VI. Der Aufstand und Kampf auf Ponapè.
Schnell, als wollten die Spanier sich ihres neuen Besitzes auf alle Fälle sichern, und was sie in Jahrhunderten versäumt hatten, jetzt plötzlich nachholen, entfalteten sie ihre Macht auf allen Mittelpunkten d. h. auf den Inseln Yap, Ruck, Ponapè und anderen. Wenig Rücksicht nahmen sie auf die Gefühle bisher ganz unabhängiger Stämme, sie führten jene bekannte Gewaltherrschaft ein, durch welche Spanien im Laufe der Zeiten sich um seine blühendsten Kolonien gebracht hat. Durch Militär- und Priesterherrschaft sollte die Kultur dem freien Volke aufgedrängt werden.
Da den Eingebornen keine Zeit gelassen ward sich allmählich an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen, so fühlten sie den ihnen auferlegten Zwang doppelt hart. Die Strenge, die angewendet wurde, sie zum Gehorsam und zur Ergebenheit zu zwingen empörte sie; Wege und andere Bauten auszuführen, wie sie es für die langansässigen, amerikanischen Missionare freiwillig gethan, weigerten sie sich, sie fügten sich auch nicht gutwillig der Forderung, umsonst schwere Tagesarbeit zu leisten. Grollend zogen sich die Eingebornen zurück, im Herzen Wuth und Rache schnaubend. Ganz sorglos müssen die Spanier gewesen sein, oder sie haben gar zu gering einen möglichen Widerstand geachtet, sonst hätten sie den Anzeichen eines kommenden Sturmes, der warnenden Stimme eines hier ansässigen spanischen Abkömmlings von der Insel Guam, Manuel de Tores, mehr Beachtung geschenkt.
So nahte das Verhängniß, durch Gewalt und Ungerechtigkeit heraufbeschworen. Die beleidigten Häuptlinge, der zumeist betroffenen Bezirke im Norden von Ponapè, nämlich Jokoits, Nut, Mants, Tohuak und andere, sammelten ihre Schaaren, und es wurde beschlossen die Spanier einfach aus dem Lande zu jagen. Festgesetzt als Tag der Rache wurde der vierte Juli 1887; also nach nur wenigen Monaten hatten die Spanier sich schon so verhaßt gemacht, daß die Eingebornen verzweifelt zu den Waffen griffen und sich ihre Freiheit um jeden Preis erkaufen wollten.
Gegenüber der Insel Lungur, der deutschen Station, nach Süden am festen Lande war das spanische Regierungsgebäude errichtet worden und war in gewisser Hinsicht durch die Kanonen der im Hafen liegenden spanischen Korvette „Maria de Melina“ gedeckt, obwohl 130 Soldaten, meistens Malayen von den Philippinen-Inseln, als persönliche Bedeckung dem Statthalter zur Verfügung standen.
Am 1. Juli 1887 (vorher war schon manche Versammlung der Eingebornen verboten und zersprengt worden) sandte der Statthalter zum gleichen Zwecke eine Abtheilung unter den Offizieren Don Ricardo Martinez und Don Alferes ab, um abermals eine große Versammlung aufzulösen, auch hatten die Führer wohl den Auftrag, den Häuptling des Bezirks mit sich zu bringen. Auf welcher Seite nun die Schuld gewesen, das bleibe dahingestellt; die Eingebornen sagen, wie mir später ein Theilnehmer erzählte, die Spanier hätten auf sie gefeuert, wenn dies der Fall gewesen, so war es das Signal für die zu hunderten versammelten Bewohner, den Kampf schon jetzt zu eröffnen.
Wer diese Schluchten und Berge gesehen, die oft mit undurchdringlichem Gebüsche bewachsen sind, worin jedes Felsstück jeder Baum einen Hinterhalt bietet, kann sich denken, daß ein Widerstand gegen diese einsichtigen, gut bewaffneten Bewohner vergeblich war.
In kurzer Zeit endete der Kampf mit der gänzlichen Vernichtung der Spanier, auch der den Eingebornen auf Ponapè und uns Weißen so wohl bekannte Dolmetscher Manuel de Tores fiel; ihm, einem langjährigen, mit allem wohl vertrauter Händler, war bittere Rache zugeschworen worden, weil er sich in die Dienste der Spanier gestellt; er wurde buchstäblich in Stücke gehauen.
Nur zwei verwundete Malayen entkamen dem Blutbade und brachten die Schreckenskunde von der Niedermetzelung der Abtheilung zum Fort. Zur Stunde, als im Fort noch nichts über diese Vorgänge bekannt geworden, weilte der Vertreter der deutschen Plantagen-Gesellschaft Herr Ruß beim Gouverneur, der ihn zu sich gebeten, um über die gefährliche Lage, die keinem unbekannt geblieben, zu berathen; auch sollte Herr Ruß so viele Gewehre und Schießbedarf übersenden, als er irgend entbehren konnte. Da traf die schlimme Kunde ein. Herr Ruß übernahm es, dem Kommandanten des Kriegsschiffes die traurige Botschaft zu bringen, deren Tragweite keiner ermessen konnte, und der ersucht wurde die nothwendigen Maßregeln sofort zu treffen; Herr Ruß aber fuhr zu seiner Station und übersandte dem Gouverneur das Gewünschte.