Oft kam ich zu ihr in's Kloster. Mir wurde stets so wohl, wenn ich sie sah, und so ging es allen Menschen, wenn sie zur guten, schönen Schwester Martha kamen. — Wenn Schwester Martha an das Bett der Kranken trat, so fühlten sieErleichterung, und berührte sie die Kranken mit der Hand, soschwanden die Schmerzen.

Sie selbst aber war am liebsten unter den Kindern und bei den älteren Mädchen in der Schule des Konvents und hier wurde sie am meisten geliebt, so vom ganzen, warmen, jungen Herzen der Mädchen.

Als ich sie wieder einmal in der Schule sah unter den fröhlichen Mädchen, sprach ich zu ihr: Du bist doch recht glücklich!

Glücklich, sagte sie langsam, — ach ja, ich bin's. — Ich sah sie verwundert an undzweifelte zum ersten Male an ihrer Zufriedenheit.

So waren wieder einige Jahre vergangen, und große Trauerherrschte im Konvent, besonders in der Schule, denn die gute, schöne Schwester Martha war krank,bedenklich krank, hatte der Arzt gesagt.

Ich war viel bei ihr; sie wünschte es; zuletzt kam ich nicht mehr von ihrem Bette hinweg.

Da eines Tages, spät am Nachmittage, faßte sie wieder meine Hand und sagte: Teure, höre mir zu; ich habe mit Dir zu sprechen.

Ich rückte näher, so daß ich ihre schwache Stimme besser hören konnte; ihre Hand ruhte in der meinen, und sie sah mir in die Augen so tief, so innig und so liebevoll, und ihre Stimme klang so mild.

Schwester, sagte sie, geh' und öffne jenes Fenster. — Ich ging und tat es und kam zurück und sagte:

Du siehst so wohl aus, beste Schwester, bald wirst Du wieder ganz gesund sein.