Er schrie vor Schmerzen laut auf, bat den Fuchs um Hilfe. Der Fuchs aber lief und lachte und rief aus der Ferne: Wünsche guten Appetit, Herr Braun, guten Appetit!
Rüsteviel aber, geweckt durch dasGeschrei des Bären, sprang aus dem Bette und nahm seine Axt und eilte auf den Hof. Da sah er den Bären und weckte alle Nachbarn.
Sie kameneilends herbei; die Männer mit Stöcken und die Frauen mitBesen und alle schlugen auf den gefangenen Bären.
In derVerzweiflung aber reißt er sich los, läßt beide Klauen stecken von den Vorderfüßen und vom Gesichte dieHaut. Laut schreiend vor Schmerz, rannte er unter die Bauern. Sie alle fliehen, die Weiber zumal; und eine von ihnen, eine Köchin, fiel in das Wasser des Baches. Das war des Bären Glück; denn, als man zum Bache rannte wegen der Köchin, konnte der Bärentkommen. — SeinElend aber war so groß, daß er sich ins Wasser stürzte, um zu sterben, denn zu groß waren die Schmerzen. — Aber er schwamm den Bach hinunter und kam nach vielen Tagen zurück an den Hof des Königs.
Als Nobel, der König, ihn sah, rief erentsetzt: Großer Gott! Bist du das, Braun? Kaum kenn' ich dich wieder! Wer hat das getan?
Und als der König die Geschichte gehört hatte, sagte er zu den Herren um ihn: Ihr alle habt den unglücklichen Braun gehört. Höret nun auch meinen Willen: Ich bestimme, daß Hinze, der Kater, jetzt gehe zu Reineke. Du bist ein höflicher Mann, Hinze, und verstehst, in feinen Worten zu sprechen. Zu Reineke gehe und kehre bald wieder mit ihm.
Traurig ging der Kater, Reineke fürchtend. Und als er nach Malepartus kam, trat Reineke zu ihm heraus und sprach: Ah, sieh' einmal, Hinze! Kommst du zu mir? Das freut mich. Mit dir? Ja, mit dir will ich gehen; denn du bist ein feiner Mann; aber ichmöchte[I-4] nicht gehen mit dem rohen Bären; — auch hatte ich Furcht vor ihm. — Mit dir gehe ich gerne. Was aber kann ich dir geben zum Essen? Ach ja, — Ich habe Honig, süß und gut, möchtest du wohl davonspeisen?
Nein, sagte Hinze, ich mache mir nicht viel aus Honig; wenn du mir aber eine Maus geben wolltest, würde ich dir danken.
Issest du Mäuse so gern? rief verwundert der Fuchs. Mäuse kann ich dir geben in großerMenge in meines NachbarnScheune. Laß uns dahin gehen.
Und sie kamen in die Scheune des Nachbarn, desPredigers.