Oh Godt, ich bin ein greßlich ungliklicher Junge! Ich blib schtill wehrend sie schwatztn un schribn un schribn; dann machte der Notahr die Thir auf un rif jemandn henein, das Testerment als Zeige zu unterschreibn un alles wahr foriber. Es war heiß unter den Bedt. Ich wahr mid un das erste, was ich fon mir wußte war, das ich eingeschlafn wahr. Wi ich aufkam, wahr alles finster wi ein Haufn schwarze Katzn. Ich herte ihm schnarchn un kroch deswegn leise herfor, griff mit der Hand forsichtig unter seinem Polster, wohin ich ihm das Testerment hadte schtekn hern — es wahr noch dort — auch seine Uhr un Briftasche — ich nahm alles in mein Zimmer um ihm tichtig zu erschrekn, den abscheilichn altn Gauner, seinen eignen kleinen Neffn zo zu ferleimdn! Ich schtekte die andern Sachen zwischn meine Matratzn, zindete ein Licht an un hilt das Testerment henein bis es Feier fing un »zu Asche zerbreklte« wi ich in einer Geschichte gelesn hab; ich ferbrannte mir die Finger un liß ein par Schtikchen falln, aber ich blis die Flamme ganz leicht aus, es wahr gar nichs geschehn, nur meinen neuen Sommerschilehn, die man mir heute nachaus gebracht hadte — es war durch 3 dafon ein großes Loch gebrannt. Ich ging henunter un sah das erst 8 Uhr war. Meine Leite hadtn geglaubt, das ich lang draußn gewesn bin Ball schpiln. Betti gab mir ein Schtik kaltn Reisauflauf un ein Schtik Kuchn un ich ging schlafn.
So gegn Mitternach war ein greßlicher Lerm im Haus. Onkl Samson wekte die ganze Famili auf mit seinen Geschrei, das er ausgeraubt worn is. In der Nacht war keine Rue mehr. Seine goldne Uhr 2 hundert Doller wert un seine Briftasche mit 3 hundert drin wahr ein bischen zu fihl! Er war gans wild. Es war ein Fenster offn un Papa dachte, es muß jeman hereingeschtign sein un die Sachn genommen habn.
Je wilder der Onkl wurde, desto tauber war er auch un alle mußtn ihm in der Ohrtrompette schrein — — so was!
Es scheint unsre Familje kommt immer in der Patsche — mir scheint andre Familjen habn nich so fihl Unrue. In der Nacht konnte nichs mehr geschehn, un zuletz gingen alle schlafn wi schon Tag wurde. For den Früschtik trug ich die Uhr un die Briftasche den Onkl zurik. Ich erzehlte ihm, das ich glaube, der Dib muß Angs bekommen un sie falln habn lassn, aber das Papir konnte ich nich finden, un er gab mir 10 Cent un sagte ich bin doch kein so schlechter Junge wi er glaubte un er kenne ein anres Testerment schreibn, wenn er wider gesund is, es kennte sein, das er doch nich sein ganzes Geld dem Fersorgungshaus hinterlaßt. Dann redete ich sehr freindlich zu ihm durch der Ohrtrompette. Ich fragte ihm, wi lang Leite fon seinen Alter gewehnlich lebn, denn wenn er bald schterbn sollte, so mechte ich ihm bittn mir fierzig Doller zu hinterlassn, damit ich mir das Poni kaufn kann — ich hab mich immer nach einen Poni gesehnt. Ich erzehlte ihm, das Elsbett gesagt hat er is ein alter Unruemacher, weil sie so laut schprechn muß, das ihr der Hals weh tut, aber ich mache mir nix draus laut zu schprechn — es is schpaßig in ein so Ding heneinzuschrein wi ein Tellerfohn. Ich fragte ihm ob er noch nich probihrt hat mit die Zehne zu hörn un ob er weiß, das Tante Betsey bös auf Papa is un ihm kein Geld leihn will un sagt unsre Leite sin ferschwendrisch.
Ich erzehlte ihm, das Lil un Montagu einen Schtreit hadtn un das der Dokter Moor wird hungern missn, wenn er nich bald mehr Prakses bekommt un unsre Kechin is nich so nett wi sichs geherrt, un mein Papa is sehr jezornig; das Papa es nich gern hadte, das er kam, den Sommer mit uns zu ferbringen, aber Mamma sagte es were ganz recht un wir werdn schon bezalt wern dafir; un wi Betti immer zu mir brummt, weil sie ihm nich gern die Knepfe an die Kamaschn anneht un ihm bedint, weil er zu geizig is um ihr hier un da einem Doller fir ihre Ekstraarbeit zu gebn.
Er schien mir gern zuzuhern, manchmal grinste er, wi wenn ihm etwas kitzlte; aber fon Mamma hab ichs heut nachmitag schreklich gekrigt, das ich meine Zunge hab so laufn lassn — sie sagte, ich hab schon genug Unheil angeschtellt — ich kann es nie allen Leitn recht machn.
Zun Beischpil, gestern Abens warn der Tellergrafnbeamter un Elsbett im Forderzimmer, Betti war weg weil sie Ausgang hadte, un Elsbett sagte zu mir: »Schorschi, wenn die Schmidtmedchen heut Abens kommen, sag ich bin nich zuhaus, der Onkl is krank un Mamma hat zu thun.«