Martha Meister: Weißt Du, Gretchen, das ist Dir eine guteVorbedeutung.

Bella: Ja, Gretchen, das ist wahr.

Martha Meister: Ihre Vorlesung, Herr Doktor, dürfen Sie aber nichtaussetzen!

Dr. Albert: Ganz recht, mein Fräulein, darf ich nicht aussetzen.

Louis: Er könnte sonst etwas von unserm Plane merken, nicht wahr?

Gretchen: Laßt uns denn Platz nehmen. Bitte, Herr Doktor, beginnen Sie, sobald man eintritt. — Die Thüre öffnet sich schon — Martha, sieh' nur Mama an, wie glücklich sie ist, und Papa — er hält den Herrn von Halsen am Arme, als wollte er nie wieder von ihm lassen. — Hier, Mama, bitte, nimm Platz — dürfte ich Sie bitten, Herr von Halsen, hier; Papa, hier ....

Herr Meister: Aber Kinder, so feierlich — was soll denn das?

Martha: Still, lieber Papa, Mama weiß alles und wird es Dir später erklären.

Dr. Albert: Meine Damen und meine Herren! Wenn ich oft in meinen Studien-Jahren gegen Kolonnen von Vokabeln mühsam gekämpft und gegenScharen von Konjugationen und Deklinationen hart gestritten hatte und nicht selten ermattet zusammengebrochen war, dann mag ich wohl öfters in der Verzweiflung ausgerufen haben: O, warum haben unsere Väter jemals begonnen, den Turm von Babel zu bauen?!

Die Jahre sind nun geschwunden, und nur noch in sanfter Wehmut gedenke ich jener Leiden. Als Sieger bin ich hervorgegangen, und Großmut ist wieder eingezogen in mein Herz. Dann und wann sogar habe ich meine süßen Träumereien und — wer weiß, wer weiß, sage ich dann, ob nichtder allwaltende Vater seine Kinder so weit von einander entfernt und nach allen Enden der Erde zerstreut hat, auf daß sie sich nach langer Zeit des Wiederfindens erfreuen mögen! Ja, wenn ich sehe, wie die Menschen bis heute sich die Kraft des Dampfes und der Elektricität dienstbar gemacht haben, wie sie die Ferne in die Näherücken und die Zeit überbrücken — dann erscheint es mir fast, als ob jener Tag wirklich nicht mehr ferne wäre, da alle Brüder des großen Menschen-Geschlechts nach langer Trennung sich wieder verstehen lernen wie ehemals, als sie eine Sprache redeten. DieFähigkeiten der Menschen werden so groß, die Methoden des Studiums werden so vollkommen sein, daß man ungemein schnell und leicht die Sprachen der Welt erlernen kann. Hat man doch heute den Anfang bereits gemacht.