Ihr vier, Bela, Sepona, Fiticefu und Mißcoffi, erklärte ich, seid dafür bestraft worden, was ihr in der Trunkenheit an Land begangen habt, zehnfach härter aber fällt die Strafe aus, wenn ihr ein Gleiches an Bord versuchen solltet. Für mich ist die Sache abgethan und ich hoffe für euch ebenfalls, doch, da ich euch nicht unbedingt vertrauen kann, so bin ich auf alles gefaßt und vorbereitet; zeigt ihr Ungehorsam oder gar Widersetzlichkeit, dann fallen die Folgen auf euch, also thut wie früher eure Pflicht.

Und die Leute thaten sie. Ich hatte nicht zu klagen, es schien als wollten sie durch Willfährigkeit gut machen, was sie in einer schwachen Stunde, als sie nicht Herr ihrer Sinne mehr gewesen, begangen hatten.

Auf dieser Reise nun lief ich die Insel Kusai zuerst an, um dann über Ponapè nach dem Providenz-Atoll weiterzusegeln. Nach erfolgter Ankunft im Lela-Hafen kamen am anderen Morgen 16 Eingeborene der Gilbert-Gruppe mit einem großen Brandungsboote zu mir an Bord und baten, ich möchte sie nach Jaluit mitnehmen.

Sie wären, erzählten sie, vor wenigen Tagen auf Kusai gelandet, nachdem sie zehn Tage auf dem Ozean zugebracht, kraftlos und nahezu verhungert, hätten sie die größten Qualen erduldet, ehe sie an dieser Insel in dunkler Nacht angetrieben wären. Ihre Heimath, die Insel Apamama, hätten sie mit ihrem Boote verlassen, um nach der nördlicher gelegenen Insel Maiana zu segeln, der starke Aequatorialstrom aber hätte sie weggeführt.

Bis ihre letzten Kräfte erschöpft gewesen, so lange hätten sie verzweifelt gegen Strom und Wogen angekämpft, dann aber, als die wenigen im Boot befindlichen Kokosnüsse aufgezehrt waren, Hunger und Durst sich eingestellt, hätten sie ihr Segel gesetzt und wären immer vor dem Winde laufend, nach Westen gesegelt, wo, wie sie früher gehört, große Inseln liegen sollten. Einsam auf dem unendlichen Ozean in einem offenen Boote fahrend, den schrecklichsten Leiden preisgegeben, hätten sie keine andere Hoffnung gehegt, als die, vielleicht im fernen Westen Land zu finden. Aber nie hätten sie Land angetroffen. Da alle zum Tode erschöpft waren, so würden sie so, wenn sie nur wenige Meilen südlich von Kusai, vorbeigetrieben wären, in wenig Tagen schon dem Hunger und Durst erlegen sein.

Welche Qualen diese 10 Männer und 6 Frauen erduldet hatten konnte man daran sehen, daß die Hölzer im Boot mit den Zähnen angebissen waren; das Grüne, welches sich durch faulendes Wasser im Boot angesetzt hatte, war mit den Fingernägeln ausgekratzt worden, selbst ihre mangelhafte Bekleidung aus Grasschurzen bestehend, hatten sie aufgegessen und damit den furchtbaren Hunger zu stillen versucht. Daß das Boot am Riffe in der Brandung nicht zerschlagen, die zum Tode erschöpften Menschen nicht am sicheren Gestade zu Grunde gingen, hatten sie einzig dem Zufall zu danken. Todesmatt waren sie von Bewohnern Kusais aufgefunden, gespeist und getränkt, nicht nach Art eines barbarischen Volkes als Feinde angesehen worden; sie wurden zum König nach Lela gebracht, der ihnen Speisen geben und eine Wohnstätte auf der Hauptinsel anweisen ließ, wo sie warten könnten, bis ein Schiff sie mitnehmen würde. Ihren Wunsch gleich mitgenommen zu werden mußte ich freilich auch abschlagen, da ich noch eine weite Fahrt vor mir hatte, allein ich versprach, sie auf meiner Rückreise von den Providenz-Inseln, abzuholen, und verwandte mich beim König Keru für sie, daß derselbe sie auf einige Wochen noch behalten möchte.

Von Ponapè segelte ich weiter nach Ujelang, der Hauptinsel im Providenz-Atoll, die etwa 240 Seemeilen nordost von der hohen Karolinen-Insel entfernt liegt, hier auf diesem einsamen Atoll fand ich nur etwa 40 Menschen vor, weißköpfige Greise unter ihnen, die erzählten, daß ihre Voreltern von den Marschall-Inseln mit Kanoes vertrieben seien, diese wären einst auf der einsamen Insel gelandet und hätten viele, viele Jahre verlassen gelebt, bis der weiße Mann gekommen sei und sich hier niedergelassen habe.

Einsam und trostlos genug fließt die Zeit und das Leben den wenigen Bewohnern auf dieser weltentlegenen Insel hin, vor allem für den Europäer, einem Deutschen, der höchstens alle acht Monate einmal, wenn ein Schiff einläuft, sich mit einem gebildeten Menschen unterhalten und freuen kann. Die Aufgabe die diesem Manne gestellt, ist nicht leicht, ein arbeitsames Leben muß ihn vor Schwermuth bewahren; die eigentliche Kultur soll er hier einführen und auf dem steinigen Korallenboden Kokosplantagen anlegen, deren Ertrag in späterer Zeit die aufgewendete Müh' und Arbeit lohnen soll.

Alle Bewohner dieser Insel leben nahe der deutschen Station und arbeiten für diese und von Fleiß und stetiger Arbeit zeugt es, daß 70000 Kokosnüsse und junge Bäume in weniger als zwei Jahren ausgepflanzt worden sind. Heute stehen auf einst ödem Korallengrunde Palmenhaine, deren Wipfel stolz im Winde rauschen, ein melodischer Gesang zu der donnernden Woge, die sich ewig in ohnmächtiger Wuth an diesen Gestaden bricht. Auch hier werden in ferner Zukunft einst, wenn die jetzt schon mit Korallenpatschen dicht besäte Lagune geschlossen worden ist, sich ausgedehnte Landflächen bilden, auf denen die Tropenwelt ihre ganze Pracht entfalten kann. Der Lebensunterhalt der wenigen Bewohner besteht aus der Kokosnuß, Taro, Fischen und Hühnern, letztere sind in großer Zahl vorhanden, ebenso Enten, die, da kein Eingeborner auf allen diesen Koralleninseln die Eier als Nahrung betrachtet, sich stark vermehren können. Jedesmal erhielt ich in Ujelang hunderte in Seesalz aufbewahrte Eier, die mir stets willkommen waren.

An solchen einsamen Gestaden halten sich auch mit Vorliebe die mächtigen Riesenschildkröten auf, um zur Brutzeit am Strande ihre Eier im Korallensande einzuscharren, die allein die heißen Strahlen der Sonne auszubrüten vermag. In der Brutzeit kommt das Weibchen dreimal an's Land und setzt jedesmal etwa 140 Eier ab, hält sich aber stets in der Nähe auf, um die aufgekommenen Jungen, die instinktmäßig dem Wasser zustreben, zu schützen. Wie mir versichert wurde, lauert das Männchen der jungen Brut auf und frißt eine große Zahl der jungen Thierchen, denen außerdem auch von großen Seevögeln viele Gefahren drohen, in Wirklichkeit gelangen aus der großen Anzahl Eier nur verhältnißmäßig wenige zur Entwicklung.