Da lief der Taiko, gespreizte Arme in verzweifelten Wind wirbelnd, stampfend weg, so dass sein Gefolge ihm kaum nachkommen konnte. Rikyu blieb versäult stehn, Kinn fiel tief auf Dach seiner Brust herab, sinnend, dachte Pyramiden, während die Jünger ihn wartend umkreisten, Sonnenblumen, anseit des Weges ragend, schienen grösser zu sein als sie. Mitten vom rasend rauschenden Leben der Blumen und Bäume umwogt, kam er selbst wieder zu Leben, als einer von seinen Schülern nun Antwort bat auf dies: »Meister, ganzen Hergang der Handlung, so undenkbar, verstanden wir nicht, weil uns das alles sich wie ohne Geschehn darbot.«

Masslos milde klang seine Stimme und klar: »Der Sturm in der Teeschale ist furchtbarer als der auf dem Meere, dies ist der Grundsatz und Tee meines Lebens, das allem Leben zuströmt. Liebe Freunde, hinter jeder Handlung, hinter jeder Erscheinung verbirgt sich Vorgang des Vorgangs, Erscheinung der Erscheinung. Ein Augenaufschlag von Blick zu Blick schöpft mehr Geschehen als tobend schreiende Schlacht von sechzig Tagen. Lasst eure Blicke kreisen: Tod ist nicht der Tod, irgendwo ward er schon vorher getötet, Leben ist nicht das Leben, irgendwo ward es schon vorher gelebt, vorherbestimmend unter der Fläche. Es gibt keinen Zufall, ein Gesetz aber ist. Ihr seht nur die Wirkung, ich aber schaue im ewigen Wechsel des unsterblichen Tao den Grund. Mir ward gegeben, Höchstes zu gewinnen: Ich schuf aus mir selbst einen leeren Raum, in den ich, allmächtig, allumfassend, was irden ist, zwingen kann. Der Taiko trug entgegen Vorschrift ein purpurrotes Gewand, der Taiko zertrat die schuldlose Zikade, deren Tod ich lange vor der Tat erschaute. Ich sehe das Schicksal des Taiko schon vollzogen, unerbittlich, nicht aufzuhalten, Freunde, der hell glänzende gläserne Sand zu Füssen des Wegs sticht eure Augen. Nicht der Kies leuchtet, die Sonne ist grelle Fackel, fern und hinter euerm Rücken. Ewig ist der Duft der Blüten, versuchet mich nicht wieder, merket nur das Eine: Ich habe viele Stürme in der Schale erlebt. Der Blumengeruch ist stark und satt, lasst uns ihn atmen!«

Da es schon langsam Abend geworden, verliessen sie ihn, der still vor dem kleinen Hause stand und vom Wald herüber den Tiger rufen hörte.

Eine Weile blieb er so.

Dann er durch Zähne hell hineinpfiff in den dunkeln Odem, den ihm reifende Nacht schwer entgegenkeuchte, jähen Laut.

Drüben und fern erstarb Gebrüll.

Einsame Stille stieg an sein Knie.

Natur schien ohne Blutschlag.

Nun ein dumpf kurzes Tappen, wie wenn ein Stück gerundetes Blei auf üppigen Samt fällt, dann ein Zischen, doch immer noch weit, zwei Leuchtkugeln am Gartenhorizont, die jetzt hochfuhren, näher in einem schief zur Erde sausenden Wurf gedoppelt pfeilten, durch Sprung kühl gewordene Luft prallte an Rikyus Wangen, mit vergähnendem Knurrlaut lag der Tiger horsam zu seinen Füssen, prankenstill, ruhig, gut.

Zwingende Hand drückte Schnauze in den Sand zum Ruch, wo Ausdünstung robuster Fusspuren des Taiko sicher noch über dem Weg lag, schnell gehende Nüstern sogen gierig, Hand liess nach, glühendes Augenpaar suchte Blick des Herrn, aus dessen gespitztem Mund ein langer, lind züngelnder Rollpfiff sprang, dem schrilles Wort nachschnellte: »Tod!«