Danke, Schwester, ich bin wohl, antwortete sie und lächelte ernst. Ihr Lächeln war soeigentümlich, und in ihrer Stimme lag ein fremder Ton.

Wir gingen zur Kirche. So inniglich sang heute Martha, so inniglich betete sie heute! Thränen rollten aus ihren Augen, und sie hörte aufmerksam auf die Predigt desGeistliche.

Ich erinnere mich der Predigt noch heute. Der Text war: Lucas 18, Vers 29 u. 30.

»Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage Euch, es ist niemand, der ein Haus verläßt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder, um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.«

Von diesem Tage an wurde Martha stiller, als sie je zuvor gewesen war. — Sie blieb freundlich und liebevoll gegen alle. Sie selbst aberglich einem Engel, der still im Hausewaltete.

Doch der Vater schüttelte ernst den Kopf, und die Mutter war traurig, und die Freunde gingen nachdenkend vom Hause.

Und da war einer, derlitt besonders.

So verging der Rest des Sommers, und als der rauhe Wind durch die Bäume fuhr und die Blätter herabwehte, zogen wir wieder zur Stadt, — und bald kam ein Fest, — ein Fest der Freude für Martha, nicht für uns. Martha stand im langen Gewande vor dem Prediger, der sie dem Konvente unserer episkopalischen Kirche weihte.

Vaters Haar war weiß geworden. Oft, sehr oft, hörte ich ihn im Schlafe sprechen: O mein Kind, mein Kind!

Und war sie glücklich geworden?