Wären sie so vorgegangen, so hätten die Spanier unverzeihlich sorglos sein müssen, wenn sie nicht im Kampfe Sieger geblieben wären und die unbewaffneten Eingebornen von Bord geschlagen hätten. Dann hätte der Aufstand auch einen ganz anderen, für die Spanier sicher vortheilhafteren Ausgang genommen; ihr Verderben war jene erzwungene Auflösung der am 1. Juli stattgehabten Versammlung.
Wie vorbereitet der Aufstand war, ist daraus zu schließen, daß selbst die Bewohner der Inselgruppe Parkim, die 26 Seemeilen von Ponapè in WNW.-Richtung gelegen ist, sich daran betheiligen wollten und alle Vorbereitungen trafen, zum bestimmten Tage auf Ponapè einzutreffen.
Der deutsche Händler auf jenen Inseln Namens Schmidt, fuhr aber unauffällig, wie schon sehr oft, als wüßte er nichts von allem, in der Nacht zum 2. Juli ab und traf mit seinem Boote und seiner Familie auf Lungur ein, gerade als Herr Ruß die bedenkliche Botschaft der Häuptlinge empfangen hatte. Jetzt zu dreien auf der Station mit einer Anzahl nicht einheimischer Arbeiter beschlossen diese, wenn möglich, die Station zu halten. Doch am nächsten Tage wurde ihre Lage sehr ernst, nach vollbrachter Niedermetzelung der Spanier, sammelten sich die Aufständigen, um den Deutschen dasselbe Schicksal zu bereiten. Alle anderen Händler auf Ponapè in den verschiedenen Häfen als Mants, Kiti und anderen ansässig, waren gleich auf die Nachricht hin, die Spanier seien alle gefallen mit ihren Booten auf die weite See entflohen, mit Recht befürchtend, sie würden demselben Schicksal und der Rache der Eingebornen verfallen, die jetzt, bis auf die amerikanischen Missionare, jeden Fremden tödten wollten und sich bemühten, völligen Kehraus zu halten.
Daß der Häuptling Lojap allein nicht einen Angriff auf die deutsche Station unternommen hatte, lag daran, daß er wußte, wie gefährlich im offenen Kampf die Waffe in der Hand der Deutschen war und, daß sie die Drohung, auf jeden, der sich nähern würde, zu feuern, wahr machen würden. Hatte er doch häufig genug unsern Schießübungen beigewohnt, wenn wir auf bewegtem Wasser Flaschen oder andere Gegenstände zerschossen und selten nur das Ziel verfehlten.
Die Häuser der Station, nur aus Holz erbaut, waren freilich insofern ein ungenügender Schutz, als jede Kugel die schwachen Wände durchschlagen mußte und so war die erste gemeinsam durchwachte Nacht aufregend genug, da die Umschlossenen wohl bemerkten, wie die Feinde zu ihrer Orientirung umherschlichen, ohne jedoch zum Angriff überzugehen.
Jene erwähnte Eigenschaft der Eingeborenen, nichts geheim halten zu können, versetzte die Eingeschlossenen in die Lage, durch Kundschaft die Absichten ihrer Feinde kennen zu lernen und zwar wurde die Frau des Händlers Schmidt, eine Eingeborene von Ponapè am nächsten Morgen ausgesandt, um sichere Nachrichten einzuholen. Dieselbe brachte denn auch die Gewißheit, daß in der kommenden Nacht der erwartete Angriff würde ausgeführt werden — die Eingeborenen sammelten sich am Ostende der Insel Lungur.
Dem gewissen Tode zu entgehen gab es jetzt nur noch eine Möglichkeit — es mußte versucht werden, mit den Booten die offene See zu erreichen, und wenn das gelungen war, dem Schicksale vertraut werden. Die drei Deutschen, zwar bereit zu kämpfen, hatten doch aber auch Weiber und Kinder zu schützen und sahen wohl ein, daß es ein Unding sei, die große Station gegen eine hundertfache Uebermacht zu halten. Darum wurden so geheim als möglich alle Vorbereitungen getroffen, um mit der hereinbrechenden Dunkelheit die Flucht zu wagen.
Da die deutsche Station ziemlich frei gelegen war, konnte ungesehen so leicht keiner herankommen, auch war es möglich, mit Schußwaffen alle Seiten zu bestreichen. So führten denn die Arbeiter ungehindert die Aufträge ihres Herrn aus und brachten so unauffällig als möglich Lebensmittel u. s. w. zum Werfthause und legten Bootsgeschirr, Segel und Ruder bereit.
Aber trotzdem wurde dies alles doch vom Feinde bemerkt und die Absicht erkannt. Da die Werft ganz links von der Station lag, so konnte nicht bemerkt werden, wie einige durchs Gebüsch und durchs Wasser längs derselben sich hinschlichen und sämmtliche Boote, drei an Zahl, losschnitten und treiben ließen. Die Bedrängten, die nun ihre letzte Hoffnung schwinden sahen, setzten, als der Vorgang gleich darauf bemerkt wurde, alles daran, die Boote wieder zu erhalten und einige Arbeiter, tüchtige Schwimmer, brachten denn auch nach vieler Mühe zwei derselben zurück.
Die Boote wurden nun auf dem Riffe gegenüber der Station im Bereich der Waffen festgelegt, aber da man nicht daran gedacht hatte, daß sie mit der ablaufenden Ebbe festkommen mußten, so kostete es viel Zeit und Mühe, als um 8 Uhr Abends alles bereit war, nur eins der Boote wieder abzubringen, und dieses, zum Ende der Werft gerudert, sollte dort bemannt werden. Mit größter Vorsicht wurden die Frauen und Kinder dorthin gebracht, die Männer trugen Geld, Bücher und Waffen hin und fast schien es, als würden sie unbelästigt entkommen. Herr Ruß aber, der als der letzte das Wohnhaus verschloß und zwei Behälter mit Trinkwasser dann zum Boote schleppen wollte, wurde von einem Kundschafter gestellt und angehalten, der schnell erkennend, was hier vorging, seine Genossen durch einen lauten Ruf herbeizulocken suchte.