Und nun werde ich Ihnen noch eine Parabel erzählen, das soll aber meine letzte sein:
Als Alexander der Große in Afrika war, kam er auch in ein Land, in dem die Leute so reich waren, daß sie ihm in silbernen Schalen goldene Früchte entgegenbrachten. Er aber sprach: Ich bin des Silbers und des Goldes wegen nicht in euer Land gekommen, eure Sitten will ich kennen lernen. Und da führte man ihn auf den Markt-Platz. Der König des Landes saß gerade auf seinem Throne, um Recht zu sprechen, und vor ihm standen zwei Männer. Da sprach der eine derselben: Von diesem Manne hier habe ich einen Sack mitSpreu gekauft und als ich den Sack öffnete, fand ich diesen großenKlumpen Gold in demselben — nun aber will dieser Mann ihn nicht zurücknehmen. Nein, sagte der andere, ich will ihn nicht zurücknehmen, denn es wäre nicht recht; ich verkaufte ihm den Sack mit allem, was darin wäre.
Der König hatte beide gehört. Dann sann er eine Weile und sprach zu dem einen: Hast du nicht einen Sohn? Ja, mein König. — Und jener hat, wie ich weiß, eine Tochter. Wohlan, da ihr beiderechtschaffene Männer seid, so verheiratet euere Kinder und gebet ihnen das Gold. — Beide Männer gingen befriedigt von dannen, Alexander aber war sehr verwundert. Als der König das sah, fragte er: Sage mir, fremder König, war mein Urteil nicht gerecht? Wie würde man denn in deinem Lande gehandelt haben?
In meinem Lande, erwiderte Alexander, würde der Richter beideenthauptet und das Gold für sich selbst genommen haben. — O, o! rief da der König, und läßt Gott die Sonne in jenem Lande scheinen? — Ja —. Und läßt er regnen? — Ja —. Wohl, versetzte der König, so ist es derunschuldigen Kinder und der dummen Tiere wegen. — So, Fräulein Bella, jetzt bin ich zu Ende. —
Bella: Dank, besten Dank, Herr Otto. — Wie gefallen Ihnen diese Parabeln, Herr Louis?
Louis: Sehr gut, mein Fräulein.
Martha Parks: Du bist aber heute sehr ruhig, Louis!
Martha Meister: Auch ich habe mich im Stillen darüber gewundert.
Louis: Ich beginne jetzt ebenfalls, ernst zu werden.
Dr. Albert: Oho, Bruder Louis, wozu denn das?