ImPalmengarten.

»Hier ist es herrlich! — ist es im Paradiese wohl schöner gewesen? — So viele Menschen sind hier und alle scheinen einander zu kennen; die Herren grüßen sohöflich und schwingen die Hüte so hoch, und die Damen verbeugen sich graziös und lächeln so freundlich; hier sind gewiß alle recht glücklich. Lachend und plaudernd promeniert man unter den Klängen der heiteren Musik auf breiten, sandigen Gängen zwischen Feldern der lieblichsten und kostbarsten Blumen. — Wie hier die Zeit doch so schnell vergeht! Schon sinket die Sonne undscheidend erglänzt sie in einem Meere der lieblichsten und süßesten Farben, mich dünkt, ich hätte sie nie zuvor so herrlich gesehen. — Noch einen letzten Blick wirft sie auf alles —; das Scheiden tut ihr recht leid, denn die Erde ist heute so schön. Die endlosen Felder von Weizen und Korn gleichen dem Meere, wenn linde Winde es leise im Sommer am Abenderregen; dieHügel sind mit dem lieblichen Grüne des Weines bedeckt, und an den Bäumen schimmern im reichlichenLaube die goldgelben Früchte.

Die Schatten werden tiefer, und die Nacht sinkt herab. In den Lüften summen dieKäfer, und Feuer-Würmchen leuchten aus dem Grase hervor. Lieder klingen aus der Ferne von Burschen und Mädeln, die freudig vom Felde kehren zu den heimischen Hütten.«

Bin ich nicht eine gute, sentimentale Deutsche geworden? Ach, Du würdest es auch werden, meine teuerste Bella, wenn Du hier wärest, denn die Natur ist hier ganz anders.

Ein Sonnen-Untergang hier ist mild und freundlich, bei Euch ist er brillant; einem Sonnen-Untergang in Deutschland muß man mit Freude zusehen, einen solchen in Amerika bewundern. Ich sehe, wie Du über mich lachst, aber das mußt Du nicht tun.

Nun, liebe Bella, hast Du erraten, wo ich jetzt bin? Ein wenig leichter will ich es Dir machen: Es ist eine große Stadt, und ein großer Poet wurde dort geboren, dessen Mutter einst sehr schön war. Ich habe auch das Haus gesehen und dasStübchen unter dem Dache, wo er geträumt und gedichtet hat. Noch jetzt befinden sich in einem der Zimmer folgende Worte von seiner Hand:

»Und wer derDichtkunst Stimme nichtvernimmt,
Ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei.«

Kennst Du den Poeten, und weißt Du den Namen der Stadt? — Frankfurt am Main undGoethe[V-1].

(Aus demTagebuche. Seite 117.)