Ihr Anblick macht mich wieder frisch, und ich vergesse auf einige Minuten, wie müde ich bin.

Vor mir liegt die Stadt noch schlafend. Wie lieblich sie aussieht, beschienen vom Morgen-Rot! Solche Häuser habe ich niemals gesehen; sie erinnern an eine Zeit, die längstdahingeschwunden. DieDächer sind alt und spitz und haben viele Türmchen. Eine alte Burg steht oben auf dem Berge, und ringsum liegt die Stadt. Zwei Türme von großer Schönheit stehen am Thore vor mir. Von der nahen Kirche kündet gerade die Glocke die vierte Stunde an. Männer kommen; ihre Schritte schallen laut durch die stille Straße; die Männer gehen zur Arbeit, und ich gehe zur Ruhe. Was soll ich Dir wünschen: Gute Nacht oder Guten Morgen?

(Zwei Tage später.)

»Lebe wohl, du alte, gute Stadt; einst warst du schön und stolz; — Ruinen und Erinnerungen sind dir geblieben, — doch auch diese sind noch schön! Ich will oft an dich denken. Lebe wohl, du gute, alte Stadt! Ich muß weiter!«

Weißt Du, liebe Bella, in welcher Stadt ich das geschrieben habe? — Ein großer Maler lebte hier; er war der größte Maler Deutschlands und lebte gleichzeitig mit Raphael. — Raphael hat ihm persönlich einmal geschrieben und ihm aus Hochachtung ein selbst gemaltes Bild gesandt. Das Haus, in dem er wohnte, steht noch; es ist groß und wohlerhalten. DerKünstler hatte eine schöne Frau, aber diese war sehr böse gegen den armen D.... — Halt! Fast hätte ich den Namen genannt! Kennst Du, Bella, die Stadt noch nicht?

Viele alte Kirchen sind dort, und eine derselben ist besonders schön. Ihr Portal ist wunderbar. Wenn Du in die Kirche trittst, so findest DuKunstwerke von jenem Maler und auch das Sakraments-Häuschen von Adam Krafft.

Nicht weit von dieser Kirche findest Du auch dasDenkmal eines Schuhmachers. Ja, Bella, eines Schuhmachers. Aber das Denkmal hat man ihm gesetzt für seine Verse.

H... S.... war ein Schuh-Macher und Poet dazu.

Und auf dem Markte steht ein Brunnen von seltener Schönheit. Oh, Du weißt nun, ich spreche von der Stadt Nürnberg, von Albrecht Dürer und von Hans Sachs.

(Aus dem Tage-Buche. Seite 82.)