Töne und Melodien und Harmonien sind überall, überall in der Natur; überall, wo Leben ist, da entsteht auch der Ton; wo der Ton uns sympathisch erquillt, wo Melodie und die Harmonie, da geht das Werk der Natur glücklich von statten; und instinktiv weilen wir hier und hier weilt alles Lebende gerne.
Töne kommen vom Leben, sind Beweise des Lebens und darum wirken sie gleiches und erwecken auch Leben. Daher die Macht der Musik über alles Lebende, daher dieAnziehungs-Kraft der Musik auf alles, was Leben hat. Farbe und Form wirken auf das Auge der Geschöpfe, Ton und Musik auf das Ohr.
Der Dichter erhebt sich über die Menschen, übersieht ihre Taten,erforscht ihre Gedanken und Gefühle und, indem er in seinen Dichtungen die Handlungen von Menschen wahrhaft gruppiert, wirkt er wieder auf Menschen durch deren Herzen und Verstand.
Der Maler erhebt sich gleichsam über die Erde und führt eine Scene auf seinem Gemälde derartig aus, daß auch andere Menschen die Schönheit der Erde leichter zu erkennen vermögen. Der Maler wirkt durch das Auge.
Dem Komponisten aber verlieh Gott in seiner Gnade die Gabe, daß er sich im Geiste über dasIrdische zu den Himmels-Sphären schwingen und jene Harmonien vernehmen kann, welche aus den unendlichen Räumen zusammenströmen und das glückliche Zusammen-Wirken alles Bestehenden im Welten-Alle verkünden. O, wer wie sie jene Musik der Sphären vernehmen könnte!
Beethoven und Mozart und Gluck und Haydn und Händel und Mendelssohn und Bach und Weber und die anderen alle — sie hörten dieselbe und gaben uns andern in ihren Werken nur ein schwaches Echo, auf daß wir uns daran laben und vom Höheren lernen und an das Höhere glauben.
Daher kommt es, daß die Macht der Musik so allgewaltig ist, weil sie aus den Höhenstammt, und daher kommt es auch, daß ein Beethoven, der sich erhoben hatte über allen irdischen Glanz, sich selbst vor einem Kaiser nicht beugte, da selbst ein Goethe, der erste Poet seiner Zeit, sich ehrfurchtsvoll bückte, als beide, Komponist und Poet, zusammen dem Fürsten begegneten. Darum geschah es auch, daß an einem Tage während des Wiener Kongresses die versammelten Kaiser und Könige und Fürstinnen sich sämtlich von ihren Sitzen erhoben und sich beugten vor dem Meister; er hatte ihnen durch seine Kompositionen eineAhnung gegeben von jenen Höhen, Höhen, in denen er selbst geweilt, und er hatte die Großen der Erde erfüllt mit Ehrfurcht vor dem Höchsten, dessen bescheidener Diener er selbst nur war.
Eben diese hohe Macht ist es, welche auch aus Händel sprach, als er zu einem Kurfürsten von Sachsen sagte: »Königliche Hoheit, ich haben meinen »Messias« nicht geschrieben, um Euch zu unterhalten, sondern um Euch zu bessern.«
Und es ist nur ein Abglanz des Schönen, das Mozart selbst vernommen und das wir wiederfinden in seinen Werken und in seinem Leben.
Ich will nun meine Bemerkung schließen mit den Worten Schillers, meines Lieblings-Dichters: