es ist die gezähmte Wildheit, die in dem funkelnden Blick der schwarzen Augen liegt; wie dem Malayen gegenüber hat der Fremde das unbestimmte Gefühl, als hätte er es mit einer Katzennatur zu thun und die scharfen Krallen könnten unerwartet den Arglosen packen.