Und am ersten Tage des Sieges-Festes war ein großes Gedränge auf dem Fest-Platze am Rhein; denn Ute kam heute mit ihrer Tochter Krimhilde. Hundert Ritter und hundert Mädchen begleiteten sie.

Da sah Siegfried sie zum ersten Male. Wie der lichte Mond vor den Sternen schien sie ihm, und Glück und Schmerz wechselten in seinem Herzen.

Da wurde er zur Königin Ute gerufen, damit ihre Tochter ihm Willkommen biete. Und als er vor der Holden stand, da wuchs ihm der Mut. Sie aber errötete tief und sagte:

Willkommen, Herr Siegfried, edler Ritter! Und als er sich verbeugte, begegneten ihre Blicke einander, — doch nur verstohlen sahen sie sich an.

Bald darauf gingen alle zur Kirche, und Krimhilde und Siegfried gingen Hand in Hand; und als sie zusammen aus der Kirche kamen, sagte Krimhilde: O, wie danke ich euch, edler Ritter, für die Dienste, die ihr meinen Brüdernerwiesen!

Ich will ihnen noch länger dienen und will ihnen dienen bis an meines Lebens Ende, wenn ich damit nur eure Liebe gewinnen könnte!

Das Sieges-Fest dauerte noch zwölf Tage, und Siegfried sah nun jeden Tag Krimhilde. Dann wollte er zurückkehren nach Xanten. — Jung Gieselher aber bat ihn zu bleiben, und so blieb er.

Auf der Insel Island lebte Brunhilde, die Königin. Weit und breit sprach man von ihrer Schönheit und von ihrer Kraft. Sie konnte Speere werfen, Steineschleudern und springen, besser, als mancher Ritter; — und nur einem solchen Ritter wollte sie Herz und Hand schenken, der sie in diesen drei Dingen überbieten konnte. Viele der tapfersten Ritter waren schon gekommen und — gefallen.

Siegfried kannte Brunhilde, und endlich hörte auch Gunther von ihr und sagte: Ich gehe an die See zu Brunhilde.

Thue es nicht, sprach Siegfried, du könntest die Reise mit Leib und Leben bezahlen.