Diese langwierigen und im offenen Boote nicht ungefährlichen Reisen hatte denn auch die Umherirrenden stark mitgenommen; vor allem hatte die seit langen Wochen schlechte Ernährung ihr körperliches Befinden schädlich beeinflußt. Doch nichts anderes blieb übrig, als nochmals dem Schiffe zu folgen; endlich wurde es an der Nordseite von Ponapè umhertreibend aufgefunden.

Seit dem 2. Juli bis zu dem Tage, an welchem die deutschen Schiffe eingelaufen waren (ich traf etwa 36 Stunden nach der „Brigitta“ ein) war inzwischen ein spanischer Kriegsdampfer, der während des Aufstandes schon auf der Reise nach Ponapè gewesen, angekommen, hatte die fast verlassene „Maria de Melina“ neu besetzt und war dann mit der traurigen Nachricht von der Niedermetzlung der Garnison und der Schiffsbesatzung schnell nach Manilla zurückgedampft.

Unter dem Schutze des jetzt wieder starken Kriegsschiffes konnten wir auf Lungur landen; doch wie verändert war dort alles! Wo einst schöne Wege, wucherten Gras und Unkraut, was in schönster Ordnung gewesen, war verfallen. Zwar hatten die Eingebornen die Station nicht zerstört, sondern nur erbrochen und Waffen und Munition herausgeholt, auch sonst mitgehen heißen, was ihnen nützlich schien, doch war der Schaden und die Zerstörung groß genug.

Nachdem die „Maria de Melina“ Verstärkung erhalten, eröffnete der neue Kommandant Jose de Concha sehr bald die Beschießung, alle im Bereiche der Geschütze liegenden Inseln und Ortschaften wurden unter Feuer genommen; doch, da diese eine ausrangirte Segelkorvette mit alten Vorderladern war, die ihren Ankerplatz nicht verlassen konnte, blieb die Beschießung so gut wie erfolglos.

Wie die Eingebornen erzählten und auch von anderer Seite verbürgt wurde, sind sie, sobald ein Geschoß eingeschlagen hingelaufen und haben, überzeugt von seiner Gefahrlosigkeit, den Zünder herausgerissen; der solches unternahm, dem gehörte dann auch das in dem Halbgeschosse enthaltene Pulver. Nur eine Kugel, die auf solche Weise erlangt wurde, platzte, als ein Verwegener die Lunte fassen wollte, und riß ihm beide Beine weg. So unglaublich dies auch klingen mag, so ist es doch wahrscheinlich, denn die jedenfalls längst nicht mehr zeitgemäßigen Geschütze und die ganz veralteten Geschosse waren zu einer erfolgreichen Beschießung nicht mehr geeignet.

Der Verkehr mit den spanischen Offizieren, während unserer Anwesenheit auf Lungur, war recht freundlich, sie zeigten sich uns in jeder Weise gefällig, auch hatten sie keinen anderen Verkehr und konnten mit Sicherheit nur auf der Insel Lungur landen, da jedes Betreten der Hauptinsel selbst ihnen mit Waffengewalt von den Eingebornen verwehrt wurde. In welcher Weise die Spanier, wenn die erwartete Verstärkung von Manilla eingetroffen sei, vorgehen würden, darüber äußerte sich der Kommandant Jose de Concha folgendermaßen:

Es sollten rund um Ponapè befestigte Stationen unter dem Schutze mehrerer dort stationirter Kriegsschiffe errichtet werden und würden dann tausend Mann genügen, bei allmählichem Vordringen die Aufständigen zu Paaren zu treiben. Namentlich sollten die Bezirke Jokoits, Nut, Aru, Mants und Tahunk gesäubert werden. Wären einmal die Eingebornen in das unwirthliche Innere der Insel getrieben, würden sie durch Hunger und Mangel an Schießbedarf genöthigt, bald genug zu Kreuze kriechen.

Doch die Erwartungen, die dieser Kommandant gehegt, haben sich nicht erfüllt, Spanien konnte vorläufig solche Macht nicht entfalten und als diese später zur Stelle war, mußte es sich mit der Bestrafung der Hauptbetheiligten begnügen, denn inzwischen waren auch die Bewohner von Ruk und Yab in den Aufstand eingetreten, und bald versuchten auf der ganzen Gruppe der Karolinen im Osten wie im Westen fast gleichzeitig die kriegerischen Stämme, sich von dem ihnen auferlegten Zwange zu befreien.

Es ist eine Eigenthümlichkeit der Spanier, daß sie so schnell zu strengen Maßregeln in neuerworbenen Ländern den Eingebornen gegenüber schreiten und immer geschritten sind und so wenig ihre Gebräuche und Sitten berücksichtigen. Und gerade auf den Karolinen war Gewalt am wenigsten angebracht, hier, wo diese Völker noch nie die Hand einer stärkeren Macht gefühlt, wo sie unabhängig, frei und zufrieden lebten.

Unausgesetzte Kämpfe werden die Spanier, so lange diese Inseln in ihren Händen verbleiben, führen müssen, bis der letzte Rest dieses begabten Volkes dem Verderben geweiht ist, bis die weiten blühenden Fluren, auf denen hundertfacher Segen die geringe Arbeit lohnt, Brandstätten und Trümmer geworden sind; die Spanier werden endlich Sieger bleiben, aber um welchen Preis!