Es geschah aber, so oft sie an einenBauernhof kamen, daß Reineke die Hühnerhaschen wollte. — Und er hätte sie wahrlich getötet, wäre nicht Grimbart gewesen, der ihn immer warnte, sagend: Oheim, ich dachte, du wolltest dich bessern?
Ja, so ist es, rief dann der Fuchs. Ja, ja! Ich bin doch ein arger Sünder.
Endlich kamen sie an des Königs Hof; und schnell wurde es bekannt: Reineke, der Fuchs, ist angekommen.
Er aber ging leicht und frei durch die Straßen daher, als wäre er selber des Königs Sohn; grüßte, lächelte freundlich, und niemand sah die Furcht in seinem Herzen.
Dann trat er zum König. Majestätisch saß er auf seinem Throne, von den Großen und Nobeln umringt. Die meisten von diesen waren bittere Feinde des Fuchses. — Dieser aber begann also zu reden:
Groß seid ihr, o König, und gerecht. Ihr höret alle, die Schuldigen und auch die Unschuldigen. Ihr könnt tun mit uns nach eurem Willen; denn unser Leben ist in eurer Hand. Nun aber wisset, o König, daß viele hier am Hofe sind, die michhassen, weil ich euch treu bin.
Schweig, rief der König! Duschwätzest zu viel und ehrtest nicht die Boten, die ich dir sandte.
O König, da ist wahrlich niemand, der des Königs Wort höher hält, als ich, dein treuester Diener. Was aber kann ich dafür, wenn der Bär von den Bauern mißhandelt wird?Gefräßig ist der Bär, und ich habe ihn ernstlich gewarnt; er aber wollte nicht hören; — und so war es auch mit Hinze, dem Kater.
Und so sprach Reineke immer. Wie viele der Feinde auch kamen und gegen ihnauftraten, — er wählte die Worte so wohl, er sprach so frei, daß man glauben mußte, er wäre ganz schuldlos und jene wären die Schuldigen.
Zuletzt aber kamen ehrbare Männer, wohlbekannt; und ihr Wortgalt viel — gegen diese konnte Reineke nicht sprechen, und der Königfällte das Urteil: Reineke Fuchs soll sterben. Bindet ihn und führet ihn hinaus zu dem Galgen.