Ich war enteuscht.

Ich sagte zum Dokter, wenn ich 50 Cent hedte, mechte ich wider zur Abendforschtellung gehn aber Susi sagte: »Nein, eimal is genug un du wirdest zu schpet nachaus kommen.«

Ich lungerte herum, bis ich sie weggehn sah; sie gingen mit die andern jungen Leute am Abens.

»Nun Schorschi, mein Junge lauf direk nachaus, sei ein guter Junge, damit Mama nich besorgt is!« sagte Susann.

Ich hadte Zeit. Mein Plahn war fertig. Ich schpilte mit den Jungen auf der Schtraße bis filleich 9 Uhr; dann schlipfte ich henaus zum Hotellschtall, lif kwer durch, kam hinter den großn Zellt herfor, wo alle Wagn schtandn, die nich drinnen warn, kraxlte in einem fon dise Wagn un wiklte eine Deke oder was es war um mir, damit sie mich nicht endekn un lag un wartete. Ich wußte sie wirdn um 2 in der Nacht wegfahrn; ich herte, wi die Menner es sagtn. Ich wollte mitgenommen wern; dann am nechstn Tag, wenn sie mich findn, wollte ich sagn, ich bin ein Weisnknabe un will das Geschefft lernen. Dann wern sie mich aufnehmen un auf die Plakether druckn lassn: »Der kleiner Schorschi, das Wunderkind, dessn Produksjohnen in der Akrobatih alles dagewesne ibertreffn.«

Ich muß eingeschlafn sein, obwohl ich mich fest anschtrengte, wach zu bleibn. Wi ich aufwachte, war der Wagn in Bewehgung. Ich konnte di Schterne scheinen sehn un das machte mir ein bischen Heimwe, aber ich blib ganz ruig, weil ich nich wollte, das sie mich früer findn, als bis wir sehr weit weg sind, damit sie mich nich mehr zurikschikn kennen. Ich konnte nich mehr fest einschlafn; der Wagn waklte un der Kutscher schrie greßlich zu die Ferde, wenn er zohnig war. Dann auf eimal kam ich ganz auf — es fing an licht zu wern un ich konnte die Zeine un die Bäume sehn. Ich bewegte mich ein bischen, weil mir die Fiße so schteif warn un dann brillte etwas! Das Hertz schtand mir schtill un dann klopfte es so laut, das es mir wi 1000 Donner in die Ohrn klang. Ich traute mich nich zu bewegn un die Fiße tatn mir greßlich weh. Ein bischen schpeter drehte ich meinen Kopf um filleich ein Zoll un ich sah einen Lewen. Ich wahr in seinen Kefig. Er lag gans ausgeschtrekt, di Nase auf die Fotn un blinzlte mit seine gelbn Augn auf mir, wi wenn er sich denkte, es is ein guter Witz. Oh mein Tagbuch, wenn ich auch so alt wer, wi Metuslem ich werd nie, nie das Gebrill fergessn, das er dann machte! Werter kennen es nich beschreibn. Un da lagn wir, ich, der kleine Schorschi zusamm mit den Lewen. Es wurde lichter un lichter. Er lag un blinzlte zu mir, wie wenn es Schpaß wer. Ich konnte nich hinschaun. Wenn ich mich nur das kleinste bischen bewegte, so brillte er. Ich war gelehmt fon Schreken. Ich sagte meine Gebete noch un nochmal. Ich dachte an Mamma, an Lily, an Betti, wie gut alle zu mir sind un wi godtlos es fon mir is wegzulaufn un der Lewe blinzlte jedesmahl wi wenn er sagn mecht: »Zu schpet! Du hedtes früer dran denkn solln, kleiner Schorschi; warte nur bis zu meiner Früschtikzeit. Du wirst nur 2 Bissn machn, wenn ich hungrig bin.« Oh es war greßlich! Die Zeit ferging schreklich langsam. Es wurde heller Tag. Dann fing der Lewe an, mit den Schweif zu wedln un sich das Maul zu lekn. Ich glaube, ich wurde ohmechtig.

Wi ich zu mir kam, lag ich auf den Gras. Ein par Menner schtandn um mir; die ganze Prozeßjohn war schtehn geblibn. Irgndwer hadte mir Wasser im Gesicht geschidtet. Ich setzte mich auf un fragte: »Hat er mich doch nich aufgefressn?«

»Fiehl hat nich gefehlt,« sagte der Kutscher. »Wi um Gotteswilln bis du in den Kefig fon Zihcero gekommen?«

Ich erzehlte ihm, wi ich in den Wagn kraxlte, weil ich das Zirkusgeschefft lernen wollte. Alle dise grobn Kerle lachtn un sagtn ich soll nachaus gehn zu meiner Mutter.