Aber Gunther sprach: Kein Weib ist so stark, daß ich sie nicht leichtüberwinden könnte.
Du kennst Brunhilde nicht, sprach Siegfried; und ich rate dir nochmals: Geh' nicht nach Island!
Ich gehe, sprach Gunther, und koste es mein Leben; und du magst mit mir gehen; mit deiner Hülfe besiege ich sie gewiß.
Sie gingen: Gunther und Siegfried, Hagen und viele andere tapfere Ritter. Am Fenster standen die Frauen und weinten. Siegfried stieß vom Lande ab und lenkte das Schiff.
Am zwölften Morgen ihrer Reise sahen sie ein Land mit Burgen und Palästen. Da sprach Gunther: Nie habe ich solche Burgen gesehen. Der Herr dieses Landes muß gar mächtig sein.
Brunhilde ist die Herrin dieses Landes, erwiderte Siegfried, und diese Burg vor uns ist BrunhildensWohnsitz, die Isenburg.
Sie landeten und bestiegen die Pferde. Siegfried hielt GunthersSteig-Bügel, damit Brunhilde glauben sollte, Siegfried sei Gunthers Vasall. So hatten sie esverabredet, als sie noch im Schiffe waren.
Gunther und Siegfried waren weiß gekleidet und saßen auf weißen Pferden; alle anderen waren schwarz gekleidet und saßen auf schwarzen Pferden. So ritten sie auf die Burg zu. Diese war aus grünem Marmor gebaut, hatte sechs und achtzig Türme undumfaßte drei Paläste.
Brunhilde war glücklich, als sie Siegfried sah; sie eilte ihm entgegen und rief:
Willkommen, Siegfried, in meinem Land; ich möchte wohl hören, warum du kommst.