Nach Überschreiten des Grabens kommt man in den Vorhof, dann über einen zweiten Graben in den Burghof. Hier eine Restauration. Zum Betreten der eigentlichen Ruine ist der Erwerb einer Eintrittskarte nötig. Der Verkäufer ist verpflichtet, ohne Bezahlung auch den Eingang zum Bergfried aufzuschließen. Links befindet sich der Bergfried, der Hauptturm der alten Burg. Ein zweiter Turm erhebt sich über dem großen Keller. Am Ziehbrunnen, der 4 m Wasserstand aufweist, vorbei zunächst zum Bergfried, dessen Höhe 25 m, Durchmesser des Grundes 19 m, davon 17 m Mauerstärke und 2 m Hohlraum. Von der Glasgalerie des Turmes aus genießt man einen prachtvollen Ausblick. Nach Süden: im Vordergrunde das Brunnersdorfer Tal, dahinter Kaaden, links davon Komotau. Rechts hinter Kaaden der Purberg und rechts über diesem hinaus der Heinersdorfer Berg. Weiter rechts das Liesengebirge und dahinter das Duppauer Gebirge. Im Vordergrund der »Gickerich« (Aussichtsgerüst). Nach Norden: links hinter dem Forsthaus die Kirche von Sonnenberg. Im Westen: die 725 m hohe Hundskuppe. Im Osten die Saazer Ebene mit Saaz und Priesen, die Höhen bei Konotop, sowie im Hintergrund die Hügel bei Sirbitz und Waltsch.
Nach Besteigung des Bergfriedes geht man links zum Streitgang und rechts zum Balkon.
Die Burg Hassenstein wird 1344 urkundlich zum ersten Male erwähnt. Besitzer war ein Herr von Schönburg, der aus dem Meißnischen stammte. Ein Schönburger beteiligte sich an einer Verschwörung gegen König Wenzel IV. von Böhmen. Die Aufrührer wurden bestraft. Ausführender der Strafakte war Niklas v. Lobkowitz, der Hassenstein eroberte und dieselbe als Belohnung erhielt. Seine Nachkommen erhielten die Burg als Kronlehen. Einer von ihnen war der durch seine umfassende Bildung ausgezeichnete Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein. Seine bedeutende Bibliothek wurde auch von Luther und Melanchthon benutzt, die sich Schriften nach Wittenberg kommen ließen. 1606 erwarb ein Ritter von Steinbach die Burg durch Kauf. Wegen seiner Neigung zum Protestantismus wurden 1622 seine Güter eingezogen. Dabei wird die Burg bereits als »das wüste Schloß Hassenstein« erwähnt, demnach kann sie nicht erst im 30jährigen Kriege durch die Schweden verwüstet worden sein. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb der Großindustrielle Edler Franz Preidl von Hassenbrunn die Burg, dessen Erbe Emanuel Karsch zur Erhaltung der Burg mancherlei Baulichkeiten ausführen ließ.
Nachdem wir die Burg verlassen, gehen wir an dem Wege rechts, der nach Brunnersdorf führt, vorbei. Darnach Wegeteilung beim Forsthaus: links ab. Nach ca. 8 Minuten erneute Wegteilung: rechts. Der Weg zieht sich ins Tal links hinab. Hübscher Blick auf Sonnenberg. Nach Überschreiten des Talgrundes steil aufwärts nach Sonnenberg.
Alte Gebirgsstadt mit 2000 Einwohnern, 746 m hoch gelegen. Fabrikation von Posamenten, Kunstblumen und Blättern. Spitzenklöppelei. Musikantenstadt. Viele Einwohner gehören zu reisenden Musikkapellen. Nach der 2 km entfernten Station verkehrt ein Omnibus. Man versuche, möglichst am zeitigen Nachmittag wegfahren zu können.
Bahnfahrt über Weipert und Annaberg nach Chemnitz.
21. Ins obere Zschopautal.
Die Wanderungen unter [11] führten von der Mündung der Zschopau bis nach Flöha. Die folgenden Wanderungen schließen hier an. Eins der am stärksten besuchten Wandergebiete tut sich auf, dessen Mittelpunkt die altehrwürdige Augustusburg bildet. Dann ergeht man sich in entzückenden Talwanderungen um Zschopau, über Scharfenstein nach Wolkenstein. Bis hierher bildet das Tal den Anziehungspunkt, weiter nach der Quelle zu treten die Bergriesen des oberen Gebirges in den Vordergrund des Interesses. Dem Chemnitzer sind eine Menge von Ausflügen in dieses Gebiet vertraut und bekannt, es sollen daher nur die wesentlichen und schönsten herausgehoben werden.