Die Eingebornen, durch den ersten Erfolg kühn gemacht, und längst vorbereitet, den verderblichen Schlag zu führen, stürmten nun bald zu tausenden nach dem Fort, und umstellten es so, daß kein Entkommen mehr möglich war. Ihre Führer waren der Häuptling Lab in Nut und Nanamariki von Jokoits.

Der Kommandant der „Maria de Melina“ führte sofort, auf die ihm gewordene Nachricht, fast seine ganze Besatzung (nur 28 Mann blieben an Bord zurück), in sämmtlichen Boten dem Statthalter zu Hilfe, aber die flinken Eingebornen hatten das Fort schon umzingelt und warteten im sichern Hinterhalt nur, so lange bis alle Boote in Schußweite gekommen, um die Besatzung niederschießen zu können.

Kein Einziger der Offiziere und Soldaten kam mit dem Leben davon, die meisten lagen alle todt in ihren Booten und die, welche schwimmend sich zu retten suchten, traf die tödtliche Kugel im Wasser. Die Gemahlin des Kommandanten, die sich an Bord befand, wurde durch solchen Anblick tief erschüttert und vor Angst wahnsinnig. Der überraschende Erfolg mochte wohl die Aufständigen stutzig gemacht haben oder sie waren über die Zahl der Besatzung der „Melina“ ungenügend unterrichtet, denn sie führten ihren Plan, das Schiff zuerst zu nehmen, nicht aus. Wären sie gleich in der entstandenen Verwirrung mit ihrer Uebermacht vorgegangen, würde es ihnen ein leichtes gewesen sein das Schiff zu nehmen.

So aber langwierige Berathungen pflegend, ließen sie den Ueberlebenden an Bord Zeit, sich so zu verschanzen, daß ein Angriff auf das Schiff nur unter schweren Verlusten noch möglich war.

Das Boot, welches Herr Ruß von Lungur mit Waffen und Munition abgesandt, wurde auf dem Wege zum Fort angehalten und weggenommen, dadurch bekamen die Häuptlinge den Beweis in die Hände, daß der angesehenste aller Händler auf Ponapè die Spanier unterstützt hatte; deshalb beschlossen sie, auch die Deutschen, welche auf ihrer Station bisher nicht gefährdet waren, nieder zu machen.

Noch aber war das Fort erst umschlossen, in welchem eine kleine Schaar sich vorbereitete, ihr Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Hätten die Feinde es unternommen am Tage die leichte Feste zu nehmen, wären die Eingeschlossenen nicht ungerächt gefallen, so aber wählte der verschlagene Feind die Nacht zum Angriffe, und nahm den größten Theil der Befestigungen ein, nur wenige der Eingeschlossenen sahen den neuen Morgen wieder, doch auch diese kleine Zahl sank vom tödtlichen Blei getroffen, ehe aufs Neue Dunkelheit die Erde deckte.

Einen letzten verzweifelten Ausfall mit denen die die Schreckensnacht überstanden hatten, unternahm der Statthalter am 2. Juli. Priester und Klosterbrüder voran, verließen alle die unhaltbare Feste, um sich zum Strande durchzuschlagen, aber der hinter Stein und Baum gedeckte Feind mähte fast alle bis auf die durch ihre Kleidung kenntlichen Priester nieder. Nur der Statthalter mit wenigen erreichte den Strand, fand aber den Tod mit den letzten Getreuen, ehe er ein rettendes Boot erreichen konnte, und wurde, ebenso wie der Dolmetscher de Tores, in Stücke gehauen.

Später sah ich selbst die Klosterbrüder, die keine Waffe geführt und deshalb unbelästigt das Schiff erreicht hatten, an Bord der „Melina“, und ich muß sagen, auf ihren bleichen Gesichtern waren noch nicht alle Spuren jener schrecklichen Tage und Stunden verwischt.

Der Eingeborne scheut den offenen Kampf, seine liebsten Waffen sind Verschlagenheit und List. Das bewies auch die Botschaft, welche die Häuptlinge am 2. Juli nach Lungur sandten, die die Zusicherung enthielt, den Deutschen würde nichts geschehen. Wenn die Spanier alle todt wären, wollten sie kommen und die deutsche Flagge wieder aufhissen, es solle wieder so wie früher sein. Doch aus anderen Nachrichten, welche überbracht wurden, war mit Sicherheit zu schließen, daß alles nur ein Vorwand wäre, sogar, daß der Häuptling Lojap auf Lungur schon Befehl erhalten hätte, die Station zu nehmen, keinesfalls aber die Umschlossenen fliehen zu lassen.

Um das zu verstehen, muß man die Sinnesart der Eingebornen berücksichtigen, Verschwiegenheit, auf die bei einem planmäßigen Vorgehen gegen Feinde alles ankommt, kennen sie nicht, sie verrathen sich und ihre Absichten selbst. So soll es auch ein offenes Geheimniß gewesen sein, daß am 4. Juli ein Ueberfall auf die Melina geplant war, der den Aufstand einleiten sollte; sie wollten wie sonst mit Tauschgegenständen an Bord fahren, nur in größerer Zahl, und im gegebenen Augenblick die ahnungslose Besatzung überwältigen.