An der Seite der Scheune aber hatte Reineke gestern einLoch gegraben und hatte dadurch des Predigers beste Henne gestohlen. —Erzürnt darüber, hatte Martin, des Predigers Söhnchen, eine Schlinge gelegt an die innere Seite der Öffnung.
Alles das wußte der Schlaue und sprach mit falscher Freundlichkeit: Hinze, höret nur die Mäuse, wie sie pfeifen! So viele sind darin; man könnte sie nicht in zwei Wagen von dannen fahren. Hier ist das Loch, springt nur hinein!
Hinze aber fürchtete sich und fragte ängstlich: Meint ihr, Reineke, daß es sicher wäre, hinein zu gehn? —
Sicher, ganz sicher, mein lieber Hinze; spring nur zu. Während dumausest, will ich hier wachen für dich.
Und der Kater glaubte dem Falschen, sprang durch die Öffnung — und schrie, schrie jämmerlich! — denn er fühlte die Schlinge um den Hals, und sie preßte ihn arg.
Martinchen hörte das Schreien und jubelnd kam er gelaufen und rief: Ah, so hab' ich endlich den Dieb gefangen, der uns die Hühner stiehlt; und dann mißhandelte er den armen Hinze. Reineke freute sich dessen und glaubte, der Kater wäre nun tot. — Aber er war noch entsprungen; blutig undeinäugig zwar, — doch hatte er das Leben behalten.
Jammernd kam er zurück zum Könige und klagte sein Leid.
Des Königs Herzentbrannte in gewaltigem Zorne, und er sprach mit Donner-Stimme: Ich sehe, dieser Reineke ist einFrevler undverdient den Tod.
Aber Grimbart, der Dachs, kam wieder und sprach: Wollt ihr Reineke verdammen, bevor ihr ihn gesehen oder gehört? — Lasset mich zu ihm gehen und, wahrlich, ich werde ihn bringen.
Und Nobel, der König, sprach: Thue nach deinem Worte.