»Du hast vergessen deine Rache, Rikyu«, schrie eine Stimme irgendwo aus einer entlegenen Muskelfaser heraus ungebärdig im Innern des Teemeisters. Da liess er sein Haupt schwer, wie grösstes Gewicht bei Altarwage im Tempel der Gerechtigkeit und der Richter, sinken, weil er wusste, dass seine Rache nicht Blut sei, nicht Tod, dass seine Rache aber Furchtbarstes, auf Erden noch nie vollzogen, und dass er sie vollbringen sollte.

Dieser Gedanke fing sein Sinnen ein, wie ein Lasso, der von wildem Krieger geschnellt die junge Hirschkuh umstrickt, bis ein grosses Lächeln kam und sein ganzes Gesicht küsste. Da ward er heiter, vergass, was kommen musste, spielte mit allen Blumen, verneigte sich in Anbetung der Lilie, bedauerte, dass er vor dem Lotos des weisen Schaka nicht sich versinnen konnte, jetzt, denn seine Seele war nicht bereit dazu, hauchte der Chrysantheme einen bewundernden Gruss auf ihre Blüte, auf einmal schmerzlich vermissend, dass er nie eine Frau besessen, dass er, knapp vor dem Ende stehend, nicht wusste, was Liebe sei, doch da läuteten die kleinen Glocken, die silbernen, von den Kirschbäumen, der Kumabär kam und sah ihn an, Zikaden zirpten betörend, ewiges Grün war um ihn, höllisch wilde Wüstenpferde trabten draussen ausserhalb des Gartens auf Ebene, die fernem leuchtenden Licht entgegenschoss, so blickte er von Anhöhe um sich, gen Westen trotzten Mauern der Stadt zu nervösen Wolken empor, und Firmament war gross gewölbt, da entsprang Lächeln der Landschaft seines Antlitzes, Abend war seine Miene, Haupt senkte sich, so schritt er hauszu, empfing den fürstlichen Boten, der ihm eine Kralle des Tigers als Kundschaft reichte vom Taiko: Tod.

Richtstätte zuckte auf, henkersrot, befehlender höchster Zuschauer und Vorsitzender der peinlichen Richter purpurrot.

Sein Haupt bejahte.

Da reichte ihm der Bote, einen formelhaften sehr höflichen Satz sprechend, zum Zeichen der Gnade des Herrschers den gelben Edelstein.

So schlug Rikyu seine Augen voll in die des Boten: Der Taiko, in unbegreiflicher Gnade, in unendlichem Verzeihen, in unausdenklicher Güte, liess ihn der königlichen Lust der Selbstentleibung teilhaft werden, der Taiko sei gepriesen.

Verklärt kreuzte der Teemeister die Hände über seine Brust, blieb so, den Blick ins Weite gegossen.

Wiehern des Pferdes galoppierte um den Boten, der hinter Gehügel verschwand.

Er stand und schaute sein Ende.

Allmutter Amaterasu warf, zum Zeichen der Trauer unter den Göttern, und auch zum Gruss, einen unerhört leuchtend schillernden Bogen — der alle Farben, harmonisch gereiht, harfte — über den Himmel hin, dass die Menschen sofort wussten: Einer von ihnen, bestimmt zur Einkehr in die Gefilde der Ewigen, gehe von hinnen. Ein unbekannter Gott stürzte Stürme in das Brausen aller Sphären und orgelte die grosse Orgel, die in gewaltigem Brüllen zitternd und gischtend auf den unendlich stillen Ozean niederschoss und ihn umfing.