Grimbart, der Dachs, machte sich nun auf den Weg und kam mit vieler Mühe zu seines Oheims Burg. Da klopfte er an die Pforte und rief mit lauter Stimme: Öffnet, Reineke; denn Grimbart ist es, Euer Neffe. Öffnet! Ich habe mit Euch zu reden.
Und Reineke öffnete willig die Thüre und führte den Neffen in das Innere der Burg zu seinem Weibe und seinen zwei Söhnen. Beide waren noch jung und sahen dem Vater sehrähnlich, und der eine besonders war schlau.
Reineke aber sagte zu Grimbart: Ich weiß, warum du zu mir kommst.
Und denkst du nicht selbst, fragte wohlwollend der Neffe, daß es nun Zeit wäre, des Königs Willen zu tun und vor ihn zu kommen?
Wohl,versetzte Reineke. Heute bist du mein Gast. Ruhe von deiner beschwerlichen Reise; morgen aber gehe ich mit dir zum König.
Dann speisten sie alle zusammen; und dem Dachse gefiel es sehr gut in Reinekens Haus; denn Reineke war liebevoll mit seinem Weibe undzärtlich mit den Kindern. Und als es Nacht war, gingen alle zu Bette.
Am nächsten Morgen früh nahm ReinekeAbschied und sagte zu seinem Weibe:Achte wohl auf die Kinder; lasse keines aus dem Hause; — denn ich muß fort in Geschäften zum König und hoffe, recht bald wieder bei euch zu sein. Ihr aber, meine lieben Kinder, seid rechtartig und höret auf eure Mutter. Dann bringe ich euch etwas Gutes mit von dem Könige; und dann ging er mit dem Neffen.
Auf dem Wege aber begann Reineke ernstlich zu denken und sprach zu seinem Neffen: Weißt du, Grimbart, daß ich beginne, des Königs gerechtenZorn zu fürchten? — Denn ich bin schuldig, und vieles ist wahr, was die Feinde sagen von mir. Ich habe den plumpen Bären mißhandelt, des KönigsBoten, und auch Hinze, den Kater. Ich habe dieses getan und noch viel mehr, was schlecht ist.
Ist es also? fragte traurig Grimbart. Dannbekenne mir offen deine Sünden undgelobe Besserung.
Und Reineke tat also. Dann sprach er: Nun ist mir das Herz viel leichter, und freier gehe ich zum Könige.