Ich habe meinen Freunden hier gewisse, kurze Regeln gegeben, — und, Sie sehen, sie sprechen korrekt.

Dr. Albert: Das ist wahr. — Und welche Regeln halten Sie für die notwendigsten?

Herr Meister: Ah, — für die notwendigsten! Mein lieber Herr Doktor, ich will Ihnen einige von solchen Sätzen geben, die meinen Freunden gute Dienstegeleistet haben. — Aber nehmen Sie die Sätze für nichts mehr, als für was ich sie ausgebe: Praktische Winke, die unendlich viel Gutes tun. Sie mißverstehen mich nicht, nicht wahr? — Ich gebe sie Ihnen nicht als Regeln.

Meine Freunde haben sichgewöhnt, ihre Gedanken sofort mit deutschen Worten auszudrücken.

Dr. Albert: Und das erkenne ich als den größtenVorteil Ihrer Methode.

Herr Meister: Ganz recht. — Dennoch kommt es vor, daß sie englische Idiome und Konstruktionen gebrauchen.

Dr. Albert: Das ist ganz natürlich.

Herr Meister: Ja. — Zum Beispiel: Unsere Freunde würden nie im Englischen sagen: "My brother Louis rides good"; das wäre nicht grammatikalisch; — sie würden sagen: "My brother Louis rides well;" denn "good" ist ein Adjektiv im Englischen, "well" aber wird als Adverb gebraucht. So kam es denn, daß Herr Otto auch im Deutschen sagte »Mein Bruder Louis reitet wohl«. Im Deutschen aber ist das nicht recht. — »Wohl« wird sehr oft gebraucht als Synonym von »nicht krank«. — Z.B. »Wie geht es Ihnen? — Danke, ich bin wohl«. Wir gebrauchen es auch oft in dieser Verbindung: »Bringen Sie mir gefälligst ein Glas Wasser!« »Sehr wohl, mein Herr«, — wie das Englische "all right", "very well" und so weiter. "My brother Louis rides well" würde im Deutschen sein: »Mein Bruder Louis reitet gut«; denn »gut« ist im Deutschen Adjektiv und Adverb. Also nicht: "He speaks well" »Er spricht wohl«, sondern: »Er spricht gut«.

Otto: Den Fehler habe ich sehr oft gemacht, nicht wahr, Herr Meister?

Herr Meister: O ja, recht oft. Aber bin ich jemals müde geworden, Sie zu verbessern?