Am Kap Horn zog er sich aus und ließ seinen Leib im Winde wehn. Ah! stöhnte erschauernd eine U. S. A. Miß, Tochter des kilometerschweren Petroleummagnaten, die eben auf schwanener Jacht vorübersegelte. Sie legte an, griff mit nervigen Lawn-Tennishänden sich selbst betastenden Jörg, gischtete schamwehen Schrei durch stürmische Luft, zog äußerst männlichen Mann in hygiänische Kajüte. Man war schon im Golf von Mexiko, als Jörg, straff, in Nankinghosen das Deck betrat, die Miß währenddem lag noch schwach, die Hände breitete, Gruß ins sternengebannerte Chikago, vive Bendäda Hecht! voraussandte. Dort von Sippe der Miß hoheitsvoll begrüßt, schenkte man ihm zwei Klistierspritzen. Schwämme sind manchmal ungesund. Die Miß freute sich schon auf Abend: venetianische Nacht bei mattrosa Ampelbeleuchtung. Damenstrümpfe haben auch eine Biologie, ebenso wie Battistwäsche nach unten. Man kann sogar sagen, sie haben Geruch. Und darauf kommt es heute an. Geruch erzeugt Kolonien.
Bonbons sind nicht nur süß wie Benzin zum Beispiel, sondern auch Töchter von amerikanischen Petroleumkönigen. Zumal wenn ihre Hände durch vielerlei Sport geübt sind. Das war für Jörg ein Lueskatorsparkfest. Aber schließlich war er ja kein Tapezierer. So glitschte er auf einen Äroplan und fuhr wolkenquer dem antiquarischen Appetitsbrötchen Europa zu. Über London ließ er beglückt Wasser, sang: God save the King! Unten rief man: Zeppelin wirft flüssige Bomben! sofort eilte der Luftverteidigungsminister Woprschalek herbei, schrie: panove, panove! Es kamen aber nur Schusterbuben mit rotzbezapften Nasen. Die Lords knabberten Abführpillen. Aber eine Jungfer, nur eine Jungfer sah mit Fernrohr, woher troff der Wasserstrahl. Da betete sie: gesegnet sei dieser Strahl, denn viele Fraungefäße sind gedörrt und güst! dann bei sich: was heut alles vorkommt. — Unterdessen war Jörgs Äro schon weg, schoß wie getroffner Vogel nieder auf Helgoland, wo gerade Frau v. Tirpitz ihre Eier sonnte, währenddem die beiden Herren Ebert und Noske sich in prachtvoller Badebüx fotografieren ließen. Die Dame war unmutig ob der Störung. Jungfraun und andre Mädchen wetzten vor Vergnügen, Schauer ihre Badeanzüge. Der Äro brannte noch, als Jörg sich verbeugte und schwieg: Ich bin ein Künstler! — Aber womit? rülpste eine zehnjährige Göhre, die schon zwölf Jahre verheiratet war und fünfzehn Mutter.
Jörg Schuh, Jörg Schuh, hieß er denn nicht einmal Jörg Schuh? Nein, ich heiße ja noch Jörg Schuh. Hab etwas gelernt, kann etwas, bin etwas, wenn auch nur imaginär. Odol reinigt die Zähne, jawohl. Für alles gibt es Heilmittel, die nicht wirken, aber nur für die Kunst nicht. Es klangen vom Dom die Glocken, bis der Strick riß. Da schrie Jörg — —
REKLAMETAFEL:
Lachen Sie nicht meine Herrschaften, Sie wissen nicht, ob Sie sich selbst belachen. Dann aber lache ich. Wer sagt Ihnen, daß ein Quadrat immer und überall ein Quadrat bleibt. Lachen Sie, lachen Sie!
— — — denn er war plötzlich Stukkatör. Und da hat ihm einmal einer gesagt, er sei mehr als das, er sei Künstler. Da schaute Jörg auf, blinzelte leicht, erzählte Traum, den er einmal in der Steppe geträumt, zuvor gab er aber ein wenig Geometrie: Sehen Sie, ich machte mich einst auf, die Gerade zu verfolgen bis zu ihren Endpunkten, ich lief, schnellte, flog von Erde über Sonne zum Saturn jenseits der Zeit, durch andre Weltenräume, endlich jenseits des Raums, bis ich nach Myriaden hoch zur Myriadesten Erdenjahren wieder die Erde betrat, und da fand ich: es gibt überhaupt keine Gerade, es gibt nur Kreis. Das ist das letzte Geheimnis des Alls. Doch niemand will es glauben, sie lachen, sie lachen alle, lachen. Nun zum Traum: Ich saß an einem Sumpf und dachte an die Hure Kunst. Da fiel vom Himmel Blitz, zischte tief. — Schön! sagte ich. — Scheußlich quakte ein Frosch. Und doch haben wir beide Gemeinsames, beide leben wir, jener vielleicht viereckig, ich aber rund, vielleicht. Plötzlich drehte sich irgendwo in meinem Gehirnkino eine Kurbel. Ich sah anders. Schuppen fielen: durch Jahrtausende sah ich frei: Kunst ist, wenn schon nicht ein Vorurteil, so doch immer eine Privatansicht, stolzierte mir dieser bedenkliche Gedanke bedeutend durch das wirre Straßennetz meines wassersüchtigen Hirns, ehe ich in und durch Sumpf sank und mich übel vergurgelte, daß ich noch Jahrhunderte lang daran mich erbrach. Ein Äro, von französischem Siegesoffizier begattet, vergewaltigte Luft. Ein Vogel sang. Und ein Frosch zwitscherte.
Kroolookroooloookroooolooooschüüschüüschüüschüüüdadadaadaadaaadaaa Löwe, ririririririilülülülühihihihihiiiii Pferd, poupoupouuou taktakpoooouuuubooooboooooou Hund, schaulschaulschaulsususuu Hirsch, eieieiiiinöööööiöööiöööiiööööi—ööi—iööi Vogel, schief, quer, prasselnd wie Unwetter töteten endlich gefundne ichthyosaurische Urlaute die ganzen blöden Sprachen verkommener Erdkugel. Ich bin verrückt meinen Sie? O nein! meine Umwelt ist nur blödsinnig, zivilisiert, beschmiert, daher ich seltsam. Besonders seltsam pietätvollen gesunden dicken Leuten und Turnlehrern. Wir wollen die Kultur zertrümmern, auch den bürgerlichen Wahnsinn, der oft so schön gefärbt und in Saffianleder gebunden, wir gehen bis zum äußersten Ende, dorthin, wo schon die große Freiheit grenzt: Ursein. Wir trümmern, trümmern, und da da vom Grund auf, zuerst also kröch lackierte Sprache, daß nur übrig bleibt das einzige große DADA. — Huelsenbeck, Baader und Schwitters seid gegrüßt. Wir haben kein Erbarmen. Wir zeigen die Gescheitheit und prrr die Vernunft von ihrer Kehrseite. Wankt, wankt. An dem Sonnenmondtag, an dem die Kultur mit dem schamlosen Bastard Zivilisation zusammengekracht, da will ich dann hinknien auf Meer Ebne Wüste, Hände in reine weite Luft strecken, rufen wild stark groß:
WIR SIND WIEDER JUNG!
Ganz noch im Fall, Stockwerk 40, 36, 22, 9, 3, 2 sah Jörg windschnellenden Kopfs noch lang breit in sein Hirn leuchten quere Tafeln mit Goldbuchstaben
EIER EIER EIER UND BUTTERGESCHÄFT EIER UND
BUTTERGESCHÄFT