Zeigen die Marschall-Insulaner im Flechten der Matten u. a. ganz besonderes Geschick, so übertreffen die Frauen und Mädchen auf Kusai in einer Hinsicht diese dennoch. Auf einem kleinen Webestuhle, der eigenartig gebaut ist, weben sie aus feinem Baumbast sehr kunstvolle Lendengurte, so fein und sauber — die Zeichnungen und die Zusammenstellung der verschiedenen Farben sind sorgfältig ausgeführt — wie es die kunstfertige Hand einer europäischen Dame nicht fertigbringen würde. Als Schere, um die oft kaum zolllangen Fädchen abzuschneiden, bedienen sie sich der messerscharfen Kante einer kleinen Seemuschel.
Staunend habe ich oft in ihren Hütten dieser kunstvollen mühseligen Arbeit zugeschaut. Wie der Knabe von Jugend auf sich mit dem Speere übt, den schnellen Fisch im Wasser zu tödten, so sitzen die Mädchen im jugendlichen Alter schon flechtend und webend, um ihre einfache Kleidung so schön wie möglich zu schmücken, denn wie alle Evastöchter sind auch diese einfachen Naturkinder nicht gänzlich frei von Eitelkeit.
Daß früher schon die Bewohner Kusais unter sich nicht allein Tauschhandel getrieben, sondern eine Art Werthgegenstand als Geld benutzten, gleichwie afrikanische Völker die Kauri-Muschel, ist erwiesen, und zwar haben sie die werthvolle Perlmutterschale dazu benutzt, die auf tiefem Korallengrunde, namentlich in Ponapè häufig gefunden wird. Von einer großen, sauber bearbeiteten Schale hatte das Kernstück, nach Größe und Breite, einen entsprechenden Werth, ein solches, etwa zwei Zoll breit und 6 bis 7 Zoll lang, wurde einem Arbeiter als Tagelohn ausbezahlt, die kleineren Stücke galten weniger. Wann aber dieses Geld, von dem ich einige Stücke noch in Lottin-Hafen bekam, in Kurs gewesen, darüber konnte ich gewisses nicht erfahren.
Einst nach längerer Abwesenheit nach Jaluit zurückgekehrt, erfuhr ich, daß in der Zwischenzeit, ein mir auch bekannter Europäer am Strande ermordet worden sei. In dunkler Abendstunde aus einer der Wirthschaften, deren zwei vorhanden waren, heraustretend, sei er von Malayen die irgend ein Schiff zurückgelassen, überfallen und getödtet worden. Ein Racheakt sei es gewesen und eine Verwechslung habe in der Dunkelheit stattgefunden, und ihr sei dieser junge Mann zum Opfer gefallen.
Der Mörder und seine Mitschuldigen waren schnell gefaßt und dem eingelaufenen deutschen Kriegsschiffe „Bismarck“ ausgeliefert worden; der Thäter büßte seine Schuld mit dem Leben.
Am Abend jenes Tages, an welchem ich in Jaluit eingelaufen war, folgte ich der Aufforderung des Leiters unserer Gesellschaft, den Abend mit Billardspielen gemeinschaftlich hinzubringen. Um diese Absicht auszuführen begaben wir uns zu dem Hause des deutschen Wirthes, das gewöhnlich von den Europäern besucht wurde. Nicht weit davon lag die Wirthschaft eines Schwarzen, der mehr Zuspruch von den zu Zeiten im Hafen anwesenden Schiffsbesatzungen hatte; hier pflegte es öfter auch recht lebhaft zuzugehen. Es mochte etwa 9 Uhr abends geworden sein, als ein wilder Lärm von jenem Hause herüberschallte, unter anderen hörte ich die lärmenden Stimmen meiner Niue-Leute heraus. Daß einige an Land gegangen waren wußte ich, ich hatte ihnen selber Urlaub gegeben, daß aber der Steuermann, ein von mir in Ponapè aufgenommener Matrose, der dort von einem Schiffe krank zurückgelassen worden war, ein Norweger, entgegen meiner Weisung die ganze Besatzung an Land gelassen und ihr noch dazu Geld zu Schnaps gegeben hatte, ahnte ich nicht.
Sogleich unterbrach ich das Spiel und eilte in der Meinung meine Leute seien mit anderen in Händel gerathen, zu dem anderen Wirthshause. Als ich schnell das Haus erreicht, fand ich in der Schenkstube eintretend allerlei Volk vor, darunter meine ganze Besatzung. Alle waren angetrunken und zwei Parteien befanden sich im heftigen Streite, der augenblicklich verstummte, als ich meinen Leuten befahl, sofort an Bord zu gehen. Aber nur einige waren vernünftig und folgten der Weisung, vier weigerten sich entschieden zu gehorchen; als sie auch einer zweiten Aufforderung nicht Folge leisteten, faßte ich schließlich, durch die Widersetzlichkeit aufgebracht, einen an, und schob ihn der Thüre zu. Kaum aber war meine Absicht den Umstehenden klar, als ich von hinten gefaßt und mit Faustschlägen zu Boden gestreckt wurde; im Fallen riß ich den Angefaßten mit mir, der auf mich fiel, dieser Umstand rettete mich, denn so kurz die Zeit auch war, bis der Mann aus meinen Händen befreit werden konnte, sie genügte um die Schaar, welche mit gezückten Messern und dem Rufe „tödtet den weißen Mann“ „kill the white man“, von der Mordthat zurückzuhalten.
Wider Erwarten war ich plötzlich frei und von dem Eigenthümer des Hauses, einem riesigen Neger, aufgerichtet sah ich, wie ein Weißer einen wuchtigen Stock auf die Köpfe der braunen Gesellen niedersausen ließ, die durch Fenster und Thüren entflohen. Der Retter in der Noth war ein amerikanischer Schiffsführer, von Honolulu, der gegen Abend noch in den Hafen eingelaufen, hier zufällig vorbeigekommen und mit angesehen hatte, wie ich niedergeschlagen wurde.
Meine Leute, soviel ich gesehen, waren es nicht gewesen, welche die Messer gezogen, die Uebelthäter aber wollten oder konnten sie nicht nennen, wenigstens konnten diese nicht ermittelt werden. Der deutsche Konsul mußte sich also damit begnügen die vier Mann, die Widersetzlichkeit gezeigt, dafür drei Tage lang in Eisen zu legen.
Nicht lange nach diesem Vorfall war mein Schiff wieder segelfertig, um eine Reise nach den Karolinen anzutreten; ich wurde von verschiedenen Seiten gewarnt, mit solcher Besatzung wieder in See zu gehen, denn dem rachsüchtigen Charakter der Niue-Leute sei nicht zu trauen. Indes ich verließ mich darauf, daß es keiner wagen würde, eine Meuterei an Bord auszuführen, da sie wohl wußten, daß sie vielleicht elendig auf See verhungern müßten, wenn sie ihren Führer überfallen und tödten würden. Wieder ging ich, ohne einen Europäer an Bord zu haben (der vorige wurde nach jenem Vorfall an Land sofort abbezahlt) in See, machte dafür aber einen der Niue-Leute jetzt zum Bootsmann, und als am Horizonte das letzte Land verschwunden war, rief ich die Leute alle zusammen und machte ihnen den Standpunkt klar.