Schlimmer aber als früher war der Konkurrenzneid entfacht, die Parole war „gegen die Deutschen“. Weigerte sich schon der Samoaner der betreffenden Behörde, damals der deutschen, die geringe Steuer zu zahlen, welche für den Kopf einen Dollar betrug, so war es um so bedauerlicher, wenn auch Weiße durch ihre Weigerung den Eingebornen zu noch größerem Widerstand aufreizten.

Eines Falles will ich nur Erwähnung thun: Im Frühjahr 1888 wurde von der damals deutschen Munizipalität einem in Apia ansässigen Franzosen, der jede Steuerzahlung verweigert, mehrere Kisten mit Getränken gepfändet und ihm in Folge dessen die Schankgerechtigkeit entzogen. Amerikaner und Engländer, die, wo es sich gegen Deutsche handelte, stets alles in Bewegung setzten, was nur irgend zu Schwierigkeiten führen konnte, hatten sich vorgenommen, am Tage der Versteigerung, die in den Räumen des deutschen Konsulats stattfinden sollte, einen Putsch zu veranstalten, der zu Thätlichkeiten führen sollte. Auch standen hinter ihnen eine Anzahl Halb-Samoaner, meistens Abkömmlinge von Engländern, eine Menschensorte, die alle Untugenden der Weißen und Eingebornen in sich vereinigt.

Diese löbliche Absicht war jedoch nicht geheim genug geblieben und so fanden sich am festgesetzten Tage der größte Theil der in Apia anwesenden Deutschen ebenfalls zur Versteigerung ein. Es war ein stilles Uebereinkommen unter allen, das bedrohte deutsche Ansehen zu schützen, auch, wenn nöthig, die Beamten vor Beleidigungen zu bewahren.

Doch die verhältnißmäßig große Zahl von Deutschen, die wir erschienen, sowie der strömende Tropenregen kühlten wunderbar schnell die Rauflust der Gegenpartei ab, die, weil in der Minderzahl, keine Bekanntschaft mehr mit den deutschen Fäusten zu machen wünschte und alles verlief zur vollsten Zufriedenheit. Daß bei einem Straßenkampfe vor dem deutschen Konsulat, der durch das Eingreifen der aufgehetzten Eingebornen große Ausdehnung annehmen konnte, die deutschen Kriegsschiffe im Hafen nicht unthätig bleiben würden, wußten wir, denn der angesammelte Groll war so groß, daß aus einer kleinen Reiberei sich schnell ein ernster Kampf entwickelt hätte.

Noch waren die Vorbereitungen, die „Futuna“ zur eingehensten Ausbesserung aufs Land zu holen, nicht beendet, als eines Tages Ende Februar die untrüglichen Anzeichen eines Orkans sich bemerkbar machten.

Blutroth stand die Sonne am Himmel, ihre Strahlen durchdrangen nicht mehr das dichte Dunstgebilde, immer drohender wurde die Luft, die, schließlich eine gelbe Dunstmasse bildend, den ganzen Horizont umzog.

Wie furchtbar frühere Orkane gewüthet hatten, davon zeugten an den Riffen die zahlreichen zerschmetterten Schiffskörper, die selbst von der furchtbaren See bis zum festen Lande geschleudert worden waren. Gefahr beim Ausbruch eines Wirbelsturms war hauptsächlich für die im Hafen liegenden Schiffe, unter denen sich die deutschen Kriegsschiffe „Olga“, „Adler“ und „Eber“ befanden und für die Sicherung dieser Fahrzeuge unterblieb wohl nichts, was in der Möglichkeit menschlichen Könnens lag.

Mein Schiff zu sichern, mit dem ich unter dem Schutze des vorspringenden Korallenriffes „Kap Horn“ lag, brachte ich vier Anker aus mit so viel Kette, als es der beschränkte Raum gestattete. Vor mir lag mit ihrem Heck, dem genannten Riffe zugekehrt, die „Olga“ und dampfte, als die einlaufende See immer höher und wilder wurde, gegen diese an zu dem Zwecke, ihre aufs Aeußerste angespannten Ankerketten zu entlasten.

Berge gleich rollte die See in den Hafen und es war ein großartiger, wenn auch wenig erhebender Anblick, die Schiffe mit der immer mehr zunehmenden See kämpfen zu sehen.

Furchtbar arbeitete die „Olga“; im Wellenthal, wenn zwischen meinem Schiffe und diesem ein Wasserberg heranrollte, der sich mit donnernder Gewalt auf dem Riffe brach, sah ich mitunter nichts weiter von dem Kriegsschiffe als dessen obere Masten und Marsraaen, so hoch, so gewaltig war die See. Wirbelnd, ohne Widerstand zu finden, raste die Schraube jedesmal in freier Luft, wenn der Bug des Schiffes tief hinabsank, das Heck dagegen von anlaufender See hochgehoben wurde.