Dr Karl machet vornewag un schloß ubn e Tür auf un saht: »Gieht när drweile donei!« 's war oder stockfinster un drüm saht'r noch: »Ich will geleich emol de Hauslamp raufhuln, daß mer ewos sieht.« Die Gager un die Hund macheten nei, un dr Karl sappet wieder dr Trepp nunner! Of emol fing dr Dokter aa: »Hoot dä dr Karl sei Stub frisch gestrichen? Mir is immer als klabet mer aa!« Oder dr Barth-Fritz menet: »De Olga werd Decken hargelegt hoobn, dodrüm läft sichs esu weech!« Der Reuter-Otto tat sich aah wunern: »Wos hobn när die Hund? 's klingt akerat, als ob die Wasser saufen täten!« Se braucheten net lang in Unklarn ze sei, dä dr Karl kam mit dr Hauslamp zor Tür rei. Dar – en Blick – un bal wär ne de Hauslamp ronnergesterzt vir lauter Schrack. Die Gager traten mit ihrn Drackstiefeln mitten in de Kermeßkuchen drinne, un an de Stiefeln war de Hälft Kas- un Quarkkuchen klabn gebliebn. Un die Hund froßen in den Kuchen rüm, daß ihre Mäuler ganz gal un brau soong. Un hinten an dr Wand stand dr Gelücksschreibtisch, als ging ne die ganze Sach gar nischt aa. Ne Karl blieb zeerscht geleich de Luft wag. Wie 'r sich de ganzen Folgn überlegn tat, bracht'r weter nischt raus wie: »Inu dos Dunnerwatter!« Die anern Gager macheten erscht ganz vernaalte Gesichter, oder dann platzeten se mit en Gelachter lus, daß mer konnt Angst krieng, se hätten sich Schoden geta. Oder die Lust ging net lang, dä of emol stand de Olga uner dr Tür. Erscht bliebr aa e halbe Minut de Luft wag, oder dann gings lus. Wos se alles gesaht hoot, hobn die Gager gar net gehört, die macheten, daß se de Trepp nonner kame un zun Luch naus. När dr Karl mußt traten bleiben, un er gucket ganz vernaalt sen Gelücksschreibtisch aa. Wos dr Tell war, dar machet sich mit zor Haustür naus un dacht: »Du werscht heut emol in dr Hundshütt neikrieng, 's wär schod, wenns of dan guten Kermeßkuchen noch e Prügelsupp setzet!«


Harbest.

Ein Beitrag zur Volkskunde des Erzgebirges.

Graue Nebel ziehen über den Gebirgskamm, der Herbst kam ins Land. Emsig ist der Bauer noch auf dem Felde beschäftigt, denn später wie im gesegneten Niederland sind die Feldfrüchte zum Ernten bereit. Zwar künden alte Schauermären vom sächsischen Sibirien, daß der Landwirt seine kärgliche Ernte selten vor dem ersten Schneefall in Sicherheit bringe, daß er häufig den mageren Hafer, die dürftigen Kartoffeln aus dem Schnee herausscharren müsse. Hart ringt allerdings der Gebirgler dem spröden Boden seine Ernte ab, aber bis in die höchsten Gegenden hinauf findet man fleißige Bauersleute. Kein Feld ist zu steil, kein Boden zu steinig – unverdrossen wird geschafft und so findet sich bis in die höchsten Kammgegenden hinauf Kulturland.

Michaelisferien – Kartoffelferien! Deshalb hat man bei Verteilung der Schulferien auf das ganze Jahr den Herbstferien eine längere Spanne Zeit gegönnt, um die wichtigste Kulturpflanze des Erzgebirges in Muße ernten zu können. Es kommt ja vor, daß es in die Kartoffelernte schneit, aber da sagt eine alte Bauernregel aus der Wolkensteiner Gegend, daß im nächsten Jahr umso mehlreichere Knollen wachsen. Der Volksmund spricht sich überhaupt in mannigfachster Weise über den wichtigen Erdäpfelbau aus. In Königswalde sagt man, daß bei Vollmond und am grünen Donnerstag gelegte Kartoffeln besonders gut geraten. Vormittags gelegte gedeihen besser als am Nachmittag gelegte. Bei abnehmendem Monde sollen sie nur nachmittags gelegt werden. Um Annaberg hat man eine ziemlich genaue Zeitberechnung aufgestellt: Die Kartoffeln werden gelegt zwischen dem 19. April und 30. Mai, sie blühen zwischen dem 19. Juli und 4. September und werden zwischen dem 22. September und 30. Oktober geerntet.

Die ersten Kartoffeln sind 1712 oder 1713 und zwar in Crottendorf angepflanzt worden. Langsam verbreitete sich die nützliche Pflanze, und nur langsam brach sich nach und nach die Erkenntnis des mannigfachen Nutzens und Gebrauches derselben Bahn. Man baute sie zunächst mehr zur Mästung und zur Mehlbereitung. Das daraus gewonnene Mehl mischte man unter das Brotmehl und erlangte dadurch ein billigeres Gebäck. Man verwendete es als Stärke oder zu dem damals vielgebrauchten Puder. Das grün abgeschnittene Kraut gab man den Kühen zu fressen, und die Butter bekam dadurch, wie gesagt wurde, einen guten Geschmack; getrocknet wurde es im Winter an die Schafe gefüttert. Notgedrungen verwendete man die Kartoffeln bei der großen Teuerung im Jahre 1719 als allgemeines Nahrungsmittel, aber es ging ziemlich langsam, ehe man die Holländer und Engländer in der Zubereitung der nützlichen Frucht nachahmte und auf die Höhe der Erkenntnis gelangte man erst, als sich der »Erdäppelgötzen«, die »Rauchemahd« und ähnliche Delikatessen einführten. Die gebirgischen Kartoffeln galten schon damals wegen ihrer Größe und ihres guten Geschmackes als ausgezeichnet. Sie verdrängten von den Feldern und aus dem Haushalte mehr und mehr die Erbsen, Linsen und andere trockene Gemüse. Jetzt herrscht der Erdapfel als unbeschränkter Gebieter bei allen Mahlzeiten und die Verschiedenheit der Zubereitung ist schier unerschöpflich. »'s liebe Brut« und die »lieben Kartoffeln«, beides gilt als gleichberechtigt. Um die Michaeliszeiten beginnen auf den Fluren die Feuer zu rauchen. Die Ueberreste der Kartoffelpflanze werden von den »Ausnehmern« verbrannt und im hellen Feuer röstet man sich einige Knollen und behauptet, daß sie, in dieser Form genossen, am schmackhaftesten seien.

Nun ergreift der Hütejunge mit seinen Tieren Besitz von den Fluren. Vom Michaelistage an werden die Weidegrenzen nicht mehr streng eingehalten, deshalb singen die Hirten: